Stadt Bayreuth

21.12.2009

Geographisches Institut Bayreuth gegründet

Die neue Einrichtung setzt auf Vernetzung – global und lokal

Die Lehre weiter optimieren und die Forschung noch stärker vernetzen. Die Verwaltung effizienter machen und die Außenwirkung verbessern: Mit diesen Zielen hat das neu gegründete Geographische Institut an der Universität Bayreuth Aussicht darauf, ein Modellprojekt zu werden.

Wie der Dekan der Fakultät für Biologie, Chemie und Geowissenschaften, Professor Dr. Stephan Clemens, bei der Gründungsfeier des neuen Instituts vor Professoren und Studierenden, Alumni und Gästen erklärte, gehöre die Geographie längst schon zu den starken Disziplinen . „Seit Gründung dieser Universität trägt die Geographie wesentlich zur Profilbildung bei“, so Professor Dr. Clemens. Zuletzt hätten ausgezeichnete Platzierungen, etwa im CHE-Ranking, die Qualität der Bayreuther Geographie unterstrichen. Mit dem neuen Institut, in dem elf Professuren und Lehrstühlen noch enger als bislang kooperieren, werde eine weitere Profilstärkung angestrebt. Mit mindestens ebenso viel Spannung erwarte er die Ergebnisse der Bemühungen um eine effizientere Verwaltung. „Denn den Wunsch, die Verwaltung einfacher und weniger zeitaufwendig zu gestalten, teilen wir alle“, so Clemens.

Vier vorrangige Ziele verfolgen die Initiatoren des Geographischen Instituts Bayreuth. „Wir wollen zunächst die Qualität der Lehre sichern und, wo immer dies möglich ist, weiter verbessern“, so Professor Dr. Detlef Müller-Mahn, Geschäftsführender Direktor des Instituts. Im Bereich der Forschung werde man sich „ganz sicher nicht auf den Lorbeeren ausruhen“. Vielmehr werde die interne und externe Vernetzung der Forschung zu einer weiteren Profilschärfung führen. Neben einer Effizienzsteigerung in der Verwaltung gelte es zudem, die Außenwirkung der Geographie in Bayreuth zu verbessern. Die sei notwendig, um in einem zusehends schärfer werdenden Wettbewerb um Studierende und Forschungsgelder bestehen zu können.

Die Basis, auf die das Institut aufbaut, ist gelegt. Müller-Mahn: „Im Vergleich mit anderen Standorten sind wir sehr gut positioniert.“ Den Bologona-Prozess hat die Bayreuther Geographie mit viel Engagement bewältigt. Die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge ist vollzogen, die Studierendenzahlen steigen seit der Jahrtausendwende an. Aktuell zählt die Universität Bayreuth in der Geographie 750 Hauptfach-Studierende. Die scheinen mehrheitlich mit ihrem Studium zufrieden zu sein: In verschiedenen Rankings – etwa im CHE-Ranking, in dem der „Zeit“ und von „Focus Money“ – rangiert die Bayreuther Geographie in der Spitzengruppe. Aus der internationalen Vernetzung der Forschung, auch dies ein in den vergangenen Jahren bewältigter Kraftakt, haben sich nicht nur neue Aufgabenfelder ergeben. In der Folge ist auch die Lehre internationaler geworden.

In einer weiteren Vernetzung sieht der Geschäftsführende Direktor den Reiz und die wesentliche Aufgabe des neuen Instituts. „An der Nahtstelle zwischen Sozialwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Naturwissenschaften kann die Geographie den großen Zusammenhang herstellen und nach Antworten auf die drängenden Fragen unserer Zeit suchen.“ Der ins Stocken geratene Weltklimagipfel in Kopenhagen zeige gerade das bisherige Manko: „In der Auseinandersetzung mit dem Klimawandel sind die sozialwissenschaftlichen Aspekte zu kurz gekommen“, so Müller-Mahn. „Klimawandel ist immer ein globaler Wandel.“

Nicht nur die großen Probleme der Welt, auch die Fragestellungen in der Region beschäftigen die Bayreuther Geographie. Darauf wies Professor Dr. Herbert Popp (Lehrstuhl für Stadtgeographie und Geographie des ländlichen Raumes) hin. Viele junge Wissenschaftler haben in Studien Forschungsfragen aus dem Nahraum der Universität bearbeitet. Im Rahmen der studentischen Ausbildung und der Lehrforschung behandeln Geographen Fragen der Raumstruktur- und Raumentwicklung, sowie der planerischen Steuerung anhand von oberfränkischen Beispielen. Davon profitiert die Region ganz konkret – im kommenden Jahr etwa stehen Themen wie das altersgerechte Wohnen im Landkreis Kronach, die Optimierung und Vermarktung der Naherholung im Landkreis Hof und die Integration ausländischer Studierender in der Stadt Bayreuth auf der Agenda. Auch das „Institut für Entwicklungsforschung im ländlichen Raum Ober- und Mittelfranken“, das die Bayreuther Geographen zusammen mit Experten aus Erlangen und Bamberg führen, leistet wissenschaftliche Hilfestellung bei Fragen der Gestaltung des ländlichen Raumes. Regelmäßig finden Kontaktstudiumstage zur Lehrerfortbildung statt.

„Dieses ist, wie wir meinen, durchaus ein reiches Spektrum an Dienstleistungen und Hilfestellungen, die die Bayreuther Geographie für die Region Oberfranken leistet“, so Professor Dr. Popp. In dem neuen Geographischen Institut sehe er die Chance, das Fach Geographie noch besser in der Region, im Regierungsbezirk Oberfranken sichtbar und bekannt zu machen. Das Institut erfülle zudem die Funktion einer Ansprechstelle, die unterschiedlichste Anfragen koordinieren werde. „Wir fühlen uns auch der Region, in der wir leben und arbeiten, verpflichtet“, erklärte Popp.

Studierende verliehen bei der Gründungsfeier ihrer Hoffnung Ausdruck, dass das Institut dazu beitragen werde, Verbesserungen im Studium schnell umzusetzen und die Zusammenarbeit zwischen Lehrenden und Studierenden zu verbessern.

Sie hoben das Geographische Institut Bayreuth aus der Taufe: Der ehemalige Universitätspräsident Professor Dr. Helmut Ruppert, Professor Dr. Detlef Müller-Mahn, Professor Dr. Herbert Popp und Professor Dr. Stephan Clemens (von links).