Kontakt:
Moritzhöfen 25
Tel.: 09 21/1 50 72 00 oder
09 21/76 40 10 (Verwaltung Histor. Museum)
Träger: Stadt Bayreuth
Leitung: Dr. Sylvia Habermann
Öffnungszeiten
Di. - Fr. 10 - 14 Uhr
Sa./So. 13 - 16 Uhr
(15. Dezember bis 6. Januar geschlossen)
Eintritt: frei
Zur Erinnerung an den Gewerkschaftsführer und Widerstandskämpfer Wilhelm Leuschner (1890 - 1944) hat die Stadt Bayreuth im Jahr 2003 in Leuschners Geburtshaus eine Gedenkstätte
eingerichtet. Das 1878 als Mietshaus mit Kleinwohnungen errichtete Gebäude war nach langer baulicher Vernachlässigung 2002/2003 von den neuen Eigentümern grundlegend saniert
worden.
Wilhelm Leuschner wurde hier am 15. Juni 1890 als Sohn einer Näherin und eines Hafners/Ofensetzers geboren. Er wuchs in Bayreuth auf und absolvierte nach der Schulzeit die Lehre bei einem
Holzschnitzer in der Richard-Wagner-Straße. Im Jahr 1908 übersiedelte er nach Darmstadt, wo sich ihm bessere berufliche Aussichten boten. Bald engagierte er sich gewerkschaftlich,
nachdem er schon in Bayreuth enge Kontakte zur Arbeiterbewegung geknüpft hatte.
Im Ersten Weltkrieg war er bei einem technischen Messtrupp eingesetzt. 1919 begann mit der Wahl zum Stadtverordneten in Darmstadt Leuschners politische Karriere, die 1928 in seiner Ernennung zum
hessischen Innenminister gipfelte. Schon damals warnte er konsequent und weitsichtig vor den Gefahren des stärker werdenden Nationalsozialismus. Nach der Machtübernahme Hitlers lebte
Leuschner, inzwischen nach Berlin übergesiedelt, unter ständiger Beobachtung und Bedrohung. Er wurde mehrfach inhaftiert. Zusammen mit seinem Schwiegersohn betrieb er in Berlin eine
kleine Firma, die bald zum Treffpunkt und zur Verbindungsstelle für NS-Gegner vor allem aus der SPD und den Gewerkschaften wurde.
Ab 1942 hatte Leuschner Kontakte zu Widerstandsgruppen aus anderen gesellschaftlichen Schichten, vor allem zum Kreisauer Kreis und zur Gruppe von Carl Friedrich Goerdeler. Nach dem gescheiterten
Attentat vom 20. Juli 1944 wurde auch Leuschner, der als Vizekanzler für ein künftiges Kabinett "nach Hitler" vorgesehen war, festgenommen und nach der Verurteilung durch den
Volksgerichtshof am 29. September 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.
Die Gedenkstätte zeigt im Erdgeschoss die Stationen von Leuschners Leben in Bayreuth, Darmstadt und Berlin. Ein Video mit Filmdokumenten und mit Aufnahmen von den originalen
Schauplätzen verdeutlicht sein Leben von 1933 bis 1944 unter ständiger Bedrohung durch die Nationalsozialisten und seine Verbindungen zu anderen Gruppen des Widerstandes.
Die im gleichen Gebäude ansässige Wilhelm-Leuschner-Stiftung bietet ergänzend Führungen, Unterrichtsbegleitung für Schulklassen und andere themenbezogene Veranstaltungen
an. Sie verfügt über ein eigenes Archiv und zwei Seminarräume.
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