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Barrierefreiheit: Es bleibt viel zu tun

Behindertenbeirat diskutiert Fortschritte, aber auch Alltagsprobleme bei der Umsetzung von Barierefreiheit

25.10.12

Die Stadtführungen der BMTG für Menschen mit und ohne Behinderung sind ein gelungenes Beispiel für einen "Tourismus für alle".Der Behindertenbeirat der Stadt Bayreuth hat sich in seiner jüngsten Sitzung mit konkreten Fortschritten, aber auch nach wie vor vorhandenen Alltagsproblemen bei der Umsetzung von Barrierefreiheit im Stadtgebiet befasst.

Trotz Inklusionsdebatte ist es gesellschaftlich immer noch nicht selbstverständlich, behinderte Menschen ins öffentliche Leben einzubeziehen. Hierauf verwies der Vorsitzende des Behindertenbeirats Reinhold Richter. Er berichtete unter anderem von Klagen über Geräuschbelästigungen durch Blindenampeln und bemängelte, dass es immer noch sehr schwierig für Menschen mit Handicap sei, eine barrierefreie Wohnung zu finden. Hier sei nach wie vor ein großer Bedarf, auch in Sachen Beratung gegeben. „Inklusion bedeutet, dass es beispielsweise selbstverständlich werden muss, dass Menschen mit Behinderung in Gaststätten Essen gehen können, ohne dass andere Gäste nebenan tuscheln. Schließlich leiden im Stadtgebiet Bayreuth zehn Prozent der Menschen an einer Schwerbehinderung“, forderte Richter vehement. „Einen Kongress für behinderte Menschen in Bayreuth zu planen, ist fast unmöglich, weil keine barrierefreien Hotelzimmer vorhanden sind“, ergänzte Susanne Müller, Vorsitzende des Polio-Selbsthilfegruppe.

Positiv bewertete Richter in diesem Zusammenhang die Anstrengungen der Bayreuther Marketing und Tourismus GmbH (BMTG), die sich in Zusammenarbeit mit der kommunalen Behindertenbeauftragten Bettina Wurzel des Themas „Tourismus für alle“ annimmt. Beispielgebend ist nach Einschätzung von Verkehrsdirektor Jan Kempgens im Bereich barrierefreier Stadtführungen das BMTG-Engagement in Sachen Fortbildung von Gästeführern. Die BMTG setze auf eine gute Zusammenarbeit mit Menschen mit Handicap, so Kempgens. Ein gutes Beispiel hierfür sei auch der Tag für Menschen mit und ohne Behinderung beim Bayreuther Volksfest, der bereits zum 4. Mal erfolgreich stattfand und mittlerweile fast 1.000 Besucher zählt. Wie die städtische Behindertenbeauftragte Bettina Wurzel ergänzte, wurde Bayreuth für die erfolgreiche Umsetzung der Barrierefreiheit in diesem Jahr von der Stiftung „Lebendige Stadt“ und dem Bundesfamilienministerium im Wettbewerb „barrierefreie Stadt“ als beispielgebend gewürdigt.

Der Behindertenbeirat befasst sich auch mit der Arbeit der Polio-Selbsthilfe, einer Interessensgemeinschaft von Menschen mit Spätfolgen der Kinderlähmung. Susanne Müller, Vorsitzende der Gruppe, stellte deren vielfältige Aktivitäten von der Freizeitgestaltung bis zum Veranstalten großer Kongresse vor. Sie rief dazu auf, nicht „impfmüde“ zu werden. „Kein Kind soll mehr an Kinderlähmung erkranken, deswegen ist eine hohe Impfrate dringend erforderlich“, betonte die selbst von der Krankheit betroffene Leiterin der Polio-Selbsthilfe.