Stadt Bayreuth

IM FOKUS

07.11.2016

Parsifal-Partitur erstmals ausgestellt

In der „Schatzkammer“ in Haus Wahnfried

Das Richard Wagner Museum Bayreuth präsentiert die originale Partiturhandschrift des „Parsifal“ erstmals öffentlich in seiner „Schatzkammer“

Zwischen September 1877 und Januar 1882 komponierte Wagner sein letztes und von ihm selbst so genanntes „Weltabschiedswerk“, das „Bühnenweihfestspiel ‚Parsifal‘“, das am 26. Juli 1882 im Bayreuther Festspielhaus unter der Leitung von Hermann Levi uraufgeführt wurde.

Das Richard Wagner Museum Bayreuth präsentiert die autographe Reinschrift der Partitur, die damit aus Anlass der diesjährigen Neuproduktion des Werks bei den Bayreuther Festspielen überhaupt erstmals öffentlich ausgestellt wird, in seiner Schatzkammer im Untergeschoss des Hauses Wahnfried, neben anderen wertvollen originalen Text- und Notenhandschriften Richard Wagners zu seinem „summum opus“ (Prosaentwurf, Libretto, Kompositions- und Orchesterskizze).

Parsifal Dritte Aufzug Faksimile

346 Seiten starke Partitur

Die 346 Seiten starke Partitur ist über weite Strecken in der von Wagner während seiner letzten Lebensjahre bevorzugten violetten Tinte geschrieben. Charakteristisch ist dabei die überaus saubere und akkurate Handschrift, die es Hermann Levi erlaubte, die Uraufführung aus dem Autograph zu dirigieren, da die Drucklegung der Partitur noch ausstand.

In der Präsentation sind mit den Seiten 250 und 251 der Schluss des Zweiten und der Beginn des Dritten Aufzugs aufgeschlagen. Der Zweite Aufzug trägt als Schlussdatum den „20 Oct. 81.“ sowie die Unterschrift „RW / (Wahnfried)“. Auf der Folgeseite mit dem Beginn des Vorspiels zum Dritten Aufzug notierte Wagner oben links „Palermo / 8 Nov: 1881“. Wagner schloss die Partitur am 13. Januar 1882, genau 13 Monate vor seinem Tod, mit der an seine Frau Cosima gerichteten Widmung „Für Dich!“ ab, datierte die Vollendung des Werks aber auf den Geburtstag Cosimas am 25. Dezember 1881 zurück.

Das Werk wurde von Wagner in Kenntnis und unter Berücksichtigung der besonderen akustischen Bedingungen des Bayreuther Festspielhauses und dem typischen Mischklang des von Wagner als „mystischer Abgrund“ bezeichneten Orchestergrabens komponiert und sollte nach Wagners Willen ausschließlich hier aufgeführt werden. Der „Parsifal“ ist mithin das Werk Wagners, das als einziges als Produkt des 1876 erstmals realisierten Festspiel-Konzepts und des hierfür errichteten Festspielhauses gelten kann. Als Ausdruck und Niederschlag der kunstreligiösen Auffassungen des späten Wagner ist es aber auch in besonderer Weise mit der weltanschaulichen Indienstnahme Wagners und seines Werks durch Cosima und den „Bayreuther Kreis“ verbunden, für die die Aufführungen sakrale und gottesdienstähnliche Züge annahmen und das Festspielhaus selbst zum Gralstempel des ins Kultische übersteigerten Wagner-Mythos der Nachfahren wurde.