Stadt Bayreuth

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31.07.2006

Stadtbibliothek zeigt Max Stirner-Ausstellung

Logo StadtbibliothekDie Stadtbibliothek Bayreuth zeigt ab Dienstag, 1. August, für einen Monat in ihrem Ausstellungsraum am Luitpoldplatz 7 die Ausstellung „Max Stirner: der vergessene ‚große Sohn‘ und sein heimlicher Hit!“. Mit ihr soll vor dem Hintergrund von Stirners 200. Geburtstag und 150. Todestag Leben und Werk des Bayreuther Philosophen gewürdigt werden.

Noch keine 40 Jahre ist es her, als an der Ekce Maximilianstraße/Brautgasse gegenüber dem Alten Rathaus, eine gemütliche Gaststätte ihr Domizil hatte. Ihr Name „Stirnerhaus“ wies darauf hin, dass in jenem Haus am 25. Oktober 1806 der Sohn eines Instrumentenmachers namens Johann Caspar Schmidt geboren wurde, der später unter dem Pseudonym „Max Stirner“ der Stadt Bayreuth zu mehr als nur einer Fußnote in den philosophischen Lehrbüchern verhalf. Der einstige Absolvent des Gymnasiums Christian-Ernestinum schuf die Maßstäbe setzenden deutschen Übertragungen der Hauptwerke der bedeutenden Volkswirtschaftler Adam Smith und Jean Baptist Say. Er zählte zu den bedeutendsten Publizisten der „Vormärzzeit“ im Vorfeld der Revolte von 1848/49 – und er schuf mit seinem 1844 veröffentlichten großen Manifest einer bewussten Individualität „Der Einzige und sein Eigentum“ einen seit über anderthalb Jahrhunderten kontrovers diskutierten „heimlichen Hit“ der Geistesgeschichte.#

In Bayreuth in Vergessenheit geraten

All dies bewahrte Stirner, der am 25. Juni 1856 in Berlin starb, aber nicht davor, in seiner alten Heimat in Vergessenheit zu geraten. Es ist nicht viel, was heute in Bayreuth an einen der größten Söhne der Stadt erinnert. Immerhin: Nach dem Ende der NS-Diktatur 1945 widmeten Bayreuths Stadtväter Stirner, der wie kaum ein anderer die Feder gegen Totalitarismus, Vermassung, aber auch gegen einen blinden, kulturverachtenden Destruktivismus geführt hatte, eine Straße in der Nachbarschaft des Röhrenseeparks. Und die Gedenktafel, die der anarchistische Schriftsteller und Stirner-Biograph John Henry Mackay 1907 am Geburtshaus des Philosophen anbringen ließ, fand erfreulicherweise auch am Nachfolgebau des 1971 abgerissenen „Stirnerhauses“ einen Platz.

Trotzdem steckt wohl mehr als nur ein Körnchen Wahrheit in dem vom Karlheinz Deschner überlieferten „bitteren Kennwort“: „Mit Wagner verbindet Bayreuth der Geldsack, an Jean Paul erinnert es sich noch, an Stirner nie.“ Den 200. Geburtstag und 150. Todestag des Individualistern nehmen das „Max-Stirner-Archiv“ zu Leipzig und die „Max-Stirner-Gesellschaft“ gemeinsam mit der Stadtbibliothek daher zum Anlass, diesem Defizit etwas abzuhelfen. Bis zum 2. September bietet die Ausstellung in der Stadtbibliothek die Gelegenheit, den eigenwilligen und sensiblen Einzelgänger kennen zu lernen.

Vielfältige Nachwirkungen des Stirner’schen Gedankenguts

Breiter Raum wird dabei auch den vielfäkltigen Nachwirkzungen gewidmet, die Stirners Werk hatte. Spuren Stirner’schen Gedankengutes finden sich bei Nietzsche und den Existentialisten, bei Dostojewki und Traven, bei Arno Holz und Oskar Maria Graf. Richard Wagner war in seiner Jugend, Ernst Jünger auf seine alten Tage Stirner-Verehrer!  Und wer weiß schon, dass die kurzlebige „erste Münchner Räterepublik“ (7. bis 13. April 1919) von Anhängern eines von Stirner beeinflussten „individualistischen Anarchismus“ geprägt wurde?

Umrahmt wird die von der Sparkasse Bayreuth großzügig geförderte Ausstellung durch mehrere Lesungen unter anderem aus dem Stirner-Roman „Die Sonne hat keinen Eigentümer“ (geschrieben von der in Turin lebenden Autorin Sabine Scholz) und aus Stirners Hauptwerk „Der Einzige und sein Eigentum“. Vorgestellt wird auch der „Stirner-in-Bayreuth“-Stadtführer von Paul Jorden. 

Außer in Bayreuth wird die Ausstellung im Oktober auch in Berlin zu sehen sein – parallel zu einem wissenschaftlichen Symposion über Max Stirner an der Humboldt-Universität. Sie ist zu sehen zu den üblichen Öffnungszeiten der Stadtbibliothek (montags 10 bis 13 Uhr, dienstags und donnerstags 10 bis 19 Uhr, mittwochs und freitags 10 bis 18 Uhr, samstags 10 bis 13 Uhr).