Stadt Bayreuth

IM FOKUS

29.07.2014

„Orient meets Occident“: Festival Junger Künstler setzt neue Akzente

Im August wird Bayreuth einmal mehr zur Probebühne für den internationalen musikalischen Nachwuchs

von Roman Kocholl

Dass Musiker aus verschiedenen Nationen in einem Orchester miteinander musizieren, ist längst Normalität. Das Festival Junger Künstler Bayreuth versucht daher einen ganz besonderen Akzent zu setzen: Bei dem Projekt „Orient meets Occident“ vertonen Musiker aus Syrien, Jordanien, Amerika und Deutschland den Stummfilm „Son(s) of the Sheik“.

Bringen mit dem Workshop „Orient meets Occident“ arabische Musik nach Bayreuth: Intendantin Sissy Thammer (Mitte) und ihre Mitarbeiterinnen Veronika Pipkova (links) und Julika Witte.

Es ist der ureigene Auftrag des Festivals Junger Künstler, Friedensarbeit mit den Mitteln der Musik zu leisten. Als in den 1950er Jahren Musiker aus Frankreich, Polen oder Rumänien nach Bayreuth kamen, galt dies als Sensation. Nach der Öffnung der Grenzen zum einstigen Ostblock stellte sich die Frage: Was ist jetzt der Auftrag des Festivals Junger Künstler? So entstand die Idee, den Blick in Richtung Naher Osten zu richten. Und so war es erneut eine Sensation als erstmals Palästinenser beim Festival Junger Künstler teilnahmen. Der künstlerische Austausch war dabei nur ein Aspekt von vielen. Intendantin Sissy Thammer erinnert sich: Als sie einst die jungen Palästinenser nach dem tollsten Erlebnis der ersten drei Tage fragte, erhielt sie zur Antwort: „Die Fahrt vom Flughafen Nürnberg nach Bayreuth – no check-points.“ „Das hat uns sehr berührt, da hab‘ ich geheult“, sagt Thammer.

Seit dem Jahr 2003 beschäftigt sich das Festival Junger Künstler mit dem Nahe Osten. Was damals mit dem Titel „West-Eastern-Dialogue begann, trägt heute die Überschrift „Orient meets Occident“. Im Laufe der Jahre wurden Videoworkshops veranstaltet, eine „Arabische Passion“ aufgeführt und man begab sich auf „Wege zu Parsifal – auf der Suche nach dem Heiligen Gral in der Musik zwischen Orient und Okzident“.

Stummfilm mit Musik aus dem Nahen Osten

Heuer soll ein Stimmfilm vertont werden. Unter dem Motto „Amerikanischer Orientalismus trifft auf traditionelle Musik des Nahen Ostens und neue Kompositionen aus der arabischen Welt“ werden sich die Teilnehmer mit dem 1926 in Hollywood auf Zelluloid gebannten Film „Son(s) of the Sheik“ beschäftigen. Die jungen Musiker sollen dabei das westliche Bild des Orients hinterfragen, kommentieren, ironisieren und einen eigenen authentischen Klang nahöstlicher Musik dazu finden.

Der musikalische Leiter des Workshops, Vladimir Ivanoff, formuliert es so: „Die Autoren des 19. Jahrhunderts, von Byron bis Flaubert, schildern einen dunkeln und grausamen Orient, in dem sich der héro maudit verliert. Ihre orientalischen Fieberträume sind eine Flucht vor dem Ende des hochzivilisierten Europas“. Und weiter: „Die Musik des Workshops stellt der Phantasiegeburt des europäischen Exotismus ihren eigentlichen Gegenstand gegenüber. Der Orientalismus amerikanischer Prägung erhält eine neue Heimat; seine Sehnsucht nach dem Fremden wird gestillt.“

Wenn alles gut geht, wird das Festival Junger Künstler den Stummfilm mit seiner Bayreuther Filmmusik am Dienstag, 26. August, im Europasaal des Zentrums präsentieren. „Casino-Charakter“ soll der Abend haben, wie Sissy Thammer betont. Im Europasaal sollen Tänzer auftreten und es wird Essen serviert,. Die Welt der 1920er Jahre soll aufleben. Im Idealfall bilden dann westliche Moderne amerikanischer Prägung und arabische Musik eine Einheit. Teilnehmer und Zuschauer sollen voneinander lernen. Oder wie es Sissy Thammer sagt: „Interkulturelle Kompetenz ist die Kompetenz des 21. Jahrhunderts.“

 

Dieser Beitrag ist im Bayreuth Magazin 2014/2015 erschienen. Das komplette Magazin steht auf Bayreuth.de zum Download zur Verfügung