07.05.10
Der Wirtschaftsraum Bayreuth hat sich schon in der Krise als Stütze der oberfränkischen Wirtschaft erwiesen. Das bestätigen die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturbefragung der IHK für Oberfranken Bayreuth zum Frühjahr 2010. Die Wirtschaftskrise zumindest scheint überwunden zu sein. Bei den befragten Bayreuther Unternehmen hat sich die Stimmung noch einmal deutlich verbessert. Die aktuelle Geschäftslage wird sehr positiv eingeschätzt und auch der Blick in die Zukunft ist von Zuversicht geprägt. Der Konjunkturklimaindikator aus Lage und Erwartungen erreicht für Stadt und Landkreis Bayreuth 124 Punkte, zusammen mit dem Landkreis Wunsiedel der Spitzenwert. 117 Punkte sind es oberfrankenweit.
"Der Wirtschaftsraum Bayreuth ist vergleichsweise glimpflich durch die Wirtschaftskrise gekommen. Die Einbrüche sind weniger gravierend als andernorts. Jetzt zeigt sich deutlich, dass viele unserer Unternehmen auf der Basis der eigenen Kennzahlen mit einem durchgreifenden Aufschwung rechnen", bewertet Oliver Gießübel, Vorsitzender des Industrie- und Handelsgremiums Bayreuth, die Ergebnisse der Befragung. Aktuell beurteilen jeweils 34 Prozent (Januar: 32 Prozent) der befragten Unternehmen ihre derzeitige Geschäftslage positiv, 11 Prozent (Januar: 17 Prozent) bewerten sie negativ (Oberfranken: 30 Prozent positiv, 21 Prozent negativ).
Die Verbesserung der Lageeinschätzung zieht sich in Oberfranken durch nahezu alle Branchen. Besonders zufrieden mit ihrer Geschäftslage sind die Dienstleistungsunternehmen und der Handel. "Einen regelrechten Stimmungsumschwung gibt es bei der Industrie. Das Auftragsvolumen ist bei vielen Betrieben deutlich gestiegen, insbesondere aus dem Ausland. Das Schwungrad der oberfränkischen Wirtschaft, die Industrie, hat wieder Fahrt aufgenommen. Davon können alle anderen Bereiche profitieren", erläutert Wolfram Brehm, IHK-Bereichsleiter Standortpolitik.
Zukunftserwartung deutlich optimistischer
Deutlich optimistischer als zuletzt ist auch der Blick der Bayreuther Wirtschaft in die Zukunft: 40 Prozent (Januar: 26 Prozent) der Unternehmen sehen den kommenden Monaten optimistisch entgegen, 15 Prozent (Januar: 14 Prozent) skeptisch (Oberfranken: 37 bzw. 12 Prozent). Erwartet werden ein deutlich steigendes Auftragsvolumen aus dem In- und Ausland, eine bessere Auslastung der Kapazitäten und nachfolgend auch eine bessere Ertragslage der Unternehmen. Die Investitionsneigung bleibt auf hohem Niveau. 92 Prozent (Januar: 91 Prozent) der Unternehmen im Wirtschaftsraum Bayreuth planen für die kommenden Monate Investitionen im Inland.
Oberfrankenweit rechnen wieder mehr Unternehmen mit einer wachsenden Beschäftigtenzahl und auch für den regionalen Arbeitsmarkt im Raum Bayreuth gibt es hoffnungsvolle Nachrichten: Im Wirtschaftsraum Bayreuth gehen 21 Prozent (Januar: 10 Prozent) der befragten Unternehmen von einer zunehmenden und nur noch 14 Prozent (Januar: 18 Prozent) von einer abnehmenden Beschäftigtenzahl aus (Oberfranken: 18 bzw. 17 Prozent). "Die Situation entspannt sich zusehends. Die Möglichkeit der Kurzarbeit hat es vielen Unternehmen ermöglicht, qualifiziertes Personal auch in der Krise zu halten. Mit diesem Personal können die Betriebe nun im Aufschwung ohne Übergang und Einarbeitung wieder einen Gang höher schalten", so IHK-Konjunkturexperte Brehm.
Gießübel: "Wachstum nach tiefem Absturz"
"Die Bayreuther Unternehmen gehen mehrheitlich von einem Wirtschaftswachstum aus. Der Optimismus hat sich in der Bayreuther Wirtschaft auf breiter Front gefestigt", so IHG-Vorsitzender Gießübel. Für eine Entwarnung sei es aber noch zu früh. "Die Konjunktur ist so tief gestürzt, dass es wahrscheinlich Jahre dauern wird, bis der Einbruch vollends wettgemacht werden kann. Außerdem gibt es nach wie Risiken, die den Aufschwung behindern können", so Gießübel, der dabei an die aktuelle Krise infolge der griechischen Staatsverschuldung erinnert.
Sollte die Konjunktur nachhaltig anspringen, erwartet die Wirtschaft von der Politik laut Gießübel vor allem "ernsthafte Anstrengungen zur Begrenzung des Staatsdefizits, das alle Ebenen der Politik –von den Kommunen bis zum Bund– betrifft." Hier brauche es den Mut der politisch Verantwortlichen zu strukturellen Reformen. "Eine zögerliche Politik des 'Weiter so' darf es nach dieser Krise nicht geben", so der IHG-Vorsitzende.
(Quelle: IHK für Oberfranken Bayreuth)