Stadt Bayreuth

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09.11.2009

Schwejks Abenteuer in der Stadthalle

Unter dem Motto „Lieber blöd als tot“ entlarvt der einfache Soldat den Krieg als Absurdität

Der Bayreuther Theaterherbst präsentiert die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk„Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk“ stehen am Montag, 30. November, um 20 Uhr, in der Bayreuther Stadthalle auf dem Spielplan des diesjährigen Theaterherbstes. Unter dem Motto „Lieber blöd als tot“ entlarvt der einfache Bursche den Krieg als Absurdität.

Der witzige und spritzige Text nach dem Roman von Jaroslav Hašek in der Bearbeitung von Max Brod und Hans Reimann wird abgerundet durch die Liedtexte von Peter Ensikat.

„Es gibt in der Weltliteratur Helden, die ihren Büchern entstiegen sind, sich mitten unter den Menschen angesiedelt haben und ihr eigenes Leben führen, unabhängig von ihrem Autor und dessen Sujet. Alles was dafür nötig ist, haben sie: einen eigenen Charakter, ein unverwechselbares Äußeres, eine eigene Art zu denken und zu handeln.“, schreibt der russische Autor Daniil Granin in der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ über die von Jaroslav Hašek geschaffene Figur des Schwejk und stellt den Prager Hundehändler in eine Reihe mit Don Quijote, den drei Musketieren, Hamlet, Faust und Oblomov.

Zur Uraufführung, die 1928 unter Erwin Piscators Regie stattfand, entwarf George Grosz das Bühnenbild. Der Stoff wurde für das deutsche Kino zwei Mal verfilmt: 1960 mit Heinz Rühmann, drei Jahre später mit Peter Alexander. Unvergessen ist vielen auch die 1967 entstandene Fernsehserie mit Fritz Muliar.

Schwejk (Walter Plathe), der schlitzohrige Söldner, führt mit subversiver Dümmlichkeit und raffiniert gespielter Hilflosigkeit inmitten der Wirren des Ersten Weltkrieges seinen ganz persönlichen Krieg gegen die Bürokratie und den Militarismus der österreichisch-ungarischen K. u. K.-Monarchie. Schwejks Blödheit ist amtsärztlich attestiert, er wird jedoch im Krieg trotzdem dem Oberstleutnant Lukasch als Bursche zugeteilt. Alle ihm aufgetragenen Aufgaben erfüllt Schwejk eifrig und über Gebühr und führt damit ihre Sinnhaftigkeit ad absurdum. Er ist ein Meister darin, sich dumm zu stellen und freut sich darüber, dass Lukasch ihn für einen Idioten hält, denn nur deswegen kann er sagen, was er will. Dauernd fällt ihm eine Anekdote ein, mit der er die ganze Lächerlichkeit des Patriotismus und Militarismus bloßstellen kann. Mit zahlreichen „Beispielen“ entlarvt er die Dummheit der Vorgesetzten und deren patriotische Phrasen. Mit Witz und Phantasie gewinnt der „kleine Mann“ gegen die „Herren“ und rettet sich mit seinem Humor über das Chaos des Krieges.

Dass Walter Plathe den Hundehändler Schwejk spielt, ist schon in seiner Biographie angelegt. Der gebürtige Berliner lernte nämlich nach der Schule Fachverkäufer für Zoologie, entschied sich aber 1968 dazu, Schauspieler zu werden. 1981 wurde er festes Mitglied des Deutschen Fernsehfunks. Millionen Fernsehzuschauern ist er als „Landarzt“ in der gleichnamigen ZDF-Serie ans Herz gewachsen. 2002 begeisterte er das Publikum am Kurfürstendamm in „Kohlenpaul“.

Karten gibt’s bei der Theaterkasse

Die Aufführung beginnt um 20 Uhr im Großen Haus der Stadthalle. Karten gibt es an der Theaterkasse, Luitpoldplatz 9. Sie ist montags bis freitags, von 9 bis 18 Uhr; samstags, von 9 bis 14 Uhr, geöffnet; Telefon: 09 21/6 90 01; Fax 09 21/2 20 42; e-mail: info@kurier-tickets.de.