Stadt Bayreuth

16.04.2010

Inklusion ist mehr als Integration

Unternehmerabend im Rathaus informierte über Chancen durch Beschäftigung von Menschen mit Behinderung

Rund 100 Interessierte folgten der Einladung von Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl und Landrat Hermann Hübner zum Unternehmerabend „Bayreuth inklusiv“ in den Sitzungssaal des Neuen Rathauses in Bayreuth, um sich über die Chancen und Möglichkeiten, die sich durch die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung ergeben, zu informieren und auszutauschen.

„Erwerbsarbeit ist in unserer Gesellschaft verbunden mit sozialer Teilhabe, Sozialprestige, Anerkennung und Selbstachtung. Solange Erwerbsarbeit den wesentlichen Identitätsanker eines Menschen bildet, kann der Verlust beziehungsweise das Nichterreichen davon eine Behinderung verschärfen“, so Bayreuths 2. Bürgermeister Thomas Ebersberger in seiner Begrüßungsrede. Der Unternehmerabend sollte als Auftaktveranstaltung diesem Umstand Rechnung tragen und nach Landrat Hermann Hübner vor allem „zu einer besseren Vernetzung der Betroffenen mit der regionalen Wirtschaft“ beitragen. Die folgende Podiumsdiskussion, die ganz unter dem Motto der Behindertenbeauftragten der Stadt Bayreuth Bettina Wurzel „Inklusion ist mehr als Integration“ stand, sollte Wege und Beispiele in der Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen aufzeigen, um eine gewinnbringende Beschäftigung für Menschen mit Behinderung und Arbeitgeber zu schaffen.

Erfahrungen aus der Praxis

Steffen Giessübel, Geschäftsführer Intersport Giessübel in Bayreuth, beschäftigt seit 2001 einen Mitarbeiter mit Behinderung. Beeindruckt durch die Initiativbewerbung und das aufgeweckte Auftreten, fungierte anfangs dennoch vor allem die finanzielle Förderung als Türöffner für das Beschäftigungsverhältnis. Mittlerweile überzeugt der Mitarbeiter aber durch seine Person selbst, an der Steffen Giessübel Einsatzbereitschaft und Loyalität besonders schätzt. Der Mitarbeiter ist heute Netzwerkadministrator bei Intersport Giessübel und kann sich auch mit Angestellten ohne Behinderung messen lassen.

Im Anschluss stellte Klaus Eisenstein, Bereichsleiter INTEGRA Mensch der Werkstätten für behinderte Menschen Bayreuth, das Konzept der ausgelagerten, integrierten Arbeitsplätze vor. Aktuell befinden sich neun Menschen mit Behinderung in festen, ausgelagerten Arbeitsplätzen, wovon stellvertretend zwei Mitarbeiter aktiv an der Podiumsdiskussion teilnahmen. Positives in Bezug auf die Außenarbeitsplätze wusste auch die 1. Bürgermeisterin der Stadt Hollfeld Karin Barwisch zu berichten, die seit 20 Jahren ehrenamtlich in der Behindertenarbeit tätig ist. Michael Endres, beschäftigt beim Bauhof der Stadt Hollfeld, beschrieb seine Tätigkeit als abwechslungsreich und das Arbeitsumfeld als sehr angenehm und kollegial.

Ebenfalls positive Erfahrungen mit ausgelagerten Arbeitsplätzen durfte Otto W. Rost, Einrichtungsleiter Caritas Hausgemeinschaft für Senioren in Hollfeld, machen, der in seinem Betreuungsangebot für Senioren erst seit zwei Monaten eine junge Frau mit Behinderung beschäftigt. Bei dem Seniorenheim handelt es sich um kein konventionelles Altenheim, sondern um ein „Leben in Hausgemeinschaften“, in denen die Senioren ein aktives und selbstbestimmtes Leben führen können. Die Mitarbeiterin Alexandra Rost, die in keinem Verwandtschaftsverhältnis zu Otto W. Rost steht, unterstützt die älteren Menschen als Pflegekraft und ist dabei „integriert, ja inklusiert“ so Klaus Eisenstein. Alexandra Rost bestätigte dies und verneinte die Frage, ob sie ihren Außenarbeitsplatz aufgeben und zurück an ihren Werkstattarbeitsplatz möchte. Klaus Eisenstein fügte hinzu, dass die Werkstätten für Menschen mit Behinderung natürlich auch weiterhin eine ganz wichtige Funktion haben, weil ausgelagerte Arbeitsplätze nicht von allen Menschen mit Behinderung besetzt werden können. Die Außenarbeitsplätze sollen dementsprechend als sinnvolle Erweiterung zu den Werkstattarbeitsplätzen auf dem Weg in den ersten Arbeitsmarkt gesehen werden. Es besteht immer die Möglichkeit, falls die Anstellung auf dem Außenarbeitsplatz nicht funktionieren sollte, wieder auf den Werkstattarbeitsplatz zurückzukehren.

Den Abschluss der Podiumsdiskussion bildete Gisela Hillebrand aus dem Vorstand des Vereins Starthilfe e.V., die über ihre Erfahrungen mit behinderten Beschäftigten bei der Ämterkantine berichtete. Die Mitarbeiter, mit überwiegend psychischer Behinderung, werden von der Ämterkantine in der Küche und im Servicebereich eingesetzt. Die Ämterkantine zeigt damit Möglichkeiten auf, wie Menschen mit Behinderung in einem Dienstleistungsbetrieb auch in direktem Kontakt mit dem Kunden eingesetzt werden können. Bei Problemen können sich die Mitarbeiter zurückziehen und finden Unterstützung bei einer Ergotherapeutin. Von der professionellen Arbeit der Ämterkantine konnten sich die Tagungsteilnehmer bei einem Imbiss im Anschluss an die Podiumsveranstaltung selbst überzeugen.

Später konnten sich die Besucher am Markt der Möglichkeiten bei folgenden Einrichtungen über ihre Angebote informieren: Reha-Team der Agentur für Arbeit, Deutsche Rentenversicherung, Diakonie Bayreuth, Diakonisches Werk mit Patenmodell, Integrationsfachdienst Bayreuth mit dem Integrationsamt, Werkstätten für behinderte Menschen.

Informationen und Ansprechpartner

Nähere Informationen und Ansprechpartner rund um das Thema sind bei der Behindertenbeauftragten der Stadt Bayreuth Bettina Wurzel unter Telefon (09 21) 25 12 47 erhältlich. Weitere Infos und Fotos der Veranstaltung auch unter www.region-bayreuth.de.