Stadt Bayreuth

16.11.2011

„Demografie neu denken“

„Wir müssen Demografie neu denken“, fordert Georg Schnelle, Hauptgeschäftsführer der IHK für Oberfranken Bayreuth mit Blick auf die aktuellen Bevölkerungsvorausberechnungen, die das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung veröffentlicht hat. „Es bringt absolut nichts, vor den Demografieprognosen wie das Kaninchen vor der Schlange zu verharren und sie als gegeben hinzunehmen.“ Vielmehr gehe es darum, die demografische Herausforderung anzunehmen und ihr aktiv die Stirn zu bieten. „Demografische Prognosen sind in erster Linie das: Prognosen. Wir müssen sie nicht akzeptieren, wir können ihnen entgegenwirken.“ Hierfür sei ein Zusammenwirken aller Akteure nötig.

„Prognosen zur demografischen Entwicklung sind Modellrechnungen. Sie zeigen, wie sich eine Bevölkerung entwickeln würde, wenn bestimmte demografische Trends der vergangenen Jahre in Bezug auf Geburten und Sterbefälle gleich blieben. Sie berücksichtigen dabei nicht, dass sich Rahmenbedingungen auch ändern können“, kritisiert Schnelle. So sei beispielsweise durchaus möglich, dass die Geburtenzahlen steigen, mehr Fachkräfte aus In- und Ausland zuziehen oder die aktuelle Arbeitsmarktdynamik sich weiter positiv auf die Anziehungskraft oberfränkischer Unternehmen auswirkt.  

Demografische Realität wird verzerrt

Hinzu kommt, dass die offiziellen Statistiken die demografische Realität verzerren. Die Überalterung der Gesellschaft liegt zum einen an den geburtenschwachen Jahrgängen, zugleich aber auch an der gestiegenen Lebenserwartung der Menschen. „Statistisch zählen Menschen ab 65 Jahren zur Gruppe der ‚Alten‘. Diese Altersgrenze haben wir immerhin schon seit der Einführung der gesetzlichen Sozialversicherung durch Bismarck. Aber seit dem hat sich viel geändert. Der medizinische Fortschritt hat dazu geführt, dass heute 70jährige einen Gesundheitszustand wie früher die 60jährigen haben. Die alte Zuordnung der Altersgruppen sagt also nicht mehr viel aus“, so Schnelle. Vielmehr werde es höchste Zeit, in demografischen Studien die Gruppe der Älteren neu zu definieren. „Wir müssen uns von dem Gedanken verabschieden, dass Menschen mit 65 zum ‚alten Eisen‘ gehören.“ 

Zukunft aktiv gestalten

Vor diesem Hintergrund warnt Schnelle davor, die Prognosen blind zu akzeptieren. „Die geburtenschwachen Jahrgänge können zwar nicht rückgängig gemacht werden, aber statt Geburtenrückgang, Landflucht und Überalterung der Gesellschaft als gegeben hinzunehmen, muss die Region vielmehr gemeinschaftlich daran arbeiten, die Rahmenbedingungen weiter zu entwickeln und die Zukunft zu gestalten“, appelliert Schnelle. Die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder die gezielte Qualifizierung älterer Arbeitnehmer zählen ebenso dazu wie ein starkes Regionalmarketing oder die Sicherung attraktiver Arbeitsplätze in der Region. „Dabei sind alle regionalen Akteure gleichermaßen gefordert, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft genauso wie Öffentlichkeit und Medien.“ 

Laut Schnelle ist Oberfranken hier bereits auf einem guten Weg. „Die Herausforderungen der demografischen Entwicklung sind zunehmend in den Köpfen angekommen, es wird schon viel unternommen, um dieser Entwicklung die Stirn zu bieten.“ Kontinuierlich steigende Ausbildungszahlen, der Imageprozess Oberfranken, zahlreiche Aktivitäten zur familienfreundlichen Region Oberfranken sind nur einige Beispiele dafür. „Zusammen genommen können diese einzelnen Bausteine dazu beitragen, dass die Region die demografische Herausforderung langfristig bewältigen kann.“

(Quelle: IHK für Oberfranken Bayreuth)