Stadt Bayreuth

IM FOKUS

15.08.2012

“Die Zwanziger Jahre” im Historischen Museum

Ausstellung zu bisher wenig beachtetem Kapitel in der Bayreuther Stadtgeschichte

Historisches Museum am KirchplatzEin wenig beachtetes Kapitel der Bayreuther Stadtgeschichte wird in den kommenden drei Monaten im Historischen Museum näher erläutert und dargestellt – die Zwanziger Jahre. Die Ausstellung bringt ihren Besuchern diese Zeit des Umbruchs näher und zeigt anhand von Alltagsgegenständen, Dokumenten, Plänen und Fotografien  das Leben in Bayreuth nach dem Ersten Weltkrieg.

Die Zwanziger Jahre beginnen in politischer und sozialer Hinsicht mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und enden mit der vollständigen Machtübernahme durch die Nationalsozialisten. Die Zwanziger Jahre waren eine zwiespältige und schillernde Epoche. „Neu“ war das Modewort der Zeit – es gab Neues Bauen, Neue Tänze, Neue Sachlichkeit und nicht zuletzt die „Brave New World“ des Aldous Huxley (erschienen 1932).
In den Großstädten galten jene Jahre als die Goldenen Zwanziger oder die Wilden Zwanziger. Schnelles Geld wurde erworben, oft mit dubiosen Methoden, und ebenso schnell wieder verloren, Varietés und Vergnügungsstätten schossen aus dem Boden.

Das alles kam in Bayreuth gar nicht oder nur abgeschwächt an, denn die Zwanziger Jahre waren eine Epoche der Metropolen. Mittlere und kleinere Städte konnten da nicht mithalten. Wir können natürlich nicht mehr feststellen, wie weit die Bayreuther nun neidvoll auf die Glitzerwelt von Berlin blickten oder nicht.

Was Bayreuth dagegen voll traf, waren die wirtschaftlichen und sozialen Probleme der Zeit. An die Lebensmittelknappheit hatten sich die Einwohner spätestens 1916/17 gewöhnen müssen, und sie hielt auch noch bis in die frühen Zwanziger Jahre an. Am 1. April 1923 nahm das städtische Sozialamt seine Tätigkeit auf, das in seinen Anfangsjahren sogar Werkstätten, eine Gemüsegärtnerei und einen Stall mit 30 Allgäuer Milchkühen betrieb. In der Ernährung fehlte es vor allem an Fett, und knapp ein Drittel der Bayreuther Schulkinder galt als unterernährt. Dazu kamen die Inflation, die viele mühsam angesparte Guthaben zunichte machte, und die Wohnungsnot, verursacht durch den Zusammenbruch der Bautätigkeit.

Aber es gibt in Bayreuth auch Erfreuliches festzustellen. Der Bauverein wurde zum tatkräftigen Verbündeten der Stadtverwaltung. An der Rupprechtstraße, der Bismarck- und der heutigen Oswald-Merz-Straße entstand ein neues Viertel und an anderen Stellen einheitliche Baugruppen – zwar keineswegs Bauhaus-Eleganz, aber durchwegs solide Häuser mit großzügig geschnittenen Mietswohnungen mit hellen freundlichen Räumen, Badezimmern und Waschküchen im Keller.

Von„Goldenen“ Zwanziger Jahre kann man in Bayreuth kaum sprechen. Aber es waren Jahre tiefgreifender Veränderungen, die letztendlich dazu führten, dass große Teile der Bevölkerung eine verhängnisvolle Anfälligkeit für die Ideologie des Nationalsozialismus entwickelten. Schon allein deswegen verdient dieses zwiespältige Kapitel der Stadtgeschichte mehr Beachtung – die es nun in der Ausstellung des Historischen Museums erfährt.

   
 

Historisches Museum Bayreuth
Kirchplatz 6, 95444 Bayreuth
Tel.: (09 21) 76 40 10
E-Mail: historischesmuseum@bayreuth.de 

Öffnungszeiten
September – Juni
Dienstag – Sonntag: 10 – 17 Uhr

Juli/August
täglich 10 -17 Uhr