Kontakt:
Wahnfriedstraße 9
Tel.: (09 21) 5 16 64 88
Fax: (09 21) 7 57 28 22
E-Mail: franz-liszt-museum@stadt.bayreuth.de
Träger: Stadt Bayreuth
Leitung: Dr. Sven Friedrich
Öffnungszeiten:
September - Juni: täglich
10 - 12 Uhr, 14 - 17 Uhr
Juli/August: täglich 10 - 17 Uhr
24./25.12.: geschlossen
31.12.: 10 - 14 Uhr
01.01.: 13 - 17 Uhr
Eintrittspreise:
Im Franz-Liszt-Jubiläumsjahr 2011 kann das Museum ganzjährig bei freiem Eintritt besucht werden
ansonsten
Erwachsene: 2,00 €
Schüler, Studierende, Schwerbehinderte: 1,00 €
Führungen
für Gruppen bis max. 20 Personen nur nach vorheriger Anmeldung bei
Tourist-Information Bayreuth
Opernstr. 22, 95444 Bayreuth
Tel.: (09 21) 885-88; Fax: (09 21) 885-755
E-Mail: info@bayreuth-tourismus.de
Franz Liszt war einer der zugleich typischsten und untypischsten Künstler des 19. Jahrhunderts. Typisch in seiner Auffassung von Musik als Ausdruck des Göttlichen und der Natur, Musik
als Drama und als Vergegenwärtigung metaphysischer Grundstimmungen. Man hat diese Überzeugung zu jener Zeit auch als die sogenannte "Neudeutsche Schule" bezeichnet. Typisch war Liszt
auch in seinem Selbstverständnis als Künstler: das Genie, dass sich auch äußerlich durch Kleidung und Haartracht von der Norm unterscheidet und so sein Anderssein
unterstreicht, sein Künstlertum auf diese Weise als Lebensauffassung dokumentiert.
Untypisch dagegen ist der Verlauf von Liszts Biographie. Er begann seine künstlerische Laufbahn als Wunderkind nach dem Vorbild Mozarts und als Klaviervirtuose allerersten Ranges. Die Salons
und Konzertsäle der europäischen Kulturhochburgen lagen ihm zu Füßen. Von den Frauen geliebt und von allen Kunstfreunden bis zur Hysterie vergöttert gilt er als
berühmteste Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts.
Später wandte er sich vollständig von diesem weltlichen Treiben mit Ruhm und Glamour ab, um sich seiner tiefen Religiosität gemäß in der Abgeschiedenheit römischer
Klöster ganz in die inneren Welten des Geistlichen zurückzuziehen. Dort empfing er schließlich sogar die Weihen des niederen Klerus und trug fortan den Titel "Abbé".

Untypisch ist auch sein ausgeprägter Kosmopolitismus in einer Zeit, die so nachhaltig von der Idee des Nationalstaats geprägt war, die zur identitätsstiftenden Kategorie erhoben
wurde. Liszt dagegen war in ganz Europa zu Hause, in Ungarn und Österreich ebenso wie in Deutschland, Italien und Frankreich. So sagte Liszt selbst über sich: "Zur Hälfte bin ich
Franziskaner, zur Hälfte Zigeuner."
Untypisch war zuletzt auch seine wohl durch sein tiefempfundenes Christentum begründete und trotz all des Ruhmes und der Ehre, die ihm zuteil wurden, nie beeinträchtigte Güte. Wohl
keiner dürfte dies tiefer erfahren haben als sein späterer Schwiegersohn Richard Wagner. Nie gibt es von Liszt Äußerungen des Neides, vielmehr bewundert er Wagner und
unterstützt ihn immer wieder in jeder erdenklichen Weise. Aber auch andere Künstler haben seine ungewöhnliche Großzügigkeit immer wieder erfahren.
"Was ist unser Leben anderes als eine Reihe von Vorspielen zu jenem unbekannten Gesang, dessen erste und feierliche Note der Tod anstimmt?" Am 31. Juli 1886 verstarb Franz Liszt, der diese Worte
Lamartines als Motto seiner symphonischen Dichtung "Les Préludes" wählte, in jenem Haus, in dessen Räumen sich heute das Franz-Liszt-Museum der Stadt Bayreuth befindet.
Bereits schwer erkrankt war Liszt, der Vater von Cosima Wagner zu den Bayreuther Festspielen gekommen. Unter größten Anstrengungen hatte er noch die Aufführungen des "Parsifal" und
des ersten Bayreuther "Tristan" verfolgt, bevor er sich in seinem Zimmer, das er bei der Oberförsterfamilie Fröhlig während der Festspielzeit bewohnte, mit den Worten niederlegte:
"Ich glaube nicht, dass ich von hier wieder aufstehe." Während getreue Schüler im Salon und auf den Stufen vor dem Schlafzimmer wachen, beginnt Liszts qualvoller Todeskampf. Den ganzen
31. Juli verbringt Cosima Wagner am Bett ihres Vaters. Gegen Mitternacht hört sein Herz auf zu schlagen. Liszt wird zunächst im schwarz ausgeschlagenen Sterbezimmer, später im Saal
von Haus Wahnfried aufgebahrt. Am 3. August wird Franz Liszt seinem Testament entsprechend auf dem Bayreuther Stadtfriedhof beerdigt. Dort befindet sich seine Grabkapelle.
Am 22. Oktober 1993, dem 182. Geburtstag Franz Liszts, wurde das Franz-Liszt-Museum eröffnet. Die Basis für dieses Museum bildet die etwa 300 Bilder, Handschriften und Drucke umfassende
Sammlung des Münchner Pianisten Ernst Burger, die 1988 von der Stadt Bayreuth angekauft und inzwischen durch eine Reihe von Leihgaben der Richard-Wagner-Stiftung ergänzt wurde.
In unmittelbarer Nachbarschaft zu Haus Wahnfried, dem Wohnhaus seines Schwiegersohnes Richard Wagner, stellt dieses Museum eine Vervollständigung der Dokumentation der wohl bedeutendsten
Epoche im Bayreuther Musikleben dar. Die Ausstellung orientiert sich an Leben und Werk Franz Liszts und ist im wesentlichen chronologisch aufgebaut. Seine Lebensabschnitte werden auf
biographischen Tafeln zusammengefasst. Eine qualitativ hochwertige 5-Kanal-Audio-Anlage begleitet den Besucher auf seinem Rundgang durch das Museum mit Musik von Franz Liszt.
Zu sehen sind unter anderem einige der wertvollsten und schönsten Liszt-Porträts, ein Tagebuch des jungen Franz Liszt und weitere Gegenstände aus seinem persönlichen Besitz,
der Ibach-Flügel aus der Halle des Hauses Wahnfried, Liszts Stummklavier, eine Lebend- und eine Totenmaske, handschriftliche Briefe, darunter zwei charakteristische Briefpaare aus der
Korrespondenz mit Richard Wagner, seltene Werkerstausgaben und vieles mehr.
Das der Stadt Bayreuth kulturpartnerschaftlich verbundene österreichische Bundesland Burgenland und Liszts Geburtsort Raiding stifteten zur Eröffnung des Museums einen Abguss von Liszts
Taufstein sowie der großartigen Liszt-Büste von Antonio Galli, die den Besucher gleich am Eingang begrüßt.