Stadt Bayreuth

IM FOKUS

26.07.2010

Die Bayreuther Festspiele 2010 sind eröffnet!

Hans Neuenfels feierte mit „Lohengrin“ sein Bayreuth-Debüt

Hans Neuenfels. Foto: Bayreuther Festspiele. Es ist durchaus reizvoll, Friedrich Nietzsches rhetorische Frage („Ist Wagner überhaupt ein Mensch? Ist er nicht eher eine Krankheit?“) mal eben mit einem klaren Ja zu beantworten. Genie und Wahnsinn liegen ja bekanntlich sehr nah beieinander. Und so begründet man Wagner heute als Genie bezeichnet, so frank und frei darf man ihn, bei der Kühnheit der Verfolgung seiner Ideen, auch des Wahnsinns bezichtigen. Man stelle sich nur mal vor, es käme heute einer auf die Stadt Bayreuth zu mit dem Plan, ein Theater zu erbauen, um es anschließend womöglich in die Luft zu sprengen. Wie würde man einen solchen wohl bezeichnen? Als Genie? Wohl kaum!

Die Frage, die sich im Folgenden stellt, ist eine heikle. Wenn Wagner – auch – „eine Krankheit“ war, wie ordnen wir dann jene Millionen und Abermillionen ein, die noch heute seinem Werk verfallen sind? Und für den Besuch seiner Aufführungen in des Wahnsinnigen Scheune obendrein ein paar hundert Euro bezahlen? Wir verbieten uns ausdrücklich, diese als Kranke zu bezeichnen. Aber Süchtige – ja, das trifft’s!

Und für die Sucht der Wagnerianer ist auch heuer wieder im „Krankenhaus Bayreuth“ jede Menge Stoff auf Lager. Stoff, der antörnt, anspornt, Lust macht – und wohl auch, beim Abflauen der Wirkung, Entzugserscheinungen mit sich bringt.

Annette Dasch. Foto: Manfred Baumann.Bayreuth – kein Heiligtum

Mit großer Spannung erwartet die Wagner-Welt das Bayreuth-Debüt von Hans Neuenfels, dessen „Lohengrin“ am 25. Juli die 99. Bayreuther Festspiele eröffnet. Ob Neuenfels Bammel hat vor der Großaufgabe Bayreuth? Gegenüber der Frankfurter Rundschau verneinte er das: „Ich habe keine übertriebene Ehrfurcht vor gerade diesem Parkett. Das ist für mich kein Heiligtum, sondern ein ganz normaler, wenn auch herausgehobener und spezialisierter Produktionsort.“

So gespannt man auf Neuenfels‘ Bilder sein darf, so groß ist die Neugieder, wie sich Andris Nelsons – einer der gefragtesten jungen Dirigenten in der internationalen Musikszene – im mystischen Abgrund des Festspielhauses bewähren wird. Bayreuther Ersterfahrung sammeln in diesem Jahr auch zwei der großen deutschen Sängerstars: Jonas Kaufmann singt den Lohengrin, Annette Dasch die Elsa. Verglichen damit ist die Sopranistin Evelyn Herlitzius bereits ein „alter Hase“. Sie singt seit acht Sommern auf der Bayreuther Bühne – heuer erstmals die Ortrud.

Jonas Kaufmann. Foto: Dietmar Scholz.Auch in den anderen Inszenierungen dieses Festspielsommers gibt es eine Reihe wichtiger Umbesetzungen. So singt James Rutherford erstmals den Sachs in der „Meistersinger“-Inszenierung Katharina Wagners. Und noch zwei Debüts in Bayreuth, die aufhorchen lassen: Johan Botha, einer der bedeutendsten Sänger unserer Zeit, singt den Siegmund in der „Walküre“, der Heldentenor Lance Ryan den Siegfried.

Siemens-Festspielnacht am 21. August

Was vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen wäre, gehört seit 2008 zu den Standards des Festspielsommers: das Public Viewing! Heuer wartet die Siemens-Festspielnacht am 21. August mit einem „Ring“-Werk auf – der „Walküre“. Damit aber nicht genug: Zum ersten Mal kommen die Freunde der Kinderoper zum Umsonst-und-draußen-Genuss – denn die Neuproduktion des „Tannhäusers“ in einer Version speziell für Kinder wird heuer erstmals live von der Probebühne auf dem Festspielgelände auf den Volksfestplatz übertragen.