Stadt Bayreuth

06.11.2009

Bayreuther Vorbildpreis für Muhammad Yunus

Im Vorfeld der Bayreuther Dialoge zeichnen Organisatoren einen besonderen Banker aus

Mit dem Bayreuther Vorbildpreis ausgezeichnet: Muhammad YunusBAYREUTH / WIESBADEN – Auf Schloss Freudenberg in Wiesbaden haben Studierende des Studiengangs Philosophy & Economics (P&E) der Universität Bayreuth Muhammad Yunus mit dem Bayreuther Vorbildpreis 2009 ausgezeichnet. Der Bankier und Ökonom, geboren in Chittagong im heutigen Bangladesch, steht für ein besonderes Projekt: eine Welt ohne Armut.

Er fühle sich geehrt, erklärte Yunus, als er den Preis am Donnerstagabend aus den Händen Bayreuther P&E-Studierender entgegennahm. Im Gespräch mit ihnen nannte der Friedensnobelpreisträger nach Mitteilung der Uni-Pressestelle den Kapitalismus „ein halb fertig gebautes Haus“. Es gelte den Fokus des Wettbewerbs zu verschieben – von der Maximierung des Profits zur Maximierung des sozialen Benefits. Dieses neue Denken müsse auch Eingang in die Ausbildung von Managern finden.

„Als Gründer der Grameen Bank für Mikrokreditwesen ist der Friedensnobelpreisträger von 2006 für uns ein echtes Vorbild“, sagt Jan Stöckmann, der gemeinsam mit Britta Rumpf und Johannes Rosenbau die Projektleitung des an diesem Wochenende auf dem Bayreuther Campus stattfindende Kongresses „Agenda Humanitas – Wirtschaft (ver-)sucht Menschlichkeit“ inne hat. Der Kongress gehört in die Reihe der Bayreuther Dialoge, alljährlich wird dabei ein Vorbildpreis vergeben. „Wir wollen mit dem Vorbildpreis für Muhammad Yunus vor allem seine Vorreiterrolle honorieren, die er bei der Entwicklung der Mikrokredite eingenommen hat“, so Stöckmann weiter. Bei der Vergabe von Kapital nicht auf die dinglichen Sicherheiten der Menschen zu setzen, sondern auf das Potenzial, das in ihnen steckt, sei ein besonderes Zeichen der Menschlichkeit. Ein Mikrokredit schaffe die finanzielle Grundlage, selbstständig als Unternehmer tätig zu sein. Abseits von Entwicklungshilfe und Spenden bekämen Menschen so die Chance, auf eigenen Beinen zu stehen.

Als Professor und Berater von internationalen Organisationen ist Muhammad Yunus ein viel gefragter Mann. Daher kann er bei den Bayreuther Dialogen nicht anwesend sein. Die Bayreuther Studierenden trafen Yunus, der sich gerade auf einer Deutschlandreise befindet, in Wiesbaden. Dort hatte er am Wiesbaden Responsibilty Forum teilgenommen.

Bayreuther Dialoge

Zu den Bayreuther Dialogen erwarten die Organisatoren mehr als 150 Teilnehmer. Auf dem Programm des zweitägigen Kongresses steht auch eine öffentliche Veranstaltung: Am Samstag, 7. November, findet ab 18 Uhr in der Bayreuther Stadthalle eine Podiumsdiskussion zum Thema „Menschlichkeit in der Krise“ statt. Es diskutieren die Nürnberger Zeitarbeitsunternehmerin Ingrid Hofmann, Unternehmensberater Moritz Freiherr Knigge, Helmy Abouleish von der ägyptischen Sekem-Gruppe, Dr. Matthias Wehling, Mitglied der Geschäftsführung von Ernst & Young, und Professor Dr. Martin Leschke, Inhaber des Lehrstuhls für Institutionenökonomie an der Universität Bayreuth.