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Bayreuth baut an seiner Zukunft vorlesen

23.07.14

Frank Schmälzle und Brigitte Merk-Erbe im Gespräch2013 wurde in Bayreuth so viel gebaut wie lange nicht mehr. 432 Baugenehmigungen hat die Stadt im vergangenen Jahr erteilt. Dahinter steht ein Investitionsvolumen von 146 Millionen Euro – Zahlen, die in der jüngeren Baugeschichte Bayreuths noch nie erreicht wurden. Dahinter stehen auch 553 Wohnungen, davon 86 Einfamilienhäuser und 272 Wohneinheiten für Studenten. Frank Schmälzle sprach mit Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe über den neuen Bayreuther Bauboom. Denn der wird anhalten.

Frank Schmälzle: Die Zinsen sind auf einem historischen Tiefststand, der Wirtschaft geht es gut, die Arbeitslosigkeit ist gering. Wie viel des Bayreuther Baubooms ist trotz dieser externen Einflussfaktoren selbst gemacht?

Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe: Ohne Frage profitiert Bayreuth derzeit von wirtschaftlich sehr günstigen Rahmenbedingungen. Aber das allein erklärt den Bauboom in Bayreuth nicht. Unterstützend wirken die Flexibilität und Schnelligkeit, eine möglichst zügige und unbürokratische Genehmigungspraxis, zu der auch kompetente Beratung und professionelle Begleitung durch die Dienststellen des Rathauses gehören. Eine Oberbürgermeisterin oder die Mitarbeiter einer Stadt schaffen ja nicht selbst Arbeitsplätze, aber sie können für ein investitionsfreundliches Klima sorgen, durch ihr Handeln die Stimmung bei Unternehmen und privaten Investoren positiv beeinflussen. Der Wirtschaftsförderung der Stadt kommt hier ebenso eine wichtige Rolle zu wie den mit den Bauvorhaben beschäftigten Dienststellen.

Es sieht danach aus, als würde diese den Bau begünstigende Wirtschaftslage noch eine ganze Weile andauern. Wo sind noch Reserven?

Wenn Sie mit Reserven Grundstücke meinen, dann sind diese naturgemäß nicht unbegrenzt verfügbar. Wir versuchen hier durch eine vorausschauende Grundstückspolitik entsprechend zu steuern. So hat der Stadtrat jüngst zwei Bebauungspläne in den Stadtteilen Saas und Lerchenbühl und in der Hohlmühle beschlossen. Insgesamt zirka 30 Bauplätze können hier für Familien und Bauherren angeboten werden. Im Bereich der Gewerbeflächen stehen beispielsweise am Gewerbepark Oschenberg rund 7,2 Hektar mit Parzellengrößen ab zirka 3.000 Quadratmetern sowie beispielsweise im Gewerbegebiet Wolfsbach-Nord zirka 5,5 Hektar bei Grundstücksgrößen ab 1.000 Quadratmetern zur Verfügung.

Wie viel Nachverdichtung verträgt die Stadt?

Nachverdichtung heißt ja zunächst einmal unter anderem, dass Baulücken geschlossen werden oder auch dass vorhandene Bauten ausgebaut werden oder gegebenenfalls leerstehende, nicht genutzte Gebäude ersetzt werden. Hier gibt es in Bayreuth durchaus noch Möglichkeiten. Zu beachten ist jedoch, dass mit der Nachverdichtung auch eine städtebauliche Aufwertung des betroffenen Bereichs erfolgt. Dies ist beispielswiese durch die Schaffung kleinerer Naherholungsinseln oder durch zusätzliche attraktive öffentliche Plätze sowie Spielbereiche möglich.

Muss die Stadt weitere Bauflächen zur Verfügung stellen?

Ein eindeutiges Ja. Die Stadt muss auch in Zukunft Flächen für den Wohnungsbau bereitstellen, wie sie auch Flächen beispielsweise für den gewerblichen oder den universitären Bereich oder auch für den Gesundheitsbereich vorhalten muss. Dies ist kein Selbstzweck. Angesichts des demografischen Wandels muss es unser Ziel sein, die Einwohnerzahl stabil zu halten, wenn möglich zu steigern. Das wird nur gelingen, wenn wir als Wohn- und Arbeitsort attraktiv bleiben, attraktiv sind für Familien, attraktiv sind für junge Menschen, attraktiv sind für die ältere Generation und aufnahmebereit sind für Menschen aus anderen Ländern. Dazu gehören zudem beispielsweise ausreichend Wohnraum, dazu gehört Familienfreundlichkeit und dazu gehört insbesondere eben auch, dass es attraktive Arbeitsplätze gibt.

Und wer baut was? Sind die Einfamilienhäuser der Motor der Entwicklung oder kommt vielleicht inzwischen der Geschosswohnungsbau wieder stärker in Mode?

Einfamilienhäuser sind unverändert eine sehr stark gefragte Bauform, dennoch ist der Geschosswohnungsbau gerade im innerstädtischen Bereich zu einem wichtigen Thema geworden. Die Gründe sind unterschiedlich, Stichworte sind geringe Leerstände, knappe Flächen, der Wunsch vieler Menschen aus dem Umland, die wiederentdeckt haben, welch vielfältige und unterschiedliche Angebote Bayreuth zu bieten hat und diese Angebote ohne Anfahrt mit dem Auto nutzen wollen. Zudem profitiert der Geschosswohnungsbau in der Universitätsstadt Bayreuth natürlich auch von der hohen Nachfrage an Studentenwohnungen.

Welchen Anteil haben Bauinvestitionen der Wirtschaft an diesem Aufschwung?


Fraglos wirkt sich das aktuell positive Konjunkturklima nicht nur belebend auf den privaten Wohnungsbau aus, sondern begünstigt auch gewerbliche Investitionen in den Standort Bayreuth. Das bestätigen uns in Gesprächen auch immer wieder Vertreter der Bayreuther Wirtschaft. Von den 432 Baugenehmigungen des vergangenen Jahres entfielen 77 auf den gewerblichen Sektor. In diesem Jahr haben wir hier bereits 52 Baugenehmigungen erteilt. Dass Bayreuth auch als Standort für gewerbliche Bauinvestitionen interessant ist, zeigt der Blick auf Projekte wie das im Bau befindliche neue Fraunhofer-Zentrum oder der BAT-Fabrikneubau.

Es ist wieder schick, in der Stadt zu leben. Spürt Bayreuth diesen Trend?


Viele Jahrzehnte lang ging der Trend dahin, von der Stadt aufs Land zu ziehen. Seit einiger Zeit ist jedoch wieder ein verstärktes Interesse am Wohnen in Bayreuth zu beobachten, sodass – nicht nur in Bayreuth – eine Diskussion über eine Rückkehr in die Stadt begonnen hat. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von einer „Neuen Urbanität“ und vom Beginn einer neuen Phase der Stadtentwicklung. Dabei erfährt vor allem das Wohnen direkt in der Innenstadt eine erhöhte Aufmerksamkeit. Das liegt daran, dass innenstadtnahe Quartiere als Wohnstandort mittlerweile von allen Generationen geschätzt werden.

Wie stellt sich die Stadt als Lebensraum für die größer werdende Gruppe der Senioren auf?

Älter werden heißt ja nicht automatisch, dass keine Teilhabe mehr am öffentlichen Leben, am Leben in der Stadt stattfindet. Gerade ältere Menschen schätzen und nutzen die Infrastruktur einer Stadt, schätzen die kurzen Wege, den Einkauf im innerstädtischen Einzelhandel, die unterschiedlichen Kulturangebote und vieles mehr. Ältere Menschen haben – ebenso wie Jüngere – den Wunsch nach Selbstständigkeit und Autonomie. Es ist daher auch Aufgabe der Stadtpolitik, die Voraussetzungen zu schaffen, dass dieser Wunsch möglichst lange erfüllt werden kann. Dazu gehören beispielsweise Barrierefreiheit und nutzerfreundliche Gestaltung. Die „Stiftung Lebendige Stadt“ und das Bundesfamilienministerium haben im Jahr 2012 das Engagement der Stadt um Barrierefreiheit als beispielgebend gewürdigt. Darüber hinaus werden in der Stadt verschiedene Wohnbauprojekte für Senioren realisiert. Im Falle von Pflegebedürftigkeit besteht ein bedarfsgerechtes Angebot an Pflegediensten und Pflegeheimen. Neue Wege geht die Stadt in Sachen „Mehrgenerationenwohnen“, wo wir dienststellenübergreifend dabei sind, alternative Wohnformen anzustoßen und zu begleiten.

Am Josephsplatz entsteht eins von mehreren Studentenwohnkomplexen.Derzeit entstehen viele kleine Wohnungen, die vielen Studenten wollen untergebracht werden. Entsteht da nicht eine Schieflage auf dem Wohnungsmarkt? In ein paar Jahren braucht Bayreuth vielleicht nicht mehr so viele Apartments. Dafür bräuchten Familien jetzt guten Wohnraum.

Die Zahl der Studierenden an der Universität Bayreuth steigt und wird dies wohl auch in den kommenden Jahren weiter tun. Die Folge ist gegenwärtig eine angespannte Versorgungssituation auf dem Wohnungsmarkt speziell in diesem Segment. Die jüngsten Wohnbauprojekte begegnen diesem Trend, was wir seitens der Stadt sehr begrüßen. Zusätzliche Studentenwohnheime nehmen natürlich auch etwas Druck aus dem allgemeinen Wohnungsmarkt, dennoch müssen wir weiter daran arbeiten, dass es jetzt und auch in Zukunft bezahlbaren Wohnraum für Familien gibt. Hier spielt unsere städtische Wohnungsbaugesellschaft GEWOG eine wichtige Rolle.

Warum lohnt es sich für Sie persönlich in Bayreuth zu leben?

Bayreuth ist eine Stadt mit vielen Vorzügen, dazu gehören zuallererst die Menschen, die hier leben und arbeiten, dann unter anderem die kurzen Wege, die gute Infrastruktur, die Familienfreundlichkeit, die ganz unterschiedlichen kulturellen Angebote, die Universität, die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, das Flair der Stadt im Frühling oder während der Festspielzeit, der Sommer am Marktplatz und vieles mehr. Kurz: Frei nach einem Zitat aus Goethes Faust, mein Bayreuth lob ich mir.


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