Stadt Bayreuth

21.06.2010

Umweltschonende Energie vom Acker

Stadtwerketochter BEW, Uni Bayreuth und GeoTeam kooperieren bei Projekt am Saaser Berg

Noch sieht sie eher unscheinbar aus, doch das wird sich rasch ändern: Silphium perfoliatum, die aus Nordamerika stammende Becherpflanze, wächst derzeit auf einer Testfläche am Saaser Berg – und ist ein Hoffnungsträger in Sachen regenerative Energien.

Beim Anpflanzen auf der Versuchsfläche (von links): Dr. Christoph Hartmann vom GeoTeam, Dr. Pedro Gerstberger, Lehrstuhl für Pflanzenökologie der Uni Bayreuth, und Günter Geist, Leiter des Bereichs Verteilung der BEW.

Beim Anpflanzen auf der Versuchsfläche (von links): Dr. Christoph Hartmann vom GeoTeam, Dr. Pedro Gerstberger, Lehrstuhl für Pflanzenökologie der Uni Bayreuth, und Günter Geist, Leiter des Bereichs Verteilung der BEW.

Aus der robusten, mehrjährigen Staude soll Biogas gewonnen werden, das verstromt oder zur Wärmegewinnung genutzt werden kann. Gefördert wird das auf fünf Jahre ausgelegte Projekt von der Oberfrankenstiftung sowie dem Bundeslandwirtschaftsministerium im Rahmen der Bioenergieregion Bayreuth. Kooperationspartner ist die BEW Bayreuther Energie- und Wasserversorgungs- GmbH, der die Anbaufläche gehört.

Ersatz für Mais

Silphium und andere Wildpflanzenarten seien ein möglicher Ersatz für den nicht unproblematischen Mais, erläutert Projektleiter Dr. Pedro Gerstberger, Botaniker am Lehrstuhl für Pflanzenökologie der Universität Bayreuth. „Wir erwarten zahlreiche Vorteile, die wir nun durch die Feldversuche genauer untersuchen und quantifizieren wollen.“

Bis zum Herbst wird die kürzlich gesetzte Becherpflanze 50 Zentimeter breite Rosetten bilden, um in den folgenden Jahren bis zu 2,50 Meter hoch aufzuschießen. Sie beschattet dann bereits ab Anfang Juni den Boden fast vollständig. „Damit können wir auf Pestizide gegen Unkräuter verzichten“, so Dr. Christoph Hartmann vom am Projekt beteiligten GeoTeam, Gesellschaft für angewandte Geoökologie und Umweltschutz mbH aus Bayreuth.

Im Vergleich zum Mais tritt nach Aussage von Gerstberger und Hartmann zudem kaum Erosion auf, weil die lebenden Wurzeln den Boden festhalten. Nach Anlage der Kultur muss er nicht mehr bearbeitet und nur wenig befahren werden, was eine nur geringe Verdichtung bedeutet. So kann viel Regenwasser versickern, die Fruchtbarkeit des Bodens erhöht sich.

15 Jahre oder länger Ertrag

Eine Kleeuntersaat, die noch getestet werden soll, könnte die Düngung mit Stickstoff überflüssig machen. Ein weiterer wichtiger Vorzug für die Landwirte, die eventuell Silphium anbauen werden: Die Staude liefert nach ihrer Anlage 15 Jahre oder länger Ertrag. Krankheiten und Schädlinge seien bei der Becherpflanze bisher nicht bekannt, berichtet Gerstberger, während sie dem Mais in zunehmendem Maße zusetzten.

Letzterer werde zu allem Überfluss von Wildschweinen dezimiert, während diese die neue Energiepflanze verschmähen. Aus ökologischer Sicht zu begrüßen sei der bis in den September hinein vorhandene reiche Blütenflor, der Insekten als Nektarquelle diene.

Gleicher Ertrag – weniger Aufwand

Nach der Ernte wird die Becherpflanze zu Silage vergoren, die wiederum zur Herstellung von Biogas dient, das hauptsächlich aus Methan besteht. „Wir erwarten beim Biomasseertrag und der Methan-Ausbeute ähnliche Werte wie beim Mais. Wegen des geringeren Aufwands dürften aber Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit besser sein“, prognostiziert Hartmann.

Belastbare Daten seien nur bei einer großen Fläche zu gewinnen. Die Versuchsfläche am Saaser Berg soll daher in den kommenden Jahren ausgedehnt werden. „Wir können bei Bedarf gerne insgesamt sieben Hektar zur Verfügung stellen“, so Günter Geist, Leiter des Bereichs Verteilung der BEW. Für die Bewirtschaftung soll mit den Landwirtschaftlichen Lehranstalten des Bezirks Oberfranken zusammengearbeitet werden.

Die BEW unterstütze das Projekt gerne, betont Geist, „denn wir sehen darin einen Beitrag zur verstärkten Nutzung regenerativer Energien in der Region“. Biomasse sei ein umwelt- und klimaverträglicher Energieträger, der zudem bei Anbau und Verwertung vor Ort ohne lange Transportwege auskomme. „Er erfüllt damit alle Anforderungen an eine zukunftsfähige Energiequelle.“

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