Stadt Bayreuth

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04.05.2006

Dr. Hohl ins OB-Amt eingeführt

Seit dem 1. Mai 2006 ist Dr. Michael Hohl neuer Oberbürgermeister der Stadt Bayreuth. Am Donnerstag, 4. Mai, fand im Balkonsaal der Stadthalle die feierliche Amtseinführung statt, an der neben zahlreichen weiteren Ehrengästen auch der Bayerische Staatsminister für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz, Dr. Werner Schnappauf, teilnahm. Dr. Hohl ist nach den Sozialdemokraten Hans Rollwagen (1948 – 1958), Hans Walter Wild (1958 – 1988) und Dr. Dieter Mronz (1988 – 2006) der erste Chef der Stadtverwaltung, der von der CSU gestellt wird.

Hier die Antrittsrede des neuen Bayreuther Oberbürgermeisters im Wortlaut:  

„Sehr geehrter Herr Alt-Oberbürgermeister, sehr verehrte Frau Mronz,
sehr geehrte Herren Ehrenbürger und Altstadträte,
sehr geehrter Herr Staatsminister,
meine Herren Abgeordnete,
sehr geehrte Herren Bürgermeister,
werte Mitglieder des Bayreuther Stadtrates,
sehr geehrte Ehrengäste,
verehrte Kolleginnen und Kollegen,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
meine Damen und Herren,
liebe Freunde,
seien Sie mir alle herzlich willkommen.

Lassen Sie mich zunächst Herrn Bürgermeister Ebersberger danken für die gelungene Begrüßung, eine wie wir alle wissen, äußerst diffizile Aufgabe. Eine Ergänzung sei mir gestattet, was allerdings nicht auf einem Versäumnis von ihm beruht: Ich freue mich über die Anwesenheit meines langjährigen politischen Freundes Gerd Schäfer, Mitglied des Stadtrates meiner Heimatstadt Lahnstein und Bezirksvorsitzender der Mittelstandsunion Rhein-Lahn, der gemeinsam mit seiner Ehefrau und meinen Eltern zu uns gekommen ist.

Herzlich Dank sagen möchte ich auch Herrn Bürgermeister Bernd Mayer, der es auf seine ganz eigene wunderbare und sensible Weise verstanden hat, die angekündigte „Laudatio“ in eine historische Betrachtung von Persönlichkeiten und Begebenheiten Bayreuther Art umzumünzen und uns damit zugleich fortgebildet, aber auch bestens unterhalten hat. Ihnen zuzuhören, lieber Herr Mayer, bereitet mir stets große Freude.

Ein ganz besonderer Dank gilt Frau Stadträtin Renate Hartmann, die nicht nur acht Kinder erfolgreich groß gezogen hat, sondern sich seitdem auch unermüdlich für unser Gemeinwesen einsetzt und mir heute den Amtseid abgenommen hat. Frau Hartmann, es ist mir Ehre und Freude, dass Sie die Vereidigung vorgenommen haben.

Schließlich danke ich Herrn Staatsminister Dr. Werner Schnappauf, unserem Oberfranken-Minister, dass er sich die Zeit genommen hat, zu uns zu kommen und zu uns zu sprechen. Deine Worte, lieber Werner, sind mir Freude und zugleich Ansporn. Es gibt mir ein gutes Gefühl, Dich und Deine Kabinettskollegen eng an der Seite unserer wunderbaren Stadt zu wissen.

Ich hatte mir nach all den emotionalen Turbulenzen der letzten Monate vorgenommen, diese Stunde sozusagen „cool“ zu bleiben. Immerhin bin ich ja seit dem 01.05. im Amt.

Jetzt muss ich feststellen, dass dies erneut ein bewegender Moment ist und ich zolle dem Augenblick und dem, was sich daraus ergeben mag, meinen tiefen Respekt. In dieser feierlichen Stunde wird das Gewicht der mir auf Wunsch der Bayreuther Bürgerinnen und Bürger verliehenen Amtskette offenbar. Ich meine damit die Bürde der Verantwortung, aber auch die Fülle der Erwartungen, der Wertschätzung und des Vertrauens, die sich in einer Wahlentscheidung ausdrückt. Wer heute schon den Nordbayerischen Kurier gelesen hat, weiß was ich meine.
Lassen Sie mich an dieser Stelle einen erneuten Dank an alle diejenigen richten, die mich auf den vor mir liegenden Weg geschickt haben.

Ich nehme den mir erteilten Auftrag in Bescheidenheit und Demut, aber auch mit einem stabilen Gottvertrauen und damit guten Mutes gerne an. In diese erneute Annahmeerklärung schließe ich meine Familie, nämlich meine Frau Hannelore und meine Töchter Julia und Silja, die mich tragen und unterstützen, voll und ganz mit ein.

Ich wollte Ihnen eigentlich den Kurs durch die nächsten Jahre vorzeichnen, lasse das aber lieber. Wir würden sonst um 15 Uhr immer noch hier sitzen.
Einige Punkte, die mir sehr wichtig sind, möchte ich aber doch in aller gebotener Kürze ausführen.

Wir alle sind uns einig in dem Ziel, dass unser Bayreuth das starke Oberzentrum im östlichen Teil Oberfrankens bleiben muss. Es gilt, den Standard unserer Infrastruktur zu halten und in kleinen Schritten zu verbessern. Es gilt, in die Zukunft zu planen und sich auf die erwarteten Entwicklungen im Straßenverkehr oder auch bei den Schülerzahlen einzustellen.

Es gilt auch, immer wieder die Bedürfnisse der Menschen zu erforschen und sich als Stadt daran zu orientieren.

Wir müssen uns so aufstellen, dass junge Menschen uns nicht den Rücken kehren, sondern bei uns bleiben und hier ihre Familie gründen.
Das tun sie dann, wenn sie in Bayreuth und Umgebung Ausbildungs- und Arbeitsplätze finden. Weiter muss sich die Stadt unermüdlich an ihrer Kinder- und Familienfreundlichkeit arbeiten. Die Stadt muss diese Eigenschaften aus jeder Pore ausatmen. Deshalb werde ich dem Netzwerk für Familien alle erdenkliche Unterstützung geben und gemeinsam mit der Stadtverwaltung an dieser wichtigen Plattform tatkräftig mitarbeiten.

Liebe Kinder Bayreuths: ich habe euch einen Kinderempfang versprochen. Den wird es bald geben. Ich konnte das vor Beginn meiner Amtszeit sozusagen von außen aber nicht organisieren. Wir machen uns damit jetzt an die Arbeit.

Es ist meine tiefe Überzeugung, dass der Schlüssel zu unserem Wohlstand in der Zukunft in einer Dynamisierung unserer Wirtschaft liegt. Deswegen werde ich dem Bereich „Kommunale Wirtschaftspolitik“ ein besonderes Augenmerk schenken. In den vergangenen Jahren habe ich erlebt, was schon bewegt werden kann, wenn wir die bereits bei uns tätigen Unternehmerinnen und Unternehmer zusammenführen. Ich nutze hier gerne das plastische Wort „vernetzen“. Lassen Sie mich als Beleg an dieser Stelle nur den 1. Bayreuther Ausbildungstag nennen, der leider im Wahlkampfgetümmel etwas untergegangen ist.
In diesen thematischen Zusammenhang gehören die Arbeitsaufgaben Standortmarketing, Kommunikationsplattformen, Teilnahme an Wettbewerben und Rankings, strategische Kooperationen mit den angrenzenden Landkreisen und den anderen oberfränkischen Zentren. Bei all dem gilt es über den Tellerrand zu schauen und die richtigen, das heißt starke und kompetente Partner zu suchen.
Mit unseren hervorragend aufgestellten Wirtschaftskammern, aber auch der Universität habe ich die in Sachen Wirtschaftsförderung bereits gefunden. Herr Dr. Wagner, Herr Hunger von der IHK, Herr Seelmann, Herr Eggers, Herr Koller von der HWK, Herr Präsident Ruppert und Herr Kanzler Dr. Beck von der Universität, ich freue mich sehr auf eine gute und enge Zusammenarbeit.

Diese werde ich auch mit meinen neuen Oberbürgermeister-Kollegen Dr. Fichtner aus Hof, Starke aus Bamberg und dem schon länger amtierenden Dr. Kastner aus Coburg suchen. In Sachen kommunale und regionale Wirtschaftspolitik muss das berühmt-berüchtigte oberfränkische Klein-Klein ein Ende finden und bei allem legitimen und förderlichen Wettbewerb zwischen den Städten langsam aber stetig in eine zielorientierte Zusammenarbeit zur Stärkung unserer Region werden.

Die Trümpfe, die wir haben, müssen wir einsetzen und weiter ausbauen.

Dazu zähle ich, wie gesagt die Universität. Mit Herrn Professor Ruppert ist bereits besprochen, dass wir eine Reihe regelmäßiger Treffen beginnen werden, bei denen ausgelotet wird, wie Stadt und Universität zur Schaffung neuer Arbeitsplätze zusammenwirken können.

Dazu zähle ich auch unsere Innenstadt.
Hier gilt es, die laufende Bewerbung zur Aufnahme der architektonischen Hinterlassenschaft unserer Markgräfin in die Weltkulturerbe-Liste der
UNESCO nachhaltig zu unterstützen. Eine von der Verwaltung organisierte Projektgruppe mit Vertretern des Stadtrates und externem Sachverstand wird sich dieser Aufgabe widmen.

Damit im Einklang müssen die Bemühungen stehen, unsere Innenstadt zu stärken und neu zu beleben. Ich werde dem Stadtrat die Einsetzung eines City-Managers oder einer Managerin vorschlagen, der oder die cofinanziert durch die Stadt, den Einzelhandelsverband und „Gemeinsam für Bayreuth“ das Bindeglied zwischen Handel und Stadt sein soll und die Innenstadt, ähnlich wie dies im Rotmain-Center mit großem Erfolg geschieht, organisiert.

Dies wird flankiert durch eine „Konzertierte Aktion Aufschwung Innenstadt“, die alle an diesem Thema Beteiligten regelmäßig an einen Tisch bringt.

Wir werden auch den Kulturbetrieb der Stadt Bayreuth umstrukturieren. Es muss in der Stadtverwaltung jemanden geben, bei dem die Fäden in Sachen Kultur zusammenlaufen. Dort soll aber nicht nur der Bestand verwaltet, sondern auch kreativ gestaltet werden. Bayreuths kulturelle Stärke ist eines der Aushängeschilder unserer Stadt. Ich möchte diese Stärke weiter stärken.

Lassen Sie mich bitte auch noch ein Wort zu unseren Städtepartnerschaften sagen. Die lebenden partnerschaftlichen Beziehungen unserer Stadt sind echte Orchideen, die gehegt und gepflegt werden müssen. Die neuen Triebe, Pecs und Maribor bedürfen jetzt besonderer Aufmerksamkeit. Wir haben bei der Verabschiedung meines verehrten Amtsvorgängers Dr. Dieter Mronz aber auch die Wertschätzung erlebt, die uns allen aus Annecy und La Spezia entgegengebracht wird. Freundschaft, noch dazu wenn sie Grenzen überschreitet, ist ein hohes Gut und ich bin mir dieser Tatsache voll und ganz bewusst.

Wenn man über Erfolgsrezepte für die Zukunft nachdenkt, meine Damen und Herren, kommt man zwangsläufig zu einer ganz simplen Erkenntnis. Sie ist elementar. Ich setze sie an diese späte Stelle meiner Rede, weil man ja immer auf das Wichtigste zuspitzen soll.

Ein Offizier ist nichts ohne seine Truppe, ein Oberbürgermeister ist nichts ohne seine Mannschaft. Deswegen, sehr geehrter Herr Porstmann und sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung und der städtischen Gesellschaften, verspreche ich eine offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit, die ich mir im Gegenzuge natürlich auch von Ihnen erhoffe. Wir werden uns regelmäßig treffen, um die Dinge zu besprechen, die anstehen und wir werden versuchen, Probleme gemeinsam zu lösen. Die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt erwarten sehr viel von uns allen und sie dürfen das auch. Lassen Sie uns Bürgerfreundlichkeit ausatmen und erkennen wir, was wir alle sind: gut ausgebildete, professionelle Dienstleister, die etwas drauf haben. Ich freue mich auf die kommenden Aufgaben.

Am Ende meiner Rede ist es mir wichtig, weitere Dankesworte zu sagen. Zunächst gilt mein Dank den Mitwirkenden der Städtischen Musikschule unter der Leitung von Nikolaus Richter, die diese Veranstaltung in würdiger, sehr angenehmer, aber auch sehr gekonnter Weise untermalt haben. Die Stadt Bayreuth hat mit ihrer Musikschule ein echtes Juwel , das es zu bewahren und zu fördern gilt.

Ganz besonders aber danke ich den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung, insbesondere des Hauptamtes, die unsere Feierstunde so gekonnt und engagiert vorbereitet haben. Es ist alles prima. Sie haben sehr gute Arbeit geleistet. Ich freue mich auf unsere weitere Zusammenarbeit.

Nun freuen wir uns noch auf das angekündigte Stück der Städtischen Musikschule. Danach darf ich Sie dann im Namen der Stadt Bayreuth zu einem kleinen Empfang in das Foyer einladen. Dabei wünsche ich Ihnen einen guten Appetit, anregende Gespräche und überhaupt eine gute Zeit.

Herzlichen Dank für Ihre Geduld.“