Stadt Bayreuth

IM FOKUS

02.08.2012

“Verstummte Stimmen” – Die Bayreuther Festspiele und die ‘Juden’ 1876 bis 1945

Stadt Bayreuth und Richard-Wagner-Stiftung präsentieren Ausstellung zur Ausgrenzung jüdischer Künstler während des NS-Regimes

Unter dem Titel „Verstummte Stimmen. Die Bayreuther Festspiele und die “Juden” 1876 bis 1945“ präsentieren die Stadt Bayreuth und die Richard-Wagner-Stiftung eine außergewöhnliche Ausstellung in der Stadt Bayreuth und am Bayreuther Festspielhaus.

Die Ausstellung „Verstummte Stimmen. Die Vertreibung der “Juden” aus der Oper 1933 bis 1945“ wurde 2006 von dem Historiker Hannes Heer, dem Musikpublizisten Jürgen Kesting und dem Gestalter Peter Schmidt erstmals in Hamburg präsentiert und danach an den Staatsopern in Berlin, Stuttgart, Darmstadt und Dresden gezeigt. Die Ausstellung widmet sich einem kaum untersuchten und nie zusammenhängend dargestellten Kapitel aus der Nazizeit – der „Säuberung“ der deutschen Opernhäuser von „jüdischen“ und „politisch untragbaren“ Ensemblemitgliedern. Dieser Eingriff bedeutete für Tausende Berufsverbot, Exil oder Deportation.

Die Ausstellung

Die Ausstellung “Verstummte Stimmen” ist bis zum 14. Oktober im Neuen Rathaus sowie im Festspielpark zu sehen. 

Ausstellung besteht aus zwei Teilen  

Die im Rahmen der Ausstellung erfolgte Untersuchung der ab 1933 einsetzenden Vertreibungen ergab, dass der Boden für diese Maßnahmen schon ideologisch vorbereitet war. Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg begann in Deutschland ein erbittert geführter Kulturkampf gegen die Kunstmoderne und deren Träger – „die Juden“. In dieser Auseinandersetzung war Richard Wagner einer der wichtigsten Stichwortgeber. Deshalb ist es nur folgerichtig, dass die letzte Station der Ausstellung Bayreuth ist.

Die Ausstellung besteht aus zwei Teilen: Ein Teil, der im Neuen Rathaus präsentiert wird, macht anhand der Schicksale von 44 nach 1933 verfolgten Stars der deutschen Opernszene – Komponisten, Dirigenten und Solisten – deutlich, was nationalsozialistische Musikpolitik und Verfolgung bedeutete. Der zweite Teil ist eine Fallstudie unter dem Titel „Die Bayreuther Festspiele und die ‚Juden‘ 1876 bis 1945“ und ist auf dem Festspielhügel zu sehen. Damit findet an diesem Ort erstmals eine Ausstellung zu diesem Thema statt.

Anhand von vier Zeitmarken – 1889, 1912, 1924, 1933 – wird gezeigt, wie die Festspiele zunehmend als Mittel deutschnational-antisemitischer Propaganda eingesetzt worden sind und sich in der Weimarer Republik „Bayreuther Geist“ und Nationalsozialismus aufeinander zubewegt haben.

Diffamiert und ausgegrenzt

Bereits lange vor 1933 waren ‘jüdische’ Künstler diffamiert und ausgegrenzt worden. Seit Cosima Wagner 1885 offiziell die Leitung der Bayreuther Festspiele übernommen hatte, galt als Kriterium der Besetzung nicht nur die künstlerische Leistung, sondern vor allem die „rassische Herkunft“.  Diese Künstler sollten nach Möglichkeit „aussen gelassen werden“. Siegfried Wagner setzte seit 1908 als neuer Festspielleiter die Linie seiner Mutter fort. Die Ausstellung belegt anhand von 31 Biografien diese antisemitische Besetzungspolitik.

Erstmals werden auch die Schicksale derjenigen „Bayreuther Künstler“ dargestellt, die zu Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung geworden sind. Von den insgesamt 53 Künstlern, die aus „rassischen“ oder politischen Gründen verfolgt wurden, waren 23 Solisten, 16 Orchestermusiker, 8 Korrepetitoren und Assistenten, 5 Chormitglieder und 1 Dirigent. Von diesen Künstlern wurden 12 deportiert und ermordet.

Die oft formulierte Schutzbehauptung, Richard Wagner sei durch die Nationalsozialisten missbraucht worden, ist nur bedingt richtig. Sowenig es eine direkte Verbindung von Wagner zu Hitler gibt – er war für diesen ein wichtiger Stichwortgeber. Aber erst seine Erben haben einen direkten politischen Zusammenhang hergestellt: Durch die diskriminierende Behandlung „jüdischer“ Künstler, durch den politischen Missbrauch der Festspiele wie durch ihre Mitwirkung in den wichtigsten antisemitisch-antidemokratischen Organisationen nach 1914 haben sie den Boden für die im „Dritten Reich“ durchgeführten Verfolgungen bereitet. Das ist die These dieser Ausstellung.

Dem Kuratorium der Ausstellung gehören Klaus von Dohnanyi (Vorsitzender), Jens-Malte Fischer, Hans-Dietrich Genscher, Ulrike Hessler, Charlotte Knobloch und Antje Vollmer an.

   
 

Verstummte Stimmen – Die Bayreuther Festspiele und die “Juden” 1876 – 1945

22. Juli bis 14. Oktober 2012
Festspielpark Bayreuth, unterhalb des Festspielhauses
Ausstellungshalle Neues Rathaus Bayreuth, Luitpoldplatz 13, täglich von 9 bis 17 Uhr.

Bestellung von Führungen bei Tourist-Information Bayreuth:
Tel.:  (09 21) 885 88.

www.verstummtestimmen.de

Die Ausstellung wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, der Friede Springer Stiftung, der E.ON Bayern-Kulturstiftung Bayreuth, der Oberfrankenstiftung und der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Brucerius.

Autor: Hannes Heer
Gestaltung: Peter Schmidt
Projektleitung: Hannes Heer, Jens Hommel

Katalog zur Ausstellung: 412 Seiten, 24 €, erhältlich in der Ausstellung

Rückfragen nach Pressematerial, Fotos von Künstlern und Fotos von der Ausstellung:

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