Stadt Bayreuth

29.08.2011

Technologie-Roadmap Oberfranken

An der Universität Bayreuth ist ein Projekt gestartet, das zukunftsweisende Strategien für Oberfrankens verarbeitende Unternehmen entwickeln will

Übergabe des Förderbescheids zur Technologie-Roadmap Oberfranken: Dr. Roland Mertz (li.), Bayerisches Statsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, und Dr. Stefan Freiberger, Universität Bayreuth.Zukunftsweisende Strategien für verarbeitende Unternehmen in Oberfranken zu entwickeln und auf den Weg zu bringen – dies ist das Kernziel des Projekts „Technologie-Roadmap Oberfranken“, das vor kurzem an der Universität Bayreuth gestartet ist.

Unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Rolf Steinhilper arbeiten der Lehrstuhl Umweltgerechte Produktionstechnik und die Fraunhofer-Projektgruppe Prozessinnovation eng zusammen, um die Wettbewerbsfähigkeit des verarbeitenden Gewerbes in Oberfranken nachhaltig zu stärken. Das Projekt wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie mit rund 1,1 Mio. Euro gefördert und hat eine Laufzeit von dreieinhalb Jahren.

Schwierige Marktbedingungen, starke Entwicklungspotenziale: Oberfrankens Unternehmen „in der Mitte Europas“

Die verarbeitenden Betriebe in Oberfranken sind, mehr als in anderen Wirtschaftsregionen Deutschlands, einem ständigen Wandel der Marktbedingungen ausgesetzt. Das liegt an ihrer überwiegend klein- und mittelständischen Struktur, vor allem aber an ihrer exponierten geographischen Lage. In direkter Nachbarschaft zu den mittel- und osteuropäischen Ländern, die teilweise ein erhebliches Wirtschaftswachstum aufweisen, muss sich das verarbeitende Gewerbe in Oberfranken einer zunehmend harten internationalen Konkurrenz stellen. In einigen Wirtschaftszweigen – wie beispielweise der Textil- und der Keramikbranche, die einst die Unternehmensstrukturen Oberfrankens prägten – drückt sich diese Entwicklung in rückläufigen Beschäftigungszahlen aus.

Doch gerade der Standort „in der Mitte Europas“ und die sich immer wieder ändernde Marktsituation enthalten auch starke Entwicklungspotenziale. Das Projekt „Technologie-Roadmap Oberfranken“ will deshalb die verarbeitenden Betriebe in die Lage versetzen, diese Chancen offensiv zu nutzen. Hierfür sind neue und innovative Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsstrategien erforderlich. Unter diesen Aspekten wollen die Projektmitarbeiter gemeinsam mit den Unternehmen tragfähige Zukunftskonzepte entwickeln. So soll für jede große Branche der oberfränkischen Wirtschaft ein Leitfaden entstehen, der darauf abzielt, die Innovationskraft, die Flexibilität und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu stärken.

Der Lehrstuhl Umweltgerechte Produktionstechnik der Universität Bayreuth und die Fraunhofer-Projektgruppe Prozessinnovation können bei diesem Vorhaben auf umfassende Erfahrungen zurückgreifen, die sie in mehr als 70 erfolgreichen Industrie- und Forschungsprojekten mit kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gewinnen konnten. Dr.-Ing. Stefan Freiberger, Dipl.-Ing. Stefan Slawik und Martin Süchting haben die Federführung für die „Technologie-Roadmap Oberfranken“ übernommen.

Von der Datenerhebung bis zu Industrieforen: Stationen auf dem Weg zur Technologie-Roadmap

Das Projekt startet mit einer breit angelegten Rundfrage, die darauf ausgerichtet ist, ein genaueres Bild über Produkte, Fertigungsverfahren und Innovationspotenziale oberfränkischer Unternehmen zu gewinnen. Das Bayreuther Projektteam wird dabei gezielt solche Daten ermitteln, die sich in Forschung und Praxis als unabdingbar für erfolgreiche Technologie-Roadmaps erwiesen haben. Die Erhebungsbögen werden an ca. 2.000 Unternehmen in Oberfranken versandt und auch im Internet zur Verfügung gestellt, so dass alle interessierten Unternehmen teilnehmen können. Zusätzlich werden allgemeine Daten für die fünf wichtigsten Branchen des verarbeitenden Gewerbes Oberfrankens erhoben: Metall (inkl. Maschinenbau), Kunststoff, Glas/Keramik, Möbel/Holzverarbeitung und Textil.

Alle Ergebnisse werden anschließend im Detail ausgewertet. Sie werden auf der Grundlage bewährter Analyseverfahren so zusammengeführt, dass sich daraus konkrete Entwicklungsmöglichkeiten für die fünf Branchen ableiten lassen. Zudem veranstalten die Bayreuther Projektmitarbeiter branchenbezogene Industrieforen, um im Dialog von Wissenschaft und Wirtschaft besonders vielversprechende Perspektiven für das verarbeitende Gewerbe in Oberfranken herauszuarbeiten. Für jede der fünf betrachteten Branchen soll dabei eine Vielzahl möglicher neuer Produkte und Fertigungsverfahren identifiziert werden. Damit die oberfränkischen Unternehmen sich von vornherein und regelmäßig in diese Gesprächs- und Entwicklungsprozesse einbringen können, veranstaltet das Projektteam in verschiedenen Regionen Oberfrankens sog. „Roadmap-Workshops“. Zudem sollen neue Internet-Plattformen den Betrieben die Möglichkeit bieten, in einen Austausch untereinander zu treten und sich – beispielsweise in Form eines „Branchenforum Holzverarbeitung Oberfranken“ – noch stärker zu vernetzen.

Keine Geheimsache: Die öffentliche Kommunikation der Projektergebnisse

Die „Technologie-Roadmap Oberfranken“ wird alle Ergebnisse übersichtlich zusammenfassen. Sie wird für jede Branche konkrete Handlungsempfehlungen und Leitfäden für deren praktische Umsetzung enthalten. Projektkoordinator Dr.-Ing. Stefan Freiberger denkt bereits jetzt an eine möglichst breit angelegte Kommunikation: „Alle interessierten Unternehmen sollen auf die Projektergebnisse zugreifen können. Deshalb wird die fertige Roadmap allen teilnehmenden Unternehmen zugesendet, über die regionale Presse und im Internet veröffentlicht sowie über die oberfränkischen Wirtschaftskammern verbreitet. Unser Ziel ist es, dass die ‚Technologie-Roadmap Oberfranken’ einen großen Beitrag zur Weiterentwicklung der Region Oberfranken leistet.“

Ansprechpartner für weitere Informationen:
Universität Bayreuth
Lehrstuhl Umweltgerechte Produktionstechnik
Fraunhofer-Projektgruppe Prozessinnovation
95440 Bayreuth
Tel.: +49 (0) 921 / 55-7324
E-Mail: Stefan.Freiberger@uni-bayreuth.de 

Quelle: Universität Bayreuth