Stadt Bayreuth

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30.07.2012

Ökologisch-Botanischer Garten: Der stille Bayreuther Star

Wissenschaftliche Einrichtung, Lernort und Naherholungsgebiet in einem
Der Direktor des Botanischen Gartens, Dr. Gregor Aas, zeigt die Artenvielfalt der wissenschaftlichen Grünanlage.12.000 Pflanzenarten auf 16 Hektar Fläche: Der Ökologisch-Botanische Garten der Universität ist nicht nur ein ideales Freilandlaboratorium, sondern eine natürliche Attraktion. Das Schönste: Er steht allen Naturliebhabern offen.

Der Ökologisch-Botanische Garten der Universität ist der stille Star der Bayreuther Sehenswürdigkeiten. Zunächst und vor allem ist er natürlich eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Hochschule für Forschung und Lehre. Aber er ist noch viel mehr: wertvolles und einzigartiges Naherholungsgebiet, Lernort für Bayreuther Schulen und ein Platz, um die Seele baumeln zu lassen.

Das Freigelände des Ökologisch-Botanischen Gartens auf dem Campus der Universität erstreckt sich über insgesamt rund 16 Hektar Fläche; es wachsen dort und 12.000 verschiedene Pflanzenarten im Freien oder in einem der vielen Gewächshäuser. Die Besonderheit dieses Gartens: Europa, Nordamerika und Asien liegen hier ganz nah beieinander. Denn die Pflanzen sind nach Kontinenten und nach Klimazonen angeordnet. Neben diesen vegetationskundlichen Stationen kann man durch eine Nutzpflanzengarten und zahlreiche Gewächshäuser schlendern. Bestandteil der Anlage sind zudem eine ökologische Versuchsstation und Versuchsflächen für Biologen und Geowissenschaftler der Uni.

Was den Direktor des Botanischen Gartens, Dr. Gregor Aas, ganz besonders freut: In den letzten Jahren entwickelt sich dieser einzigartige Grünbereich mehr und mehr zur touristischen Attraktion, die weit mehr Besucher anlockt als die meisten Bayreuther Museen: „50.000 + x Besucher pro Jahr“, schätzt Aas, kommen in jedem Fall auf das Unigelände. Mal ist eine Gruppe rüstiger Rentnerinnen beim Nordic Walking dort unterwegs, mal sind es interessierte Gartenfreunde, die sich ein Bild machen wollen von der einzigartigen Artenvielfalt, die es dort zu sehen gibt. Man sieht hier Schulklassen, Studenten, die gemeinsam lernen, Familien und Touristen. Warum es keine genauen Zahlen gibt= Weil in dem Gartenwunderland, das man im Übrigen die ganze Woche (außer am Samstag) über kostenlos besuche kann, Besucher n ur an Sonntagen gezählt werden. Mit welchem Aufwand der Garten betrieben wird? Man sei, sagt Aas, im Vergleich zu anderen Botanischen Gärten personell durchaus knapp dran, „aber es ist zu schaffen“. Drei Wissenschaftler und 17 Stellen im gärtnerischen Bereich sind dort angegliedert; daneben kann man dort auch den Beruf des Staudengärtners lernen, so Aas. Zudem gibt es seit 15 Jahren einen rührigen Förderverein, der nicht nur die Aufsichten an Sonn- und Feiertagen übernimmt, sondern sich auch noch darum kümmert, dass Spenden und Sponsorengelder fließen. Im vergangenen Jahr, sagt Aas, kamen so rund 40.000 Euro zusammen. Mit diesem Geld wird die gesamte Öffentlichkeitsarbeit des Ökologisch-Botanischen Gartens – vor allem auch die interessanten und informativen Broschüren – bestritten. Ohne den Verein, der mittlerweile rund 330 Mitglieder zählt, „wäre das alles hier nicht zu schaffen“, sagt Aas. Sein Etat für Lehre und Forschung jedenfalls sei n den 15 Jahren, in denen er nun in Bayreuth sei, „nominell gleich geblieben“.

Für Aas ist der Ökologisch-Botanische Garten auch und vor allem ein Lernort. Allein im vergangenen Jahr haben er und seine Mitarbeiter rund 80 Schulklassen durch die Anlage geführt, viele andere lassen sind mit ihre Lehrer vor Ort gewesen, ohne eine Führung gebucht zu haben. Und für Studenten der Fachbereich Biologie, Geoökologie, Geologie und Geografie sei der ÖBG ein „ideales Freilandlaboratorium“, das letztlich die Studienbedingungen verbessere. So gesehen sieht Aas „seinen Garten“ denn auch als wichtigen Standortfaktor im härter werdenden Wettbewerb der Hochschulen um Studenten.

Die Mitarbeiter des Ökologisch-Botanischen Gartens kümmern sich natürlich auch um den Erhalt bedrohter Pflanzen. So ist es ihnen gelungen, den vom Aussterben bedrohten „Böhmischen Enzian“ erfolgreich nachzuziehen; mittlerweile werden Pflanzen aus dem Bayreuther Garten wieder am Naturstandort im Bayerischen Wald ausgebracht. Zudem sammeln und tauschen die weltweit rund 500 Botanischen Gärten und Institute seltene Pflanzenarten via Katalog aus. Schließlich verfügt der ÖBG seit dem Jahr 2001 auch über ein Herbarium, das mehr als 35.000 getrocknete und gepresste Pflanzen enthält. Auch diese Sammlung steht Wissenschaftlern aus aller Welt offen. Und in welchen Forschungsbereichen sind die männer und Frauen des Ökologischen-Botanischen Gartnes aktiv? Aas nennt zwei Beispiele. So gehen etwa Studenten angesichts des fortschreitenden Klimawandels der Frage nach, unter welchen Bedingungen exotische Baumarten hier angebaut werden könnten, wenn wichtige einheimische Arten nicht mehr länger kultivierbar sein sollten. Zum anderen übernimmt das Institut die wissenschaftliche Begleitung des Projekts „Klein-Eden“. In Kleintettau (Landkreis Kronach) soll ein 3500 Quadratmeter großes Tropenhaus mit der Abwärme einer Glashütte beheizt werden mit dem Ziel, dort Südfrüchte anzubauen – etwa Papayas oder Sternfrüchte.

Neben der wissenschaftlichen Bedeutung des Ökologisch-Botanischen Gartens könnte diese Einrichtung nach Ansicht von Aas langfristig auch der Stadt helfen, sich als „grüne Stadt“ zu positionieren: „Der Ökologisch-Botanische Garten ist eine wunderbare Ergänzung zu den bedeutenden historischen Parkanlagen der Stadt und der bemerkenswert schönen Stadtbegrünung.“ Einen Besuch ist er, sommers wie winters, allemal wert.

Öffnungszeiten

Die Außenanlagen sind von März bis Oktober montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Gewächshäuser und Ausstellung sind ganzjährig wie folgt zu besichtigen: dienstags bis donnerstags, 10 bis 15 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 16 Uhr.