Stadt Bayreuth

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12.10.2010

Einzigartiges Gastspiel in Bayreuth

Israel Chamber Orchestra unter Roberto Paternostro gibt 2011 ein Konzert in der Stadthalle

Das Israel Chamber Orchestra unter der Leitung seines Chefdirigenten Roberto Paternostro wird am 26. Juli 2011 im Rahmen des Franz-Liszt-Jubiläums ein Konzert in der Bayreuther Stadthalle geben.

Die Schirmherrschaft für dieses einzigartige Gastspiel übernimmt Katharina Wagner. Gespielt werden Werke von Richard Wagner, Franz Liszt, Gustav Mahler und Felix Mendelssohn Bartholdy. Sowohl Dr. Michael Hohl, Oberbürgermeister der Stadt Bayreuth, als auch Katharina Wagner und Roberto Paternostro zeigen sich über das geplante Gastspiel sehr erfreut:

Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl:
“Für Bayreuth ist der Auftritt des Israel Chamber Orchestra zum Auftakt der Festspielsaison 2011 ein ganz besonderes, weil wegweisendes Ereignis. Die besondere Rolle, die Bayreuth und Wagner in der Ideologie der NS-Diktatur spielten, ist bis heute unvergessen und kann mit Blick auf ein solches kulturelles Ereignis nicht unerwähnt bleiben. Gerne hatte man sich als ‚Kraftzentrum des Nationalsozialismus’ feiern lassen und die damaligen Machthaber mit ihrem engeren Umkreis als regelmäßige Festspielgäste begrüßt.

Die Stadt Bayreuth hat sich dieser dunklen Phase der Verirrung, der Intoleranz und Gewalt gestellt. Sie stellt sich ihr auch heute, mehr als 65 Jahre nach Kriegsende, und unterstützt alle Bemühungen um eine seriöse und fundierte Aufarbeitung der damaligen geschichtlichen Zusammenhänge. Eine Kultur des Vergessens und Verdrängens wird es in Bayreuth nicht geben.

Vor diesem Hintergrund mutet es wie ein später, symbolträchtiger Sieg der Toleranz, der Kunst und Kultur über die Barbarei der Diktatur an, dass das Israel Chamber Orchestra unter der Leitung von Roberto Paternostro in der Bayreuther Stadthalle ein Werk von Richard Wagner spielt. Ein Umstand, der deutlich macht, dass Bayreuth heute als weltoffene und tolerante Kulturstadt mit freundschaftlichen Kontakten in alle Welt wahrgenommen wird – und dass dies möglich ist, ohne die Schatten der Vergangenheit zu verschweigen.”

Schirmherrin Katharina Wagner:
„Am 26. Juli 2011 wird das Israel Chamber Orchestra unter der Musikalischen Leitung von Roberto Paternostro erstmals in Bayreuth ein Konzert geben. Es ist eine Ehre und besondere Freude für mich, die Schirmherrschaft dieses Gastspiels zu übernehmen. Ich halte es für ein bedeutendes und zukunftsweisendes Signal, dass dieses traditionsreiche und ausgezeichnete Orchester in unmittelbarer zeitlicher Nähe zur Festspieleröffnung in Bayreuth konzertiert.

Ich empfinde das Gastspiel des Israel Chamber Orchestra in Bayreuth als einen herausragenden Beitrag im Kontext einer wachsenden Annäherung zwischen unseren Ländern und bin dankbar für dieses starke positive Signal von Seiten Israels, dass ein staatliches Orchester auf Deutschland und die Stadt Bayreuth zugeht und die Initiative ergreift, ein Werk meines Urgroßvaters in sein Konzertprogramm aufzunehmen.“

Dirigent Roberto Paternostro:
“Ich bin dem Israel Chamber Orchestra, seinen Musikern und allen Mitarbeitern in Tel Aviv sehr dankbar, dass sie mit mir gemeinsam diesen neuen Schritt wagen. Ebenso danke ich der Stadt Bayreuth, die gemeinsam mit uns alles tut, um diesen Brückenschlag zu verwirklichen, und Katharina Wagner, die sich bereit erklärt hat, die Schirmherrschaft für unser Gastspiel zu übernehmen.

Wichtig ist mir bei diesem Programm nicht nur, Wagners Musik zu spielen, sondern auch zwei bedeutende jüdische Komponisten, Gustav Mahler und Felix Mendelssohn Bartholdy, aufzuführen und dies mit der deutschen Erstaufführung des bedeutendsten zeitgenössischen israelischen Komponisten zu verbinden. Es ist mir klar, dass ein Teil der Weltanschauung Richard Wagners und die Beziehung Bayreuths zum NS-Regime nicht zu rechtfertigen und zu beschönigen sind. Ich bin aber überzeugt davon, dass nun eine Generation aufwächst, der wir die musikalische Bedeutung Wagners neu und differenziert vermitteln können, ohne alles Belastende und alle historische Verantwortung ausklammern zu wollen. Für mich ist es auch eine besondere künstlerische Herausforderung, mit einem Orchester zu arbeiten, das die gesamte Musikliteratur aufführt, aber noch nie einen Ton von Wagner gespielt hat.

Ich selbst komme aus einer Familie, die von leidvollen Erfahrungen des Holocausts nicht verschont war und bin mir der Sensibilität des Themas vor allem in Israel bewusst. Ich respektiere die Haltung von Menschen, die mit Wagners Musik noch immer zu viele grauenvolle Erinnerungen verknüpfen und sie daher ablehnen. Die bisherigen wenigen Versuche, Wagner in lsrael zu spielen, sind gescheitert. Aber die Aufgabe muss es sein, mit aller Behutsamkeit neue Wege aufzuzeigen und es vielleicht in naher Zukunft möglich zu machen, das Eis zu brechen. Daher wünsche ich mir, dass der Auftritt jüdischer Musiker in Wagners Festspielstadt ein positives Signal setzen möge, der Annäherung, der Toleranz und eines offenen, geschichtsbewussten Kulturaustausches zwischen unseren der Musik besonders verbundenen Ländern.“