Stadt Bayreuth

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31.07.2006

Sonderausstellung im Markgräflichen Opernhaus

Richard-Wagner-Museum und Bayreuther Festspiele präsentieren 130 Jahre Ring in Bayreuth in Skizzen, Entwürfen und Figurinen

Der Ring des NibelungenDas Richard Wagner-Museum Bayreuth zeigt zusammen mit den Bayreuther Festspielen während der diesjährigen Festspielzeit (25. Juli bis 28. August) im Markgräflichen Opernhaus die Sonderausstellung “Der ‘Ring’ – Die Szene als Modell”.

Vor genau 130 Jahren fanden in Bayreuth die ersten Richard-Wagner-Festspiele statt: In dem eigens hierfür errichteten Festspielhaus kam es zur Uraufführung von Wagners Bühnenfestspiel “Der Ring des Nibelungen”. 2006 steht eine Neuinszenierung der Tetralogie auf dem Spielplan der Bayreuther Festspiele.

Aus diesem Anlass veranstalten die Bayreuther Festspiele und das Richard-Wagner-Museum in Zusammenarbeit mit der Schloss- und Gartenverwaltung Bayreuth-Eremitage sowie mit Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland und der Bayerischen HypoVereinsbank während der diesjährigen Festspielzeit eine Sonderausstellung zum “Ring des Nibelungen” im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth.

Das historische Markgräfliche Opernhaus ist als Ausstellungsort mit Bedacht gewählt worden. Nicht nur seine repräsentativen Räumlichkeiten erscheinen für solch einen Zweck reizvoll, sondern auch der Umstand, eine Theaterausstellung in einem Theater anzubieten. So bildet die Bühne als zentraler Raum jedes Theaters auch den Mittelpunkt der Ausstellung. Vor allem aber repräsentiert das Opernhaus gleichsam den Beginn der Realisierung von Richard Wagners Festspiel-Idee: dieses Theater bewog ihn überhaupt zu einer Inspektionsreise nach Bayreuth, und hier fand an seinem 59. Geburtstag, dem 22. Mai 1872, auch die Feier zur Grundsteinlegung des Festspielhauses statt, bei der er eine Aufführung der 9. Symphonie von Beethoven dirigierte.

Die Ausstellung

Die Ausstellung zeigt 130 Jahre “Ring” in Bayreuth in Skizzen, Entwürfen, Figurinen, Requisiten und Bühnenbildmodellen. Der Besucher erlebt das Werden und den Wandel der Bilder durch die Zeitläufe und die ästhetische Entwicklung. Die Dokumentation der rezeptions- und wirkungsgeschichtlich so bedeutenden Aufführungsgeschichte des zentralen Festspielwerks wird dabei eingebettet in symbolische Anspielungen auf den jeweiligen zeitgeschichtlichen Kontext. Der “Ring des Nibelungen” auf der Bühne des Bayreuther Festspielhauses von 1876 bis heute erscheint auf diese Weise sowohl im Modell wie auch als Modell seines jeweiligen zeitgeschichtlichen ästhetischen und politischen Hintergrunds.

Gleich zum Auftakt der Ausstellung erlebt der Besucher eine kunsthistorische Sensation! Richard Wagners szenische Visionen des “Ring” erhielten erstmals konkrete Gestalt in den Skizzen und Entwürfen des Wiener Landschaftsmalers Joseph Hoffmann (1831-1904). Diese wurden zwar als Schwarz-Weiß-Fotografien publiziert und damit zu Ikonen der Wagner-Aufführungsgeschichte, doch die farbigen, in Öl ausgeführten Originale galten bis vor kurzem als verschollen. Sie konnten jedoch ausfindig gemacht und für das Richard-Wagner-Museum erworben werden. In dieser Ausstellung werden sie zum ersten Male überhaupt öffentlich präsentiert! Damit ist erst heute eine Vorstellung von der beabsichtigten Farbgestaltung des Uraufführungs-Rings möglich!

Im anschließenden Raum wird gezeigt, wie die zweidimensional entworfene Bild-Idee schließlich in die konkrete Bühnenrealität umgesetzt wird. Hier finden sich vor allem die Entwürfe der Gebrüder Max und Gotthold Brückner. Wagner hatte diese mit der Ausführung der Dekorationen beauftragt, nachdem sich Wagner im Herbst 1874 von dem eigensinnigen Hoffmann getrennt hatte, der weder die Fähigkeit noch ein Atelier und damit die technischen Möglichkeiten besaß, seine Entwürfe auf Theaterprospekten zu Bühnenbildern umzusetzen. Aber auch die Kostüm-Figurinen von Carl Emil Doepler von 1876 sowie Hans Thomas und Arpad Schmidhammer von 1896 sind zu sehen sowie weitere Dokumente zum Bühnenbild dieses ersten Bayreuther Rings.

Schlusspunkt auf der Bühne des Opernhauses

Den Schlusspunkt findet die Ausstellung über die Ring-Bühne der Bayreuther Festspiele auf der Bühne des Markgräflichen Opernhauses. Hier schließt sich sinnbildlich der Ring der Bayreuther Ringe im Wandel der Zeiten im exemplarischen Vergleich des „Walkürenfelsens“ als herausgehobenem Schauplatz. Neben den Bühnenbildmodellen aus allen Epochen der Bayreuther Festspiele finden sich originale Bühnenbildteile und Requisiten, die hier nahezu alle erstmals als Exponate präsentiert werden. In ihrem jeweiligen historisch-politischen Kontext erscheinen die Artefakte aus 130 Jahren Festspielgeschichte wie ein Kommentar zu ihrer Zeit.

Möglich wurde diese Ausstellung erst mit der Restaurierung der Bühnenbildmodellsammlung des Richard-Wagner-Museums in den vergangenen vier Jahren. Diese wurde von 1930 bis 1970 aus den Nachlässen der ehemaligen Bayreuther Bühnenbildner zusammengetragen. Den Schwerpunkt der Sammlung bilden die in der Zeit von 1886 bis 1912 für die Bayreuther Festspiele hergestellten Bühnenbild-Modelle aus dem seinerzeit berühmten Coburger Atelier für Theaterdekoration der Gebrüder Brückner. Nachdem in diesem Jahr das umfangreiche Restaurierungsprojekt mit einem Volumen von rund 215.000 Euro abgeschlossen werden konnte, wird im Vestibül auch die Restaurierung an einigen exemplarischen Modellen gezeigt.

Begleitend zur Ausstellung erscheint im Deutschen Kunstverlag und mit Unterstützung der Oberfrankenstiftung sowie dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege eine Begleitbroschüre mit zahlreichen Abbildungen.

Info: “Der Ring des Nibelungen – Die Szene als Modell” – Bayreuther Festspiele von 1876 bis 2000; Sonderausstellung vom 25. Juli bis 28. August 2006 im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth; geöffnet täglich 9 – 18 Uhr.