Stadt Bayreuth

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13.11.2007

Alte Wunder wieder scheinen

Joseph von EichendorffAm 26. November jährt sich zum 150. Mal der Todestag des schlesischen Dichters und Juristen Joseph Freiherr von Eichendorff. Die Stadt Bayreuth widmet dem Romantiker unter dem Motto „Alte Wunder wieder scheinen“ eine Woche mit literarischen und musikalischen Veranstaltungen.

Los geht’s am Mittwoch, 21. November, um 15 Uhr, mit einer Vortragsveranstaltung der Volkshochschule im Historischen Sitzungssaal des Alten Rathauses. Dr. Ernst Nöfer referiert über Eichendorff als Dichter der Romantik. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein zählte Eichendorff zu den beliebtesten Dichtern Deutschlands. Er ist nach Heine wohl einer der meistvertonten Romantiker. Wer ihn liest, der hört Musik im doppelten Sinn: er wird eingefangen von der verführerischen Sprachmelodie der Verse und begreift die so ganz anderen Prioritäten in den Lebensformen der romantischen Epoche.

Am Donnerstag, 22. November, um 20 Uhr, lädt die Stadtbibliothek dann zu einer szenischen Lesung in ihre Räume am Luitpoldplatz ein. Viele bekannte Texte, aber auch so manch Unbekanntes, immer mit biografischem Bezug, garantieren einen abwechslungsreichen Abend.

Die Studiobühne Bayreuth, Röntgenstraße 2, führt am Montag, 26. November, um 20 Uhr, die Commedia „Taugenichts“ frei nach einer Novelle von Eichendorff von und mit Jürgen Skambraks auf. Die Novelle über den Müllersohn, der sein Glück in die Hand nimmt und sich – seiner Nase folgend – musizierend durch die Welt treiben lässt, war schon bei der Erstveröffentlichung 1826 ein großer Erfolg. „Taugenichts“ erzählt diese Geschichte in (sehr) freier Bearbeitung als fulminantes Solo im Stil der Commedia dell’arte. Jürgen Skambraks vom STUDIO 7 in Köln, ist vielen in Bayreuth als Schauspieler der Studiobühne unvergessen!

Weiter geht’s mit dem Veranstaltungsreigen rund um Eichendorff am Dienstag, 27. November, um 16 Uhr, im Historischen Sitzungssaal des Alten Rathauses mit der Video-Performance „Stimmen hin und wieder wandern“, einem Kooperationsprojekt der Volkshochschule mit dem Studiengang Theater und Medien der Universität Bayreuth. Im vhs-Theaterensemble „DieAmanten“ unter der Leitung von Silvia Guhr entstanden Szenen auf der Basis von Eichendorff-Gedichten, die an vier Terminen im Studentenwald, am Eichendorffring, in Räumen der vhs und im Experimentiertheater von einem Filmteam der Universität gedreht wurden. Außerdem fand ein „Site-specific-Performance-Workshop“ mit dem Sänger, Klangkünstler und Performer Dr. Walter Siegfried statt, bei dem es unter anderem am Eichendorff-Ring um situative Gesänge ging. Auch diese Aktion wurde gefilmt. Im Herbstsemester 2007 wurde im Rahmen eines Kompaktseminars im Studiengang „Theater und Medien“ das gefilmte Material von Studenten zu experimentellen Kurzfilmen verarbeitet, die im Rahmen der Eichendorff-Woche präsentiert und anschließend als podcast ins Internet gestellt werden.

Die Präsentation beginnt mit einer kurzen Vorstellung des Projekts im Historischen Sitzungssaal des Kunstmuseums, anschließend begibt sich das Publikum auf einen Spaziergang durch die Stadt, in der an verschiedenen Stellen Monitore aufgestellt sind. Die dort gezeigten Eichendorff-Videos werden durch Walk-Acts und kleine Live-Performances ergänzt.

Ein Konzert mit Solo- und Chorliedern nach Texten von Joseph von Eichendorff präsentiert die Hochschule für Evangelische Kirchenmusik am Dienstag, 27. November, um 20 Uhr, im Balkonsaal der Stadthalle. Die „Mondnacht“ von Robert Schumann ist die wohl anrührendste Vertonung eines Gedichtes von Eichendorff. Sie wird zusammen mit weiteren Liedern aus dem „Liederkreis op. 39“ von Schumann erklingen, gesungen von Susanne Behnes (Sopran) und begleitet von Michael Wessel am Klavier. Diesem Liederzyklus aus der Romantik wird ein Zyklus des Würzburger Komponisten Berthold Hummel „5 Lieder nach Gedichten von Joseph von Eichendorff op. 88b“, komponiert 1988 und seinem Sohn, dem Bariton Martin Hummel gewidmet, gegenübergestellt.

Auch der Konzertchor „musica vocalis“ wird in verschiedenen Chorliedern alt und neu gegenüber stellen. Da darf Mendelssohns „Abschied vom Walde“ (O Täler weit, o Höhen) natürlich nicht fehlen, aber wer kennt schon „Abendlich schon rauscht der Wald“ von Mendelssohns Schwester Fanny Hensel? Einen besonderen Reiz bieten die „Vier Eichendorff-Lieder“ für Chor und Klavier von Hans Gebardt. Ergänzt wird der musikalische Abend mit Gedichten und Texten von Joseph von Eichendorff, gelesen von Silvia Guhr und Wolfgang Zeitler. Die Gesamtleitung des Konzertes hat Professor Karl Rathgeber, Rektor der Hochschule für evangelische Kirchenmusik Bayreuth.

Am Mittwoch, 28. November, steht um 15 Uhr im Historischen Sitzungssaal des Alten Rathauses ein Nachmittag mit Volksliedern nach Eichendorff unter dem Titel „Wen Gott will rechte Gunst erwiesen“ auf dem Programm. Viele Gedichte von Eichendorff sind vertont worden. Neben Kunstliedern sind dabei auch populäre Volkslieder entstanden. Carolin Pruy von der Beratungsstelle für Volksmusik in Franken lädt zu diesem vergnüglichen Nachmittag ein, um gemeinsam dieses schöne Liedgut wieder erklingen zu lassen. Wer gerne singt ist ebenso willkommen, wie Leute, die lieber zuhören!

Zum Abschluss der Eichendorff-Woche findet am Freitag, 30. November, um 20 Uhr, im Lisztsaal der Städtischen Musikschule ein Romantisches Konzert mit Lesung zum 150. Todestag Eichendorffs statt. Junge Musiker der Musikschule spielen Werke von Dvorak, Brahms, Svendsen und anderen mit verbindenden Texten des Dichters, vorgetragen von jungen Bayreuther Schauspielern.