Stadt Bayreuth

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23.07.2014

Festspiele 2014: Die Bayreuther Traumfabrik

Am 25. Juli beginnen die diesjährigen Festspiele – Auch ohne Neuinszenierung allerhand Neues

von Florian Zinnecker

Sie sind das älteste Opernfestival der Welt – und mit Sicherheit immer noch das aufregendste: Bei den diesjährigen Bayreuther Festspielen steht keine Neuinszenierung auf dem Spielplan. Dennoch gibt es auf dem Grünen Hügel allerhand Neues: auf den Besetzungszetteln, auf den Parkplätzen – und bald auch in der Führungsebene. 

Die Bayreuther Festspiele beginnen dieses Jahr in E-Dur. Mit einem Auftakt der Hörner und der Klarinetten, in den Noten steht: piano. Ein paar Takte später setzen Bratschen, Celli und Kontrabässe ein. Oboen und Geigen kommen dazu, dann die Posaunen, die Basstuba und die Pauken, in den Noten steht jetzt: forte, bei den Geigen sogar fortissimo. Das Orchester der Bayreuther Festspiele bäumt sich zum ersten Mal auf, es dirigiert Axel Kober, und vorne auf den Noten steht: „Tannhäuser“.

Die Schlussszene der „Götterdämmerung“ im Bühnenbild von Aleksandar Denic. Foto: Bayreuther Festspiele

Premierenvorstellung mit dem „Tannhäuser“

Für die 2.000 Zuschauer im Festspielhaus beginnt spätestens mit diesem forte die diesjährige Premierenvorstellung des „Tannhäuser“ so richtig. Und zugleich endet für die beinahe 800 Mitwirkenden der Festspiele eine wochen-, für manche auch monatelange Proben- und Vorbereitungszeit. Denn es ist kein Geheimnis, dass zwar die Saison nur rund fünf Wochen dauert – vom 25. Juli bis 28. August. Gearbeitet wird auf dem Grünen Hügel aber ganzjährig, im Herbst, Winter und Frühjahr von einigen Dutzend Mitarbeitern, dann werden es von Woche zu Woche mehr. Peter Emmerich, Sprecher der Festspiele, bringt es auf den Punkt: „Ich freue mich immer, wenn es losgeht. Wir arbeiten ja ein ganzes Jahr auf diese Zeit hin, denken nach und reden darüber, wie es sein wird, was sein könnte, was zu beachten sein wird. Aber das alles liegt den Großteil des Jahres natürlich in der Zukunft.“ Außerdem, fügt er mit einem Schmunzeln hinzu, sei das Umfeld auf dem Grünen Hügel im Juni, Juli und August lebendiger als im November.

Die Festspielsaison 2014 scheint auf den ersten Blick eine Saison zwischen den Jahren zu sein: nach dem Wagner-Jahr 2013, in dem im Festspielhaus der Ring des Nibelungen“ in der kontrovers aufgenommenen Inszenierung Frank Castorfs und unter der einhellig gefeierten musikalischen Leitung Kirill Petrenkos Premiere hatte; zugleich aber auch vor dem Jahr 2015. Dann wird Katharina Wagner „Tristan und Isolde“ inszenieren, mit Christian Thielemann am Pult.

Die Saison 2015 wird gleichzeitig die letzte mit Eva Wagner-Pasquier als Festspielleiterin sein: Nach sechs Jahren in der Doppelspitze mit Katharina Wagner – und seit 2013 mit dem kaufmännischen Direktor Heinz-Dieter Sense – scheidet Eva Wagner-Pasquier aus der Festspielleitung aus, wird aber auf dem Grünen Hügel als Beraterin eingebunden bleiben. Gleichfalls als Berater ist Christian Thielemann in der Festspielspitze engagiert, die künstlerische Leitung wird dann – bis 2020 – allein bei Katharina Wagner liegen.

Man muss aber kein allzu versierter Bayreuth-Kenner sein, um zu wissen. Auch die Jahre, in denen der Spielplan der Festspiele nichts Neues erwarten lässt, können voller Neuerungen stecken. Was sich für das Jahr 2014 in jedem Fall bewahrheitet.

Neue Namen auf den Besetzungslisten

Auf den Besetzungszetteln tauchen in diesem Jahr einige neue Namen auf. Der koreanische Bass Kwangchul Youn, zuletzt gefeiert als König Marke in „Tristan und Isolde“ und als Gurnemanz in „Parsifal“, übernimmt in diesem Jahr gleich drei Partien: Daland im „Fliegenden  Holländer“, den Landgraf im „Tannhäuser“ und Hunding in „Die Walküre“. Wilhelm Schwinghammer singt zusätzlich zur Partie des König Heinrich im „Lohengrin“ auch den Riesen Fasolt in „Das Rheingold“ und Wolfram von Eschenbach in „Tannhäuser“. Und: Annette Dasch sagte ihre Mitwirkung als Elsa im „Lohengrin“ ab – sie war im Mai zum zweiten Mal Mutter geworden. Ihre Rolle an der Seite von Klaus Florian Vogt als Lohengrin übernimmt Edith Haller, ehemals Freia und Gutrune im Dorst-„Ring“. Die übrigen Hauptpartien bleiben so besetzt wie 2013. Catherine Forster ist Brünnhilde, Wolfgang Koch ist Wotan, Martin Winkler ist Alberich. Den Siegfried singt Lance Ryan, Torsten Kerl ist Tannhäuser, Samuel Youn ist der Holländer.

Der Spielplan

Auf dem Spielplan stehen „Der Fliegende Holländer“ (Inszenierung: Jan-Philipp Gloger, Musikalische Leitung: Christian Thielemann), „Der Ring des Nibelungen“ (Inszenierung: Frank Castorf, Musikalische Leitung: Kirill Petrenko), „Lohengrin“ (Inszenierung: Hans Neuenfels, Musikalische Leitung: Andris Nelsons) sowie – zum letzten Mal – „Tannhäuser“ in der Inszenierung Sebastian Baumgartens mit Axel Kober am Pult. Diese Produktion ist auch im Kino zu sehen: Die Vorstellung am 12. August wird live in annähernd 100 Kinos übertragen.

Siegfried weckt Brünnhilde unter einem kommunistischen Mount Rushmore. Foto: Bayreuther Festspiele

Castorf-„Ring“

Am meisten Aufsehen dürfte auch in diesem Jahr der Castorf-„Ring“ erregen. Der Berliner Regisseur und der in der Szene gefeierte Bühnenbildner Aleksandar Denic haben im vergangenen Jahr versucht, die mythologische Verwurzelung der „Ring“-Handlung weiterzudenken – und in die heutige Mythenwelt zu übertragen. Das Echo in der Fachwelt war gespalten. An welche Stellen Castorf weiter an der Deutung arbeitet, gehört zu den echten Überraschungen dieser Saison. Das Bühnenbild ändert sich nur wenig – die aufwendigen Bühnenbauten sind selbst den Bayreuther Festspielen zu kostspielig, um sie nur eine Saison zu verwenden.

Erstmals Parkgebühren

Auf den beiden großen Parkplätzen oberhalb des Festspielhauses erhebt die Stadtverwaltung in diesem Jahr erstmals eine Parkgebühr von 5 Euro. Dieser Schritt geht zurück auf einen Antrag aus den Reihen der CSU-Stadtratsfraktion. Wie bisher wird es keine Schranken und auch keine Parkautomaten geben; die Gebühr wird von den Parkplatzwächtern kassiert, die Zahlung ist nur in bar möglich. In einer Nachricht an alle Festspielgäste wies die Festspielleitung bereits vorsorglich darauf hin, mehr Zeit als üblich für die Anfahrt einzuplanen. denn die Vorstellungen beginnen pünktlich um 16 Uhr beziehungsweise 18 Uhr.

www.bayreuther-festspiele.de

   
 

Dieser Beitrag ist im Bayreuth Magazin 2014/2015 erschienen. Das komplette Magazin steht auf bayreuth.de zum Download zur Verfügung. [ mehr ]