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30.09.2009

Herrschaft der Vernunft

Bayreuther Barock bietet mit der Festa teatrale „L’Houmo“ einen Einblick in die Gedankenwelt der Markgräfin Wilhelmine

Am Freitag und Samstag, 2./3. Oktober, jeweils um 19.30 Uhr, können die Besucher des Festivals Bayreuther Barock im Markgräflichen Opernhaus ein Opernspektakel wie zu Zeiten der Markgrafen erleben. Zu hören und zu sehen gibt es die Festa teatrale „L’Huomo“ komponiert von Andrea Bernasconi, mit einem von Markgräfin Wilhelmine selbst verfassten Libretto.

Szene aus

„Das Ziel der Autorin dieses Schauspiels ist es, die Herrschaft der Leidenschaften über das menschliche Herz darzustellen, und zu zeigen, dass wahre Glückseligkeit nur erreicht werden kann, wenn jene Leidenschaften von der Vernunft gezähmt und in die rechten Bahnen geleitet werden.“ Dieser Auszug aus dem Vorwort zu der Oper „L’Huomo“ zeigt deutlich jene aufklärerischen Tendenzen, die Wilhelmines Gedankenwelt zu einem großen Teil bestimmt haben. So ist das von der Markgräfin selbst verfasste Libretto geprägt durch allegorische Figuren. Nicht reale Menschen, sondern symbolische Vertreter der bösen und guten Mächte in persona lenken hier die Handlung. Anemone und Anima, das menschliche Liebespaar, sind bloße Spielbälle – unmündig im Kampf zwischen Licht und Dunkelheit. Die tatsächlich handelnden Figuren sind ideale Verkörperungen mensch-licher Tugenden und Laster sowie abstrakter Konzepte wie der „Vernunft“ oder der „Liebe“. Und schlussendlich ist es auch die Vernunft, die ganz nach den Ideen der Aufklärung, als Abkömmling der Sonne dargestellt, in der Rolle der Heilsbringerin auftritt.

In Musik gesetzt hat dieses aufwändige musikalische Festspiel der damalige Hofkapellmeister des Bayerischen Kurfürstenhof in München Andrea Bernasconi. Besonders zu betonen ist hierbei jedoch, dass zwei Cavatinen – zu singen vom „Buon Genio“ – aus der Kompositions-Feder der Markgräfin selbst stammen. Diese wählte jene im Vergleich zu einer typischen barocken Arie eher einfachere Form der Gesangskomposition auf Wunsch ihres Bruders Friedrich, anlässlich dessen Besuchs jene Oper konzipiert und komponiert wurde. Die zahlreichen Wiederholungen, die für eine da-capo-Arie so essentiell sind, werden bei dieser Gattung ausgelassen und ein klarerer melodischer und harmonischer Aufbau bevorzugt.

Eigens fürs Markgräfliche Opernhaus verfasst

„L’Huomo“ ist demnach ein extra für das Markgräfliche Opernhaus verfasstes Werk, das nun rund 255 Jahre nach seiner Erstaufführung wieder in Bayreuth zu erleben sein wird. Das Barockensemble Concert Royal Köln wird diese Oper unter der Leitung von Steffen Leißner musikalisch interpretieren. Der gebürtige Dresdner unternahm als Dirigent, sowie als Cembalist zahlreiche gefeierte Konzertreisen im In- und Ausland und sammelte in der Zusammenarbeit mit René Jacobs wichtige Erfahrungen für seine interpretatorische Arbeit an Barockopern. Die Inszenierung wird der Kölner Regisseur Igor Folwill übernehmen. Sein Repertoire umfasst heute rund 80 Stücke aus allen Epochen und Genre des Musiktheaters, von den frühen Opern bis zur Moderne, wobei seine besondere Liebe den musikdramatischen Werken der Barockzeit gilt.

Für die Oper werden kostenlose Einführungsvorträge jeweils am Tag der Aufführung eine Stunde vor Aufführungsbeginn im Markgräflichen Opernhaus angeboten.

Die Veranstaltungen im Rahmen des Bayreuther Barock finden mit freundlicher Unterstützung der Oberfranken-Stiftung statt.

Karten

Karten gibt es bei der Theaterkasse, Luitpoldplatz 9, Telefon (09 21) 6 90 01, Fax: (09 21) 2 20 42, E-Mail:  info@kurier-tickets.de oder im Internet unter

www.bayreuther-barock.bayreuth.de