Stadt Bayreuth

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23.07.2010

Portraits, Samowar und Brillant-Halsband

Jean-Paul-Museum feiert 30. Geburtstag – Wertvolle Schenkung von Adele Metzner

OB Dr. Hohl bedankt sich bei Adele Metzner.Das Jean-Paul-Museum feiert in diesen Tagen seinen 30. Geburtstag. Am Vortag der Premiere der Richard-Wagner-Festspiele, am 24. Juli 1980, hat die Stadt Bayreuth das Museum im Chamberlain-Haus, Wahnfriedstraße 1, eröffnet. „Dieses 30-jährige Bestehen beweist das nachhaltige Engagement der Stadt und der Bürgerschaft für Bayreuths großen Dichter“, so Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl, der jetzt erstmals die wertvolle Schenkung von Adele Metzner – einer direkten Nachfahrin von Jean Paul – der Öffentlichkeit präsentierte.

Bei dieser Schenkung handelt es sich um mehrere äußerst wertvolle Kunstgegenstände: Ein Portrait Jean Pauls in Öl aus dem Jahr 1823; ein Kinderbildnis der Ehefrau Jean Pauls – Karoline Mayer – aus dem Jahr 1783; ein weiteres Ölportrait von Karoline – gefertigt von Ernst Förster – aus dem Jahr 1839; ein Portrait von Jean Pauls Sohn Maximilian Ernst Emanuel Richter; eine Zeichnung von Jean Pauls Enkeln Brix, Laura, Herrmann und Erwin von Ernst Förster sowie das Hochzeitsgeschenk für Jean Paul, das er von der ihn verehrenden Königin Luise von Preußen im Mai 1801 erhielt – einen silbernen Samowar mit Teekanne, zwei Leuchtern und einem silbernen Tablett – und ein kostbares Brillant-Halsband, ebenfalls ein Geschenk der Königin. „Liebe Frau Metzner, wir – die Stadt Bayreuth und das Museum – danken Ihnen ganz herzlich für diese wertvolle Schenkung. Wohl an keinem anderen Ort wären diese wunderbaren Stücke besser aufgehoben als im Bayreuther Jean-Paul-Museum“, so Dr. Hohl.

30 Jahre Jean-Paul-Museum

Die räumliche Nähe zu Richard Wagners Wohnhaus Wahnfried wurde vor 30 Jahren bewusst gewählt. Damit wollte und will die Stadt erreichen, dass der großartige Dichter Jean Paul nicht in Vergessenheit gerät. Schon 1902 hatte der berühmte Kritiker ins Gästebuch des Jean-Paul-Dichterstübchens in der Rollwenzelei geschrieben: „Vergessen dich die Deutschen heut? Du bist der Meister von Bayreuth!“ – ein Seitenhieb gegen Richard Wagner, dem Bayreuth seinen internationalen Ruf verdankt, und zugleich ein Ruf gegen das Vergessen eines so ganz anders gearteten Meisters der deutschen Sprachkunst.

In der Tat waren Leben und Werk Jean Pauls schon kurz nach seinem Tod immer wieder vom Vergessen bedroht. Die alles überragende Goethe-Verherrlichung des 19. Jahrhunderts hatte daran ebenso Anteil wie die zahlreichen Hürden, die Jean Paul dem Leser seiner umfangreichen und verzwickten Romane zu überspringen aufgibt. Gleichwohl ist der waschechte Oberfranke Jean Paul bis heute einer der wichtigsten deutschen Dichter, dessen Sprachmagie und Phantasie ihm zu Lebzeiten die Herzen einer ganzen Generation zufliegen ließ. Doch auch für die Gegenwart bleibt Jean Paul ein bedeutender Geist, dessen Sprachgenie und phantasiereiche Imaginationskraft noch immer in Erstaunen versetzen. Zugleich war Jean Paul ein Menschenfreund im besten Sinne, wie es die liebevollen Schilderungen von originalen und auch skurrilen Gestalten bestätigen. Seine Skizzen der menschlichen Charakterbildung, der Harmonie, des Friedens und der Gerechtigkeit zeigen Jean Paul als Musterfall des humanen Deutschen. Damit ist er ein würdiger Repräsentant noch heute gültiger Ideale. Jean Paul liebte seine oberfränkische Heimat und deren Landschaft, und diese Liebe geriet ihm zu den mitunter hinreißendsten Landschaftsschilderungen in der deutschen Literatur.

Der SamowarAus diesem Grund ist es der Stadt Bayreuth im Hinblick auf ihr reiches kulturelles Erbe nicht nur eine selbstverständliche Verpflichtung, sondern ein Bedürfnis, die Erinnerung an Jean Pauls Leben und Werk zu pflegen und zu würdigen. So war es mehr als eine glückliche Fügung, dass der Bayreuther Arzt Dr. Philipp Hausser (Nachfahre des letzten Vermieters von Jean Paul, des Bankiers Joseph Schwabacher, und Eigentümer des zuletzt von ihm bewohnten Hauses) ein begeisterter Anhänger Jean Pauls war und viele Jahrzehnte lang Dokumente zu Leben und Werk Jean Pauls sammelte. Auf diese Weise entstand über die Jahre hinweg die weltweit bedeutendste Privatsammlung zu Jean Paul, die Hausser seiner Heimatstadt und damit der Öffentlichkeit für ein Museum zur Verfügung stellte. Dass das Museum ausgerechnet seinen Platz in jenem Hause fand, das ursprünglich von Richard Wagners Schwiegersohn Houston Stewart Chamberlain und Wagners Tochter Eva bewohnt und so von dem Geist beherrscht wurde, der dem Nationalsozialismus und Hitler maßgeblich den Boden bereitete, ist daher keineswegs ironisch gemeint. Ganz im Gegenteil: Der Einzug des Geistes Jean Pauls in Gestalt des Museums dokumentiert wohl auf besonders beeindruckende Weise, wie das humane Denken am Ende doch über die Ideologien von Nationalchauvinismus und Herrenrasse triumphiert. So haben sich das Erbe Jean Pauls und das Vermächtnis des 2003 verstorbenen Dr. Hausser einen ganz besonderen Gedenkort zugeeignet, der nun seit 30 Jahren den Jean Paul-Freunden aus aller Welt zugänglich ist.

Vorbereitungen für 2013

2013 jährt sich nicht nur Richard Wagners 200. Geburtstag und 130. Todestag, sondern auch der 250. Geburtstag Jean Pauls. Die Stadt Bayreuth wird alles daran setzen, neben Wagner auch ihren großen Dichter Jean Paul 2013 angemessen zu feiern. Die Vorbereitungen hierzu laufen bereits jetzt auf vollen Touren, und wenn möglich, soll das Jean-Paul-Museum bis dahin neu gestaltet werden, um dann für seine Besucher noch attraktiver zu sein.

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