Bayreuth, 22.11.2012, 19 Uhr
Pit Fiedler lädt ein, ihm in die Irrungen und Wirrungen der deutsch-tschechischen Geschichte zu folgen. Im Mittelpunkt seines Vortrags stehen die sudetendeutschen Sozialdemokraten. Was sie hervorhebt, ist, dass die meisten von ihnen als Antifaschisten bis zuletzt auf der Seite der Tschechen standen. Ihre Verfolgung durch die anderen Deutschen, die „heim ins Reich“ wollten und das Sudetenland 1938 von der Tschechoslowakei abtrennten, kommt dabei ebenso zur Sprache wie ihre freiwillig unfreiwillige Aussiedlung nach Kriegsende. Zugleich rückt damit auch immer wieder die Geschichte der Sudetendeutschen, nicht zuletzt auch ihre Vertreibung, in den Vordergrund.
Außerdem berichtet der Vortrag über die 20-jährige Auseinandersetzung des Autors mit dem Thema. Am Anfang steht er den unversöhnlich auftretenden Sudetendeutschen ablehnend gegenüber. Dann folgen zögernde Annäherungen an einzelne Aspekte, um schließlich die ganze deutsch-sudetendeutsch-tschechische Geschichte ins Auge zu nehmen. Er entdeckt - unterstützt von der politischen Annäherung zwischen Deutschland und Tschechien seit der Sanften Revolution 1989 - ganz Europa im Kleinen.
Zum Abschluss wird deutlich, warum sich Deutsche und Tschechen erst heute, im zusammenwachsenden Europa, gemeinsam von den Gespenstern der Vergangenheit befreien können, wie viele Hindernisse vorher politisch zur Seite geräumt werden mussten und was die neue europäische Perspektive auf das Thema bedeuten könnte.
Zur Person:
Georg Schatz alias Pit Fiedler wurde 1951 in Nürnberg geboren und lebt seit 1986 in Selb. Er arbeitet als freier Journalist, Autor und Organisator europäischer, vor allem deutsch-tschechischer Projekte.
Von 2007 bis 2009 unterstützte er das Institut für Zeitgeschichte in Prag als Oral-History-Interviewer im Rahmen des von Ex-Ministerpräsident Jiří Paroubek initiierten Projekts zur Aufarbeitung der deutschsprachigen Antifa in der ehemaligen Tschrchoslowakei.
Im selben Zeitraum entstand unter seiner Leitung die deutsch-tschechische Ausstellung "Die sudetendeutschen Sozialdemokraten. Von der DSAP zur Seliger-Gemeinde". Die Ausstellung wurde unterdessen in 21 deutschen und tschechischen Städten gezeigt, darunter Ansbach, Hof, München, Bayreuth, Memmingen, Ústí n.L und Teplice, und wird im kommenden Jahr u.a. in Dresden, Wiesbaden und Prag zu sehen sein. Für sein die Völker verbindendes Engagement, zu dem auch die Organisation einiger Austauschprogramme für Jugendliche aus verschiedenen Ländern zählen, erhielt er 2009 den Brückenbauer-Preis des Centrums Bavaria-Bohemia. Nach seiner Überzeugung muss der Sprung nach Europa immer wieder aufs Neue gewagt werden.
Eintritt frei!
Veranstaltungsstätte:
RW21 / Black Box
Richard-Wagner-Straße 21
95444 Bayreuth
Veranstalter:
Stadtbibliothek Bayreuth in Kooperation mit der Geschichtswerkstatt Bayreuth und der Sudetendeutschen Landsmannschaft
| Mo. 20.05. | Di. 21.05. |
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| 10°C / 14°C | 10°C / 12°C |
| bewölkt | Regen |