Stadt Bayreuth

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26.11.2012

Theater auf Touren: Zum Abschluss „The King’s Speech“

Theatergastspiele Kempf am 4. Dezember im Großen Haus der Stadthalle

Schauspieler Steffen WinkSchauspieler Götz OttoAm Dienstag, 4. Dezember, endet „Theater auf Touren“, der Nachfolger des Bayreuther Herbstabonnements, mit einer mit einer großartigen Theaterinszenierung über die Macht der Sprache in Regie des Ensembles der Theatergastspiele Kempf.

Es ist ein persönliches Drama auf großer Bühne, durch das neue Massenmedium Radio tausendfach verstärkt: Das Wembley Stadion im Jahre 1925, Prinz Albert, Herzog of York, zweitgeborener Sohn des britischen Königs, steht vor einem Mikrofon und soll die Abschlussrede der Empire-Ausstellung halten. Per Radio wird diese live um den Globus übertragen, ein Viertel der Weltbevölkerung gehört zu diesem Zeitpunkt zum britischen Imperium. Alberts Kopf wird puterrot, die Worte bringen ihn fast zum Platzen. Er stottert und schweigt. Die Peinlichkeit ist unerträglich. Denn: Albert Herzog of York ist Stotterer.

Und doch wird er 14 Jahre später The King’s Speech halten, als er vor das Mikrofon tritt, um den Bürgern des Britischen Empires mitzuteilen, dass Großbritannien Nazi-Deutschland den Krieg erklärt. Zu diesem Zeitpunkt ist aus Bertie, wie er im Kreise seiner Familie gerufen wird, King George VI. geworden.

Das Schicksal des Prinzen Albert ist es, genau zu der Zeit König zu werden, als es nicht mehr ausreicht, dem Volk zuzuwinken und auf Fotos imposant auszusehen. Das Radio bringt den Monarchen in jedes Haus, und die Stimme des Königs spricht in Echtzeit zu seinen Untertanen, da die Technik es noch nicht erlaubt, die Reden zeitversetzt und geschnitten zu senden. Kein britischer König vorher oder nachher war gezwungen, all seine Ansprachen live übertragen zu lassen. Für einen Stotterer eine wahrlich bittere Ironie des Schicksals.

Bis er für The King’s Speech allerdings bereit ist, muss der König durch das Fegefeuer einer ganz besonderen Sprachtherapie gehen. Da bisherige Versuche der Sprachkorrektur fehlgeschlagen sind, greift seine liebevolle Gattin Elizabeth, die spätere Queen Mum, zu einer unkonventionellen Methode in Form des australischen Schauspielers und Sprechtrainers Lionel Logue. Durch seine provozierende Art lockt er den König systematisch aus der Reserve. Dieses Stück ist auch die Geschichte eines Mannes, der schließlich durch eine Freundschaft erkennt, dass er nicht in seinem Schicksal gefangen ist sondern sich selbst verändern kann. Albert und Lionel bleiben lebenslange Freunde.

Zur Geschichte des Theaterstücks

Der Autor David Seidler hat nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges als Kind und Jugendlicher selbst gestottert. Sein Vorbild wird darum ein Mann, den er im Radio hört: der englische König George VI., Vater der späteren Queen Elizabeth II., auch er ein Stotterer wie David, der es trotzdem geschafft hatte, in der Zeit des zweiten Weltkrieges mitreißende Ansprachen an sein Volk zu halten.

David Seidler fängt an zu schreiben und nimmt sich vor, die ihn faszinierende Geschichte dieses Königs zu erzählen. Er recherchiert viel Hintergrundmaterial über George VI. und dessen Sprachtherapeuten. 1980 schreibt Seidler sein Theaterstück über die Geschichte um den stotternden König. Recherchen bringen ihn zum Sohn des inzwischen verstorbenen australischen Sprechlehrers Lionel Logue. Dieser will ihm die Notizbücher, die während der Therapie mit dem König entstanden sind, jedoch nur gegen die schriftliche Einwilligung der Queen Mum, Witwe des verstorbenen Königs George VI, herausrücken. Queen Mum jedoch bat Seidler, die Geschichte erst nach ihrem eigenen Ableben zu erzählen, denn „die Erinnerungen an jene Zeit seien immer noch zu schmerzvoll für sie“. So blieb dieses Original-Theaterstück über 20 Jahre lang ungespielt, bis schließlich der Regisseur Tom Hooper darauf aufmerksam wurde und einen Kinofilm daraus machte.

Die Vorstellung beginnt um 20 Uhr im Großen Haus der Stadthalle. Karten sind im Vorverkauf an der Theaterkasse, Opernstraße 22 (Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, 9 bis 18 Uhr; Samstag, 9.30 Uhr bis 12.30 Uhr) beziehungsweise Maxstraße 58 (Öffnungszeiten Montag bis Freitag, 9 bis 18 Uhr; Samstag, 9 bis 13 Uhr) erhältlich. Telefon: 09 21/6 90 01; Fax: 09 21/29 48 56; E-Mail: info@kurier-tickets.de. Schüler und Studenten erhalten 50-prozentige Ermäßigung pro Karte.