Stadt Bayreuth

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22.07.2015

Isolde kehrt heim – Neuerwerbung für das Richard Wagner Museum

Porträtzeichnung der ältesten Tochter Richard Wagners von der Hand des berühmten Malers Franz von Lenbach durch die Ernst von Siemens Kunststiftung erworben – Dauerleihgabe an das Museum

Nur zwei Wochen nach der Erwerbung einer Büste Richard Wagners von Gustav Adolph Kietz durch die Oberfrankenstiftung für das neue Richard Wagner Museum ist erfreulicher Weise und rechtzeitig zur Neueröffnung mit Hilfe der Ernst von Siemens Kunststiftung eine weitere bemerkenswerte Neuerwerbung gelungen. Es handelt sich um eine Porträtzeichnung der ältesten Tochter Richard Wagners Isolde aus dem Jahr 1884 von der Hand des berühmten Malerfürsten Franz von Lenbach.

Das Bild stammt aus dem Privatbesitz von Dagny R. Beidler, der Urenkelin Richard Wagners. Es war bereits im vergangenen Jahr in Bayreuth zu sehen und zwar im Rahmen der Sonderausstellung über ihren Vater und ältesten Enkel Richard Wagners, Franz Wilhelm Beidler, in der Stadtbibliothek. Schon damals hatte Dagny Beidler den Wunsch, das Porträt dauerhaft im Richard Wagner Museum Bayreuth zu wissen. „Ich freue mich, dass das Porträt nun im Haus Wahnfried dauerhaft den ihm zustehenden Platz findet, dem Ort, der für Isoldes Leben so bestimmend war“, kommentiert Dagny Beidler den Verkauf.

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Ermöglicht wurde dies nun durch den Ankauf der Zeichnung durch die Ernst von Siemens Kunststiftung, die es dem Richard Wagner Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung stellt.

„Durch den Erwerb ist die Porträtzeichnung von Richard Wagners Tochter Isolde für den Ort gesichert worden, an dem sie ihre größte Strahlkraft entfalten kann. Das Vermächtnis des Mäzens und Unternehmers Ernst von Siemens sowie die großzügige Unterstützung der Siemens AG erlaubten es, eine aktuelle Möglichkeit zum Ankauf entschlossen wahrzunehmen“ freut sich Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung.

Ein enger Freund der Familie Wagner

Der Maler Franz von Lenbach war über viele Jahre eng mit der Familie Wagner befreundet und schuf unter anderem auch Porträts von Richard und Cosima Wagner sowie von Franz Liszts, die sich ebenfalls im Richard Wagner Museum und im Franz-Liszt-Museum Bayreuth befinden. Er war einer der berühmtesten Maler seiner Zeit und schuf zahlreiche Meisterwerke von höchster künstlerischer und handwerklicher Qualität. Die 67,3 mal 50,3 Zentimeter große Zeichnung ist in Bleistift, Kreide und Rötel ausgeführt und zeigt die 19-jährige Isolde im Profil mit anmutig geneigtem Kopf.

Isolde war 1865 das erste Kind Richard und Cosima Wagners, die allerdings zu diesem Zeitpunkt noch mit dem Dirigenten Hans von Bülow verheiratet war. Daher galt Isolde offiziell und rechtlich als Bülows Tochter, und obgleich Wagner seine Vaterschaft nie leugnete, sondern im Gegenteil sogar sehr stolz darauf war, wurde Isolde von Bülow, so ihr Mädchenname, nie als Wagners Tochter legitimiert. 1900 heiratete sie den Dirigenten Franz Beidler, 1901 wurde ihr Sohn Franz Wilhelm geboren, der mithin der erste Enkel Richard Wagners war.

Allerdings hatte Cosima nach Wagners Tod den gemeinsamen Sohn Siegfried zum Alleinerben gemacht, um das dynastische Prinzip sicherzustellen. Als Isolde Beidler dann 1914 einen aufsehenerregenden Prozess gegen ihre Mutter Cosima auf Anerkennung der Vaterschaft Richard Wagners führte, nicht zuletzt um die Erbansprüche ihres Sohnes als ältestem Enkel Wagners zu sichern, bedeutete dieser sogenannte „Beidler-Skandal“ den unwiderruflichen Bruch mit der Familie. In Gegenwart Cosima Wagners durfte ihr Name nicht mehr genannt werden. Da sie zwar nicht biologisch, jedoch nach der damaligen Rechtsprechung als Tochter Hans von Bülows galt, verlor sie schließlich den Prozess und übersiedelte mit ihrem Mann von Bayreuth nach München, wo sie 1919 an Tuberkulose starb.

Ihr Sohn Franz Wilhelm emigrierte nach der Machtübernahme Hitlers 1933 nach Zürich, begann eine unvollendet gebliebene, kritische Biographie über seine Großmutter Cosima und blieb auch nach dem Krieg den Bayreuther Festspielen kritisch verbunden. Mit seinen „Bedenken gegen Bayreuth“ wandte er sich gegen ein unreflektiertes Weitermachen nach dem Dritten Reich und entwickelte ein alternatives Festspiel-Konzept, mit dem er sich jedoch nicht durchsetzen konnte.

Mit Isolde Wagner-Beidler wurden mithin die ältesten Nachkommen Richard Wagners aus Bayreuth verdrängt und später nahezu vergessen. Unter dem „Beidler-Skandal“ litten indessen die Mutter Cosima ebenso wie die Tochter Isolde, deren früher Tod zumindest zum Teil auch darauf zurückzuführen ist. Das Porträt Lenbachs indessen zeigt noch „Loldi“, wie die Eltern Richard und Cosima Wagner ihr erstes gemeinsames und darum besonders geliebtes Kind nannten. „Mit dem Lenbach-Porträt ist die verbannte Isolde wenigstens symbolisch in ihr Elternhaus Wahnfried zurückgekehrt“, freut sich Museumsdirektor Dr. Sven Friedrich.

www.wagnermuseum.de