Stadt Bayreuth

04.03.2010

Bioenergie – das Multitalent

Mehr als 100 Teilnehmer beim 1. Bayreuther Bioenergiesymposium an der Universität

Wärme, Strom, Kraftstoff: Bioenergie ist ein Multitalent – sie kann viel, schont das Klima und stärkt die regionalen Wirtschaftskreisläufe. Und doch ist Bioenergie auch ein Reizthema, wie das 1. Bayreuther Bioenergiesymposium in den Räumen der Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften an der Universität Bayreuth zeigte.

Experten des Bayreuther Bioenergiesymposiums trafen an der Universität mit den politischen Spitzenvertretern von Stadt und Landkreis Bayreuth zusammen.

Mehr als 100 Bürgermeister, Kreis- und Stadträte, Vertreter von Initiativen und Verbänden sowie Wissenschaftler und Repräsentanten der Universität Bayreuth waren zu der Veranstaltung gekommen, die das Regionalmanagement von Stadt und Landkreis Bayreuth in Kooperation mit der Universität organisiert hatte. Ihnen führte Dr. Rainer Gießübel vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz die Bedeutung, die die Bioenergie in Deutschland heute bereits hat, deutlich vor Augen.

Bioenergie – also Energie aus Pflanzen oder Reststoffen – macht etwa 70 Prozent des Aufkommens erneuerbarer Energie in Deutschland aus. Biomasse steht für etwa 38 Prozent des Umsatzes mit erneuerbaren Energien sowie für deutschlandweit fast 100.000 Arbeitsplätze. Die Anbaufläche beträgt etwa zwei Millionen Hektar. „Bioenergie hat also längst auch ökonomische Bedeutung“, so Gießübel in seinem Vortrag. Und sie habe das Zeug dazu, über den Klimaeffekt hinaus in den Regionen weitere ökonomische Impulse zu setzen. Die politischen Ziele jedenfalls lassen weiteres Wachstum und weiteren Bedeutungszugewinn erwarten: Der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energien soll in Deutschland bis zum Jahr 2020 auf 30 Prozent steigen, bei der Wärme sollen 14 Prozent und im gesamten Energieverbrauch 18 Prozent aus regenerativen Quellen stammen.

Tatsächlich, so der Ministeriumssprecher weiter, wächst aber auch das Konfliktbewusstsein. In Regionen mit intensiver landwirtschaftlicher Flächennutzung ist die Konkurrenz um die Flächen und deren Nutzungen bereits spürbar. „Und die Diskussion um die Vereinbarkeit von Naturschutz und Bioenergie beginnt gerade erst richtig“, so Gießübel. Er erwarte einen interessanten Diskurs, an dessen Ende „ein verträgliches Einbauen der Bioenergie“ stehen solle. Bedeutet konkret: Bei Kraftstoffen werde Deutschland wohl auf Importe abzielen, bei Strom auf Biogas und bei Wärme auf Holz und Biogaserzeugung.

Dass sich die Fläche für die Erzeugung von Bioenergiepflanzen nicht beliebig vergrößern lässt, betonte auch Professor Dr.-Ing. Martin Faulstich, Vorsitzender des Sachverständigenrates für Umweltfragen, in seinem Referat. Wenn Flächenvergrößerung als Instrument, die Bioenergieerzeugung auszubauen, ausscheidet und auch die Intensivierung der Flächennutzung im Sinne des Boden- und Naturschutzes sowie der Biodiversität an Grenzen stößt, gilt es laut Faulstich zuvorderst „zu nutzen, was hohe Effizienz hat und das Klima schützt“. Biokraftstoffe der ersten Generation, also Diesel aus Raps und Ethanol aus Getreide, gehören daher nicht zu den Favoriten des Vorsitzenden des Sachverständigenrates, auch wenn das Gremium dafür schon öffentlich kritisiert worden war. Kraftwärmekopplung und Biogasnutzung seien zu bevorzugen – für die einzelnen Regionen hatte Faulstich gar eine konkrete Handlungsempfehlung parat: Wärme aus Hackschnitzel und Pellets, Strom aus Holz, Biogas und Kraftwärmekopplung und Biotreibstoffe vor allem im Flottenbetrieb – so habe Nachhaltigkeit die größte Chance.

Bayreuth ist Bioenergie-Modellregion 

Die Region Bayreuth wird seit 2009 mit Bundesmitteln als eine von 25 Bioenergie-Modellregionen gefördert. Die Auswahl erfolgte über einen Wettbewerb, an welchem sich bundesweit 210 Regionen beteiligt hatten. Mit 89 Prozent Land- und Forstwirtschaftsfläche sind optimale Voraussetzungen für die Nutzung der Bioenergie vorhanden. Allerdings wird das Potenzial momentan nur zu einem Drittel abgeschöpft. Damit sich dies ändert, werden sieben Fachvorhaben und ein künstlerisches Dachprojekt in Angriff genommen.

Die Region will damit die Nachfrage nach Bioenergie steigern, die Bioenergieerzeugung umweltfreundlicher gestalten und den Informationsgrad zum Thema erhöhen. Die Projekte können den Anteil der Bioenergie am Energieverbrauch der Privathaushalte von aktuell 18 auf über 50 Prozent erhöhen. Dadurch werden Arbeitsplätze geschaffen und eine Wertschöpfung von mindestens 50 Mio. Euro jährlich erschlossen. In der Region Bayreuth sollen beim Ausbau der Bioenergie die Belange des Umweltschutzes, der Nachhaltigkeit und der Sozialverträglichkeit berücksichtigt werden.