Stadt Bayreuth

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16.03.2009

Im Visier des Kulturmarketings

Sind junge Menschen wirklich kulturell desinteresiert? Vortragsveranstaltung im Alten Rathaus

Dr. Susanne KeuchelSind die jungen Leute der „Spaßgesellschaft“ wirklich desinteressiert an Kultur? Sind alle Älteren kulturell aktiv? Wie kann die Jugend, wie können junge Migranten und die Bevölkerung im Alter von 50 und mehr stärker für den Besuch von Kulturveranstaltungen aktiviert werden? Mit dieser Frage befasst sich Dr. Susanne Keuchel, Geschäftsführerin des Zentrums für Kulturforschung, am Dienstag, 31. März, um 20 Uhr, auf Einladung des städtischen Kulturreferats im Historischen Sitzungssaal des Alten Rathauses.

In dem Vortrag werden auf der Grundlage von drei bundesweiten repräsentativen Umfragen, die vom Zentrum für Kulturforschung vorgenommen wurden, das Kulturinteresse dieser unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen sowie zentrale Einflussfaktoren beleuchtet und Empfehlungen für die Praxis abgeleitet.

Der Vortrag zeigt auf, dass nicht ausschließlich die Generationszugehörigkeit über Kulturinteresse und -partizipation entscheidet, sondern weitere Merkmale wie Schulbildung, Elternhaus oder auch Geschlecht. Auch sagt die Tatsache, dass ein Jugendlicher einen Migrationshintergrund hat, noch nichts darüber aus, ob er sich für das Kulturgeschehen vor Ort interessiert oder nicht. Unterschiede im Kulturinteresse können auch hier auf eine Vielzahl von Faktoren, wie das Herkunftsland, aber auch beispielsweise die Schulbildung des Elternhauses zurückgeführt werden. Ebenso lässt sich von der „Generation 50+“ angesichts beispielsweise deutlicher Unterschiede beim Kulturinteresse, bei den Spartenpräferenzen oder auch der Kulturaktivität innerhalb dieser großen Bevölkerungsgruppe nicht sprechen.

Dass angesichts zunehmend individueller Lebensstile und Milieubildungen in der Bevölkerung eine zielgruppenspezifische Ansprache auch für den Kulturbereich immer wichtiger wird, unterstreichen auch andere empirische Studien aus der Marktforschung. Kombiniert man zudem Kulturmarketing mit Kulturpädagogik, ist es möglich, bisher weniger kulturaktive Gruppen, die oftmals auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen ausgegrenzt sind, durch gezielte Förderung mit kulturellen Bildungsangeboten stärker in das kulturelle und damit auch in das gesellschaftliche Leben zu integrieren und so die gesamte Gesellschaft zu stärken.

Dr. Susanne Keuchel, Direktorin und Geschäftsführerin des Zentrums für Kulturforschung, studierte Musikwissenschaft (HF), Germanistik und Soziologie an der Universität Bonn und der Technischen Universität Berlin. Sie promovierte 1999 zum Thema ”Audiovisuelle Musikrezeption im Spielfilm”. Ihre Arbeitsschwerpunkte und Publikationsthemen sind neben der empirischen Kulturforschung die Anwendung Neuer Technologien im Kulturbereich, speziell audiovisuelle Medien, und die Kulturelle Bildung. Sie ist unter anderem Mitherausgeberin der Publikationen „Kulturelle Bildung in Deutschland“, „Medienqualifikation für Kulturberufe II“, „Das 1. Jugend-KulturBarometer“ und “KulturBarometer 50+“ sowie Autorin der Bücher „Rheinschiene – Kulturschiene“ und “Kulturelle Bildung in der Ganztagsschule“.