Stadt Bayreuth

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16.07.2007

Singender Lotus

Singender LotusZum ersten Mal seit der Eröffnung des Richard-Wagner-Museums im Haus Wahnfried 1976 wird der Wahnfried-Park zum Ausstellungsort. Während der diesjährigen Bayreuther Festspiele findet hier die Installation und Performance „Singender Lotus“ der beiden in München lebenden koreanischen Künstler Hyon-Soo Kim und E. Byok-Song Woo statt, die erstmalig im Münchner Museum Villa Stuck im Rahmen der Ausstellungsreihe 0606 präsentiert wurde.

Die überdimensionale Lotusblüte symbolisiert dabei die interkulturelle Annäherung zwischen der asiatischen und europäischen Geisteswelt. Der Lotus repräsentiert im Buddhismus und Hinduismus die Ideen der Schöpfung, der Rein-heit und der geistigen Offenbarung. Im Unterschied zu den meisten Pflanzen blüht der Lotus, wenn seine Früchte reif sind; Ursache und Wirkung fallen hier also gleichsam zusammen. Aus diesem Grund ist die Lotusblüte im Buddhismus Ausdruck für die Gleichzeitigkeit von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Schon in der griechischen Antike wurde der Lotus als Sonnensymbol verehrt, in Ägypten stand er für die Wiedergeburt und das ewige Leben.

Die Lotus-Skulptur von Hyon-Soo Kim mit einem Durchmesser von über fünf Metern und einer Höhe von mehr als zwei Metern soll im Park des Hauses Wahnfried zur Meditation über diese Symbolik einladen.

Während der diesjährigen Bayreuther Festspiele wird dieses meditative Moment darüber hinaus insgesamt 16 Mal, jeweils zur symbolischen Mittagsstunde um 12 Uhr, zum Rahmen einer interkulturellen Performance: Hyon-Soo Kim und E. Byok-Song Woo vollziehen gemeinsam mit den Besuchern das buddhistische Ritual der 108 Verbeugungen. Die Zahl 108 steht in der asiatischen Welt für die 108 Leidenschaften und Qualen. Das Ritual erfolgt schweigend und dauert zwischen 20 und 30 Minuten. Dabei soll die Idee der Reinheit spirituell aufgenommen und auf die Teilnehmer des Lotusblüten-Rituals übertragen werden. Die Künstler beschreiben das Ritual als „innere Reise in ein Land, in dem das Ich nicht mehr existiert.“

Für das Denken Richard Wagners spielten nicht nur die asiatischen Religionen ganz allgemein eine bedeutende Rolle, sondern gerade auch die Durchbrechung der Grenzen von Zeitlichkeit und Zeitempfinden ist ein ästhetisches Prinzip seiner Werke. So beschließt E. Byok-Song Woo die Stille der rituellen Verinnerlichung am Ende der Performance mit der Klage des Amfortas aus „Parsifal“ oder Wolframs Preislied aus „Tannhäuser“. So stehen sich in Installation und Performance meditative Andacht und künstlerische Offenbarung gegenüber. Das Motiv der Pilgerschaft in Wagners „Tannhäuser“ und der Gralssuche im „Parsifal“ korrespondieren mit der inneren Reise der Performance-Teilnehmer während der 108 Verbeugungen.

Termine für die Performance: Premiere am Mittwoch, 25. Juli, um 12 Uhr. Weitere Termine: 28. Juli sowie 1., 3., 6., 10., 13., 18., 21. und 25. August, jeweils um 12 Uhr. Bequeme Kleidung ist bei der Performance von Vorteil!