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Die Entwurfsplanungen

Am 19.12.2012 wurde im Stadtrat die Entwurfsplanung für das Landesgartenschauareal in der Oberen Mainaue behandelt.

Der Entwurf zur Freianlagenplanung für das Kerngebiet der Landesgartenschau wurde von Frau Hahn vom Büro Hahn, Hertling, von Hantelmann (Berlin) vorgestellt.
Die Gesamtplanung dieses Büros sieht als spezielle Bausteine einen Wasserspielplatz und ein Gastronomiegebäude vor.
Die Planung für den Wasserspielplatz präsentierte Herr Fauck vom Büro Rehwaldt (Dresden), den Entwurf für das Gastronomiegebäude im Kulturkabinett stellte Frau Schwarzmeier vom Büro Horstmann & Partner (Bayreuth) vor.
Den Entwurfsplanungen der drei Planungsbüros stimmte der Stadtrat - entsprechend der Empfehlung des Landesgartenschau-Aufsichtsrates - einstimmig zu; auf dieser Basis wird die Planung nunmehr weiter bearbeitet.
In der nachfolgenden Ausführungsplanung können noch kleine Änderungen gegenüber der vorliegenden Entwurfsplanung erfolgen.
schematischer Übersichtsplan Landesgartenschaugelände 
Nähere textliche Erläuterungen zur Entwurfsplanung mit ihren einzelnen Bestandteilen:   

         

Erläuterungen zur Entwurfsplanung

In der Entwurfsplanung des Architekturbüros Hahn, Hertling, von Hantelmann finden sich die wichtigen Grundgedanken wieder, die den wesentlichen Rahmen für die Gestaltung des Gartenschaugeländes vorgeben. Dazu gehört die Idee, durch den Umbau des Roten Mains eine ökologisch wertvolle, naturnahe Aue herzustellen. Hier soll sich die Vegetation auf natürliche Weise entwickeln können, sollen artenreiche Wiesen entstehen und tief gelegene Flächen bei Hochwasser überschwemmt werden. Dieses innere Areal wird eingefasst durch einen weiten Auenbogen, in dem sogenannte Landschaftskabinette an den Hängen der Randbereiche errichtet werden. Der Auenbogen dient nicht nur der notwendigen Wegeerschließung, es werden dort auch die vielseitigsten Nutzungsmöglichkeiten angeboten und zahlreiche attraktive Gestaltungselemente vorhanden sein.
    
Einige besondere Eckpunkte galt es bei der Konzeption des Planentwurfs zu berücksichtigen: Erstens, die Lage zwischen Innenstadt und Eremitage; dem Gartenschaugelände wird diesbezüglich die bedeutende „Brückenschlag“-Funktion zugewiesen. Zweitens, die Existenz der benachbarten Autobahn mit Lärmschutzwall als eine Landschaftskante im Osten sowie die Errichtung des Einschöpfbauwerks, das kontrollierte Überschwemmungen der Aue erst zulässt. Außerdem die Notwendigkeit der Anbindung des neuen Parks an die relativ grün­armen Wohnquartiere im Umfeld und die damit einhergehende verkehrliche Verbindungsfunktion für umliegende Stadtteile.

Landschaftskonzept

Für den visuellen Zusammenhalt des Parks werden Sichtfenster definiert und angelegt, die einen Bezug zwischen den einzelnen Kabinetten herstellen sollen. Der Gehölzbestand entlang des Roten Mains wird gezielt punktuell geöffnet, um Sichtbeziehungen beiderseits der Aue zu schaffen und die Dimension der Parkanlage zusammenhängend erfahrbar zu machen. Ökologisch wertvolle und prägende Solitäre werden erhalten und aufgeastet. Das Unterholz und bereits abgestorbene Gehölze werden entnommen, sodass offene, gut durchsehbare Bereiche entstehen. An anderer Stelle wird der Bestand mit Gruppen aus Weidenstecklingen ergänzt, sodass sich Gehölzgruppen in der Aue entwickeln können. Diese werden durch Neupflanzungen, angepasst an den neuen Verlauf des Roten Mains, ergänzt.
  
Das Gelände wird entsprechend der Entwurfsidee gestaltet. Wesentliche Geländeanpassungen erfolgen im Bereich der Kabinette, des Auenbogens, der Wege aus der Aue zum Panoramakabinett und im Norden des Gartenschauareals zur Herstellung einer Vernässungsfläche. Überschüssiger Boden soll auf den Flächen entlang der Autobahn zur Herstellung einer Dirtbike-Anlage sowie zur Geländemodellierung von drei prägnanten Hügeln wieder eingebaut werden.
  
Die Landschaftskabinette

Von den Landschaftskabinetten, die als klar ablesbare Figuren in die naturnah gestalteten Hänge der Mainaue eingeschoben sind, erhält jedes ein spezifisches Gestaltungsthema:
 
Kulturkabinett
Steinbühne am Auensee; Rasentribünen, zu Veranstaltungen mit Bestuhlung bespielbar; Biergarten; zwei Beachvolleyballfelder direkt angrenzend.

Gartenkabinett
Hopfenwände bilden ein gestaffeltes Raumensemble ähnlich einer barocken Bühnenkulisse; Pergola mit Wiegeschaukeln; Stauden; ggf. Sinneselemente.
  
Grünes Kabinett
Liegewiese; Landschaftsrampe als Aussichtspunkt; Grillmöglichkeiten; Unterschiedliche Rasenansaaten kreieren ein Muster in der Fläche.
  
Sportkabinett
Intensiv grüner Fallschutz (EPDM)-Belag, Trampoline, Balancieren, Streetball
  
Panoramakabinett
Kleiner Auftaktplatz an den St.-Georgen-Schulen; Kontinuierliche barrierefreie Wegeverbindung zur Aue; Quartiersplatz mit Raum für Boulespiel und Pergola als Treffpunkt.
Themenspielplatz: Wolkenkuckucksheim ‚Heiter bis Wolkig’.
  
Pflanz- und Vegetationskonzept
  
Das Pflanzkonzept setzt Schwerpunkte innerhalb der Parkanlage und ist der extensiven bzw. intensiven Nutzung jeweils angepasst. Naturnahe Pflanzungen unterstützen den ökologischen Umbau des Roten Mains und erweitern bestehende Biotope. Die gezielte Zulassung einer ungestörten Entwicklung von Baumbeständen einerseits sowie die Offenhaltung der Flächen durch ein Pflege- und Mähkonzept andererseits schaffen abwechslungsreiche Bilder. Die Pflanzungen speziell für die intensiv genutzten Flächen beschränken sich auf den Auenbogen und die Kabinette; sie schaffen abwechselnde Stimmungen und Leitbilder.
  
Die Pflanzung der Jahrgangswälder – es wurde hierbei die Idee eines Kinderwaldes des Fördervereins Landesgartenschau aufgegriffen und interpretiert - erfolgt in unterschiedlichen Qualitäten und Entwicklungsstufen, um kurzfristig eine möglichst große Wirkung zu erreichen und der Anzahl an Kindern der jeweiligen Jahrgänge gerecht zu werden.

Der Offenlandcharakter im Auenpark wird durch die Anlage artenreicher Blumenwiesen erhalten. Die Wiesen sind hinsichtlich der Artenzusammensetzungen an den Standort angepasst; sie werden zudem mit unterschiedlichen Mahdzyklen gepflegt. An einzelnen Punkten wird die Entwicklung verschiedenartiger Biotope unterstützt. Ein aufeinander abgestimmtes Pflege- und Mähkonzept sichert die ganzjährige Attraktivität der Fläche.

Der Auensee
  
Geplant ist ein 2 ha großer See, der an seiner tiefsten Stelle 2,80 m tief ist. Der See liegt in der Niederung im südlichen Teil des Gartenschaugeländes östlich des Roten Mains. Als eines der wichtigsten Gestaltungselemente des gesamten Areals soll der See der Erholung dienen. Für die angestrebte Freizeitnutzung soll durch eine geeignete Wassertechnik eine gehobene Wasserqualität, aber keine explizite Badewasserqualität erreicht werden. Im süd­lichen Teil des Sees ist die Anlage zweier Inseln vorgesehen. Um den See führt ein Fuß- und Radweg, der im Uferbereich vorbei an Kiesstränden und durch Wiesen und Schilf verläuft. Wasserwirtschaftlich gesehen ist der Auensee in den Wasserkreislauf eingebunden. Es besteht eine Verbindung zum Grundwasser. Zum Ausgleich von Verdunstungs- und Versickerungsverlusten soll Wasser aus dem Roten Main in kleinen Mengen zugepumpt werden. Zur Stützung der Wasserqualität ist beabsichtigt, das Seewasser sowie den Zufluss vom Roten Main über einen bewachsenen Bodenfilter umzuwälzen bzw. einzuleiten.

Erschließungskonzept
  
Haupterschließungslinie ist der Auenbogen, der von der Äußeren Badstraße zur Eremitagestraße führt. Er verläuft hochwassersicher entlang der oberen Böschungskante östlich der Aue und verbindet die Kabinette. Im westlichen Auenbereich verläuft der Mainradweg, der über das Panoramakabinett die beiden Stadtteile St. Georgen und Hammerstatt anbindet (neuer Verlauf des Radweges). In Verlängerung der Kabinette führen Steinstege punktuell in die Aue. Sie leiten fließend in Form von Steinbrücken über den Roten Main und enden in Steinpodesten. Zum einen ist das gewählte Material hochwassertauglich, zum anderen bildet es eine klare Setzung und einen Kontrast im naturnahen Raum. Im Auenpark stellt ein Netz aus wassergebundenen Wegen die Verknüpfungen der Anschlüsse her. Die zum Teil geneigten Wege und Flächen in den Kabinetten sind in wassergebundener Wegedecke vorgesehen. Der Mainradweg in der Oberen Mainaue wird in seiner Bedeutung als überregionaler Radweg in Asphalt ausgebaut. Insbesondere die Anschlüsse nach St. Georgen sind hier auf Grund ihrer Gefällesituation ebenfalls in Asphalt ausgelegt. Generell sind einfache Wegebeläge, Wegebreiten und -konstruktionen gewählt, die den naturnahen Charakter des Parks wiederspiegeln und kosteneffizient zu realisieren sind. Die Brücken über den Roten Main sind aus Kostengründen als reine Fußgänger- und Radwegbrücken geplant.
  
Barrierefreie Erschließung / (Blinden-) Leitsystem
  
Das Erschließungskonzept verfolgt im Sinne eines „Designs for all“ das Leitbild, die zum Teil erheblichen Höhensprünge im Gelände mit kontinuierlich flachen Gefällen mit max. 5% Steigung zu überwinden. So schlägt der Auenbogen nicht nur einen Bogen entlang der Aue, sondern leitet den Besucher auch in einem gleichmäßigen Höhenbogen von der Äußeren Badstraße zur Eremitagestraße. Ein barrierefreier Rundweg im Gartenschaugelände führt vom Auenbogen über den Steinsteg am Sportkabinett zum westlichen Radweg und über das Einschöpfbauwerk wieder zum Auenbogen. 

Zur linearen Führung entlang des Auenbogens wird die hangseitige Wegeeinfassung mit 2 bis 3 cm Freibord zum Wegebelag eingebaut. Sie dient so zur taktilen Führung, ein helles Ortbetonband zur Aue hin leitet optisch. Zur besseren Orientierung ist ein Tastorientierungsmodell aus Beton am Eingangsbereich Äußere Badstraße vorgesehen. Einfache Aufmerksamkeitsfelder an den Eingängen vom Auenbogen zu den Kabinetten sollen die Orientierung erleichtern.
  
Ver- und Entsorgung
  
Für die erforderliche Versorgung der Landschaftskabinette mit Wasser und Strom werden im Auenbogen entsprechende Leitungen verlegt. Kanäle für die Entsorgung sind ebenfalls in dieser Erschließungstrasse vorgesehen (bis zum Grünen Kabinett). Die Ver- und Entsorgungsanlagen ermöglichen damit die geplante dauerhafte Freizeit- und Gartennutzung der Kabinette. Die Wege werden breitflächig in die Grünflächen entwässert. Das Niederschlagswasser der Platzflächen der Kabinette wird über offene Rinnen, Abläufe und Leitungen in die angrenzenden Auenwiesen geleitet. Verkehrs- und Wegeflächen werden mit einem Quergefälle von 2 - 2,5% ausgebildet.
   
Spielplätze
  
Der neue Park bietet ein vielfältiges Angebot an Spiel- und Nutzungsmöglichkeiten, von einer Bolzwiese in der Aue bis hin zu Spielorten in den Kabinetten und einem Schwerpunkt Wasserspielplatz (‚Fossillilinseln’) am Roten Main. Die Idee zur Anlage solcher Fossillilinseln basiert auf den Funden urzeitlicher Lebewesen an der nahe gelegenen „Bodenmühlwand“, einem wertvollen Geotop an einer Rotmainschleife im Südosten Bayreuths. Die urzeitlichen Tiere und Pflanzen entstehen auf dem Wasserspielplatz wieder neu in Form kleiner steinener Inseln, die mit allerlei Spielgeräten ausgestattet werden. Wie die Fossillilinseln aussehen werden und was man mit ihnen alles anstellen kann, dazu gibt es unter dem folgenden Link nähere Informationen.

Im Panoramakabinett in St. Georgen/ Bereich Schöne Aussicht ist ein weiterer Themenspielplatz vorgesehen. Das weitläufige Gelände dort wird als Spiellandschaft in Szene gesetzt und dabei mit wenigen Elementen eine Spielatmosphäre geschaffen, die unterschiedliche Altersgruppen anspricht. Auf Grund des steil ansteigenden Geländes und der Lage hoch über der Aue erhält dieser Spielplatz das Thema ‚Wolkenkuckucksheim – Die Stadt der Vögel’. Die Pflanzungen verstärken das ‚luftige’ Thema mit weißstämmigen Birken und einer Rasenansaat mit weiß blühenden Arten. Hier kann gespielt werden: Wie ein Vogel durch die Lüfte hüpfen, klettern, Höhe erleben und balancieren. Gleichzeitig bieten die schlichten Vogelhäuser Unterschlupf, ferner die Möglichkeit zu beobachten sowie Ausschau zu halten. Der geführte und barrierefreie Weg führt den Spaziergänger durch die Szenerie. Eine Besonderheit ist ein Krabbelbereich für die Kleinsten, der auch als Treffpunkt für Eltern dient.
  
Im Kulturkabinett in Biergartennähe sind ein Kleinkinderspielbereich und im Sportkabinett Trampoline sowie Streetball geplant. Bei den spielbezogenen Nutzungen sind die Moderationsergebnisse aus den Schülerbeteiligungen (Partizipationsprojekt des Büros Kobra) eingeflossen. Darüber hinaus ist entlang des Roten Mains ein Auenlehrpfad mit mehreren Stationen vorgesehen. Informationselemente verweisen auf die Jahrgangswälder und deren unterschiedlichen Gehölzarten.
   
Zwischen Jahrgangswälder und Autobahn wird eine Dirtbike-Anlage errichtet. Die künftigen Benutzer sollen in die Parcour-Planung und Ausführung einbezogen werden.

Beleuchtungskonzept
  
Das Beleuchtungskonzept für das Gartenschaugelände unterstreicht den Brückenschlag, der mit dem neuen Park zwischen Innenstadt und Eremitage hergestellt wird, ganz besonders. Zwei Lichtbänder fassen den Park: Das eine, auf westlicher Seite im Anschluss zum Stadtteil St. Georgen, das andere, auf der östlichen Seite der Aue, dem Auenbogen folgend (von der Äußeren Badstraße zur Eremitagestraße, die Landschaftskabinette verbindend). Das Kultur- und das Panoramakabinett erhalten als Nutzungsschwerpunkte einen weiteren Beleuchtungsschwerpunkt. Als Leuchtmittel werden moderne LED’s mit stark entblendeten Optiken eingesetzt, die Höhe der Leuchten ist durchgängig 4,50 m. Das nach unten gerichtete Licht ist insektenfreundlich. Die zwei Beachvolleyballlfelder werden beidseitig mit 6 m hohen Leuchten wettbewerbstauglich ausgeleuchtet. Entsprechend des naturnahen und landschaftlich großräumigen Charakters des neuen Parks nimmt sich der gewählte Leuchtentyp gestalterisch zurück. So unterstreicht das Gesamtkonzept den eigenen Charakter des Parks.

Pavillon (Gastronomiegebäude)
 
Am Kulturkabinett wird ein sehr eigenständiges, jedoch von der Idee der Landesgartenschau deutlich inspiriertes Gastronomiegebäude mit leuchtend grünem Korpus entstehen. Der Küchenbereich und die Ausgabe (ein markant ausgestelltes Eckfenster) sind an dem Pavillon dort platziert, wo Biergarten, Rasentribüne und Auenbogen sich treffen. Alle anderen Räume sind ihrer jeweiligen funktionalen Anforderung entsprechend angeordnet und erschlossen. Besonders gestaltgebend und charakterisierend für den Pavillon ist seine Holzlamellenverkleidung, die mit ihrer freien Anordnung an den natürlichen Wuchs von Grashalmen in einer Wiese oder von Zweigen in einem Astwerk erinnert. Mit dieser frei angeordneten Lamellenstruktur wird eine spannungsreiche Tiefenwirkung und Lebendigkeit des Baukörpers erzielt. Alle Fenster- und Türöffnungen (bis auf das WC) sind mit den Lamellen verhüllt und auf das leuchtende Grün des Gebäudekorpus abgestimmt, sodass sich der Pavillon in ansprechender Weise in das Landschaftsbild einfügt.

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