Stadt Bayreuth

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25.11.2009

Haus Wahnfried muss saniert werden

Ein Zusatzbau wird abgepeilt – Unterstützung nur bei „großer Lösung“

Es geht darum, "Bayreuth als weltweit führende Wagner-Stadt auszubauen“. Die Stadt müsse touristisch gestärkt und für Besucher noch interessanter werden, „über das gesamte Jahr hinweg und nicht nur zur Festspielzeit“. Das sagte Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl, als er gemeinsam mit Dr. Sven Friedrich, dem Direktor des Richard-Wagner-Museums, jetzt ein weiteres Zukunftsprojekt vorstellte: die Erweiterung des Museums und eine Sanierung im Haus Wahnfried, das derzeit von etwa 25.000 Menschen pro Jahr besucht wird.

„Viel zu wenig“, merkte der Museumsleiter an und wies darauf hin, dass Salzburg im gleichen Zeitraum im Zusammenhang mit Wolfgang Amadeus Mozart auf 480.000 Gäste komme.

Dr. Hohl und Dr. Friedrich machten bei dieser Gelegenheit schnell deutlich, dass es in ihren Augen für Bayreuth gar keine Wahl gebe zwischen den angebotenen Varianten „kleine Lösung“ und „große Lösung“. Die vordergründig kostengünstigere alleinige Sanierung des bestehenden Gebäudes würde wohl ausschließlich zu Lasten der beiden Träger, der Richard-Wagner-Stiftung und der Stadt, gehen. Hingegen können beim 12-Millionen-Euro-Projekt, das einen Neubau von Ausstellungsräumen vorsieht (dreigeschossig auf rund 600 Quadratmetern Fläche), diverse Zuschüsse in Anspruch genommen werden, die den Träger-Anteil auf rund zehn Prozent der Kosten reduzieren. Der Stiftungsrat hat bereits grünes Licht gegeben, jetzt hat auch der Stadtrat seine grundsätzliche Zustimmung signalisiert und den Weg für einen Architektenwettbewerb freigemacht..

Das Richard-Wagner-Museum arbeitet derzeit mit einem Jahresetat von 600.000 Euro. Rund ein Sechstel davon kommt durch die zahlenden Besucher wieder herein. 120.000 Euro schießt der Freistaat Bayern zu, 130.000 Euro spülen Mieteinnahmen aus dem Festspielhaus in die Kasse. Laut Dr. Friedrich steht Bayreuth mit diesen Geldern weit hinter vergleichbaren Häusern zurück. Die Bonner kassierten etwa für ihr Beethoven-Haus 1,24 Millionen Euro an Zuschüssen, beim Leipziger Bachmuseum sei es noch ein bisschen mehr, in Halle (Händel-Haus) habe man einen Etat von 3,4 Millioen Euro

Signale bekommen.

„Bis zum Jahr 2013, dem großen Wagner-Jubiläum zum 200. Geburtstag, werden wir mit dem Projekt sicher nicht fertig, können aber dann hoffentlich schon Attraktives vorzeigen“, sagte der OB. Man habe zwar für das Vorhaben noch keinen Cent in der Kasse, aber Signale und Absichtserklärungen, wonach finanzielle Unterstützung kommt, wenn es konkrete Pläne gibt. Dr. Hohl: „Und deshalb müssen wir den nächsten Schritt gehen und einen Ideen- und Realisierungswettbewerb ausschreiben.“ Im Übrigen sei das Vorhaben der Museums-Erweiterung niemals verheimlicht worden. „Es gab bisher nur nichts Offizielles, weil ja keine Tatsachen da waren.“ Nun sei man einen Schritt weiter, denn zwischen Richard-Wagner-Stiftung und Stadt bestehe Eingikeit über das weitere Vorgehen. Und auch die Familie Wagner sowie die neue Festspielleitung stehe voll hinter den Plänen.

Die Bedeutung Richard Wagners für Bayreuth sei immens, hob Dr. Friedrich hervor. Man habe in diesem Bereich das Potential noch nicht im möglichen Maße ausgeschöpft. „Wagner ist ein Gesamt-Kulturphänomen, auch noch im 21. Jahrhundert. Bayreuth wird überall als Wagnerstadt wahrgenommen, darauf müssen wir reagieren!“ Und fast schon im Stakkato zählte der Direktor die Mängel an Haus Wahnfried auf, das 1874 fertiggestelt worden war, dem Komponisten und seiner Familie als Wohnhaus diente, und 1976 nach zweijährigen Wiederherstellungsarbeiten als Museum in Betrieb genommen wurde: Schäden an der Fassade, mangelhafte Klimatisierung, nicht zeitgemäße Beleuchtung, mehr als 30 Jahre alte Teppichböden, Feuchtigkeitsschäden, Putzabbrüche und und und. Eine Sanierung sei unabwendbar.

Größeres Depot

Mit einem Neubau (Foyer und Galerie) würde dringend benötigter Platz geschaffen für ein größeres Depot, um die Exponate (auch aus dem Festspielhaus) unterzubringen. Während in einem Obergeschosss die Dauerausstellung untergebracht wäre, könnte das Erdgeschoss für Sonderausstellungen, Tagungen und Vorträge genutzt werden. Und im Haus Wahnfried selbst werde „der private Wagner“ ausgestellt.

Stadtoberhaupt und Museumsdirektor haben einen finanziellen Rückenwind für das Projekt festgestellt, wie er stärker nicht sein könne. „Nun gilt es, eine Flaute zu vermeiden.“ Wichtig sei ein Fundraising, also die Mittelbeschaffung auch bei privaten Geldgebern. 

Die Architekten bekämen für Ihre Ideen aber freie Hand, könnten das gesamte Areal um das Haus Wahnfried nutzen. Dr. Sven Friedrich: „Wir sammeln Vorschläge. Ob ein hypermoderner Glaskasten entstehen soll, ein unterirdisches Gebäude oder ganz was anderes – alles ist offen. Logisch, dass beim Sanieren der Denkmalschutz einbezogen wird. Wir haben doch unsere Hausaufgtaben gemacht.“ Und der Oberbürgermeister beruhigt Skeptiker: „Es wird sicher kein Klotz in einen herrlichen Garten gesetzt. Wir wollen ja nichts kaputtmachen, sondern etwas Schönes schaffen.“  

Haus Wahnfried

Infos zum Richard-Wagner-Museum in Haus Wahnfried >>