Stadt Bayreuth

22.07.2011

Schrittmacher für die Region

Bayreuth entwickelt sich zum Technologiestandort

Beim Turbinenschaufel-Hersteller AAT wird mit hohen Temperaturen gearbeitet.Bayreuth entwickelt sich dank der Universität, außeruniversitärer Forschungseinrichtungen und Hightech-Unternehmen, die aus diesem Dunstkreis hervorgehen, mehr und mehr zu einem Technologiestandort. Die geplante Technologieachse als Verbindung von Campus und Technologiehügel in Wolfsbach soll diese Entwicklung künftig noch weiter vorantreiben.

Dass die umstrittenen Empfehlungen des Zukunftsrats der bayerischen Staatsregierung, künftig nur noch Metropolen und ihr Umland strukturpolitisch kräftig zu fördern, angesichts dessen auch im Bayreuther Rathaus auf Unverständnis und Missfallen gestoßen sind, ist kein Wunder. Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl setzte dem die Forderung entgegen, Bayreuth müsse zu einem Leistungszentrum ausgebaut werden. Und die Voraussetzungen dafür liegen nun mal unter anderem in der guten Entwicklung der Universität und ihres Umfeldes, etwa des Kompetenzzentrums Neue Materialien oder der beiden Fraunhofer-Projektgruppen.

„Bayreuth braucht sich hinter anderen bayerischen Uni-Standorten beileibe nicht mehr zu verstecken“, sagt Günter Finzel. Dem Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung geht es vor allem auch um die immer besser werdende Vernetzung von Lehre, Forschung und Wirtschaft, wobei die Uni als Motor agiere. Sie biete einen technisch-naturwissenschaftlichen Ansatz für ganz Oberfranken. Die geplante Technologieachse sowie ein Technologiezentrum sollen dabei die Möglichkeit für Wachstum eröffnen. Nötig ist das, denn die Uni stößt auf dem Campus zumindest teilweise bereits an Grenzen und das Kompetenzzentrum Neue Materialen (NMB) in Wolfsbach sowie das ebenfalls dort untergebrachte Gründerzentrum platzen im zehnten Jahr des Bestehens bereits aus allen Nähten. Eine – positive – Folge sind mehrere Firmenausgründungen. So hat sich zum Beispiel mit dem Hersteller von Turbinenschaufeln, AAT, ein absolutes Hightech-Unternehmen in unmittelbarer Nachbarschaft zu den NMB angesiedelt.

Wichtig ist aber auch, dass die Unternehmen der Region den Wert dieser Angebote erkennen. Und da sei man auf einem guten Weg, so Finzel. Immer mehr Firmen nutzten die entsprechenden Möglichkeiten, die Uni selber nehme zunehmend auch eine Rolle als Dienstleister der Wirtschaft ein. Über eine Zusammenarbeit mit Hochschule, NMB oder den Fraunhofer-Projektgruppen werde zum Beispiel auch kleineren Unternehmen die Möglichkeit eröffnet, Innovationen zu entwickeln. Alleine wären sie dazu kaum in der Lage. Mittlerweile gebe es da ein eingespieltes Miteinander.

Ein weiteres Beispiel sind die im Kompetenzzentrum in Wolfsbach angesiedelten Netzwerke – das überaus erfolgreiche Kunststoffnetzwerk Franken, das Automobilnetzwerk OfraCar und seit Neuestem ein Energienetzwerk, das vor allem auch Sparpotenziale ausloten und bei der Umsetzung helfen soll. Ein topaktuelles Thema, das sich für die beteiligten Unternehmen schnell auch in barer Münze auszahlen kann. Entsprechend ist der Zulauf. Alles Belege dafür, dass in Bayreuth Top-Wissen zur Verfügung steht, so Finzel. „Wir haben die Rolle als Schrittmacher für die Entwicklung der Region übernommen“, sagt der Wirtschaftsförderer. Nach einem nötigen Aufholprozess stoße der Technologiestandort mittlerweile in Sphären vor, die sonst größeren Metropolen vorbehalten sind. Die Stadt sei unter anderem gefordert, dabei eine aktive Rolle als Mittler zwischen Forschung und Wirtschaft einzunehmen, zugleich die planerischen Voraussetzungen zu schaffen und damit die gewünschte Entwicklung weiter anzuschieben. Dabei gehe es oft auch um ständige Kleinarbeit. „Nur darauf zu warten, dass ein Unternehmen anklopft, und dem dann ein Grundstück anzubieten – das reicht heute schon lange nicht mehr“, sagt Finzel: „Die Angebote, die Bayreuth heute machen kann, eröffnen die Chance, hochqualifizierte Arbeitsplätze hier zu halten und neue zu schaffen.“ Und damit noch mehr zu einem Technologiestandort zu werden.