Stadt Bayreuth

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03.09.2010

Ampeln bekommen Augen und Ohren

Motto des Tiefbauamtes: Erst ausgiebig testen, dann in Betrieb nehmen

Bayreuths Ampeln werden auf Busbeschleunigung getrimmt.Bahn frei für Runde zwei: In diesen Tagen hat am Freiheitsplatz das Umrüsten von neun weiteren Verkehrsampeln im Stadtgebiet begonnen. Modernisierung und Energieeinsparung sind der Grund für diese Maßnahme, die im Mai mit Phase eins (acht Anlagen waren betroffen) begonnen hatte und mit dem dritten Abschnitt im kommenden Frühjahr (weitere acht) vollendet wird.

Profitieren werden eines Tages von dem Umbau alle: Autofahrer werden rotes, gelbes und grünes Licht besser erkennen können – dafür sorgt die nun verwendete Leuchtdioden-Technik (LED); Buslenker werden im Falle von Verspätungen seltener an diesen Ampeln gebremst werden und somit den Fahrplan besser einhalten können (was wiederum den Fahrgästen zugutekommt); die Kommune muss weniger Geld aufbringen, weil die LED-Technik nicht so viel Strom, verbraucht. Und schließlich soll der Verkehr im Idealfall besser fließen, Stichwort „grüne Welle“.

Dieser Idealfall wird indes noch etwas auf sich warten lassen. Denn Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste bei Adam Kirschner, dem Leiter des städtischen Tiefbauamtes, und seinen Mitarbeitern. „Wir werden nichts überstürzen, ausgiebig testen und die Ampeln erst auf den Verkehrsrechner aufschalten, wenn sie ohne Probleme arbeiten.“ Erfahrungen sammeln und gegen Kinderkrankheiten vorgehen, heißt das Motto.

Signale vom Bus

Denn die Anlagen müssen künftig nicht nur Stopp gebieten oder freie Fahrt gewähren, sondern auch noch „Augen und Ohren“ aufsperren“. Das Geheimnis des fließenden Verkehrs sind Detektoren, die erkennen, wie viele Fahrzeuge sich der Ampel nähern. Herrscht von der einen Richtung Flaute, dann erhält der kreuzende Verkehr eher oder länger freie Fahrt. Eine besondere Spezies sind die Busse im Öffentlichen Personen-Nahverkehr (ÖPNV). Diese sollen demnächst an die Ampeln Signale senden, ob sie verspätet sind oder nicht. Die Lichtzeichen-Anlage wird einen „Nachzügler“ dann – soweit möglich – nicht warten lassen, damit der Bus pünktlicher wird. Auf diese Weise könnten zum Beispiel auf der „langen“ Linie 305 (Meyernberg – ZOH – Hohe Warte) verkehrsbedingte Verspätungen und das Verpassen der Anschlüsse seltener werden.

Man kann sich gut vorstellen, welche Programmier- und Rechenleistung bei Mensch und Computer benötigt werden, um dies alles einwandfrei zu koordinieren. Schließlich muss der zentrale Verkehrsrechner nicht nur ein paar Anlagen berücksichtigen, sondern alle, insgesamt 82 gibt es in Bayreuth derzeit. Adam Kirschner: „Unser Rechner ist mehr als zehn Jahre alt, ein Riesenkasten, der nun mit immer neuen Software-Versionen von verschiedenen Ampel-Generationen klarkommen muss. Er wird bei dieser Datenflut extrem gefordert sein.“ Gar nicht gefallen den Ampel-Rechnern Spannungsschwankungen im Stromnetz, die sie schon mal abstürzen lassen. Dann genügt nicht etwa ein zentraler Knopfdruck zum Neustart; vielmehr ist ein Techniker vor Ort gefragt.

Nun aber wird erst mal umgerüstet, überwiegend im Norden von Bayreuth. Das dauert unterschiedlich lange. In der Regel sind 14 Tage pro Anlage angesetzt; mal geht es schneller über die Bühne (etwa an der Kreuzung Bernecker-, Seestraße, St. Georgen), mal werden zwei Wochen nicht ausreichen. Dies gilt für den Freiheitsplatz, weil dort auch noch eine extra Linksabbiege-Regelung geschaffen wird. Die Ampel-Steuerung wird ebenso erneuert wie Fundamente, Kabel und Masten, erklärt Andreas Witzschel aus dem Tiefbauamt.

In Städten wie Erlangen oder Schweinfurt wird die „Busbeschleunigung“ bereits praktiziert. Ohne Anlaufschwierigkeiten ging es auch dort nicht. „In Erlangen arbeitet man seit vier Jahren damit; seit zwei Jahren läuft es gut“, weiß Kirschner.