Stadt Bayreuth

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06.10.2008

Vorbildliches Blindenleitsystem

Bayreuth gestaltet seine Fußgängerzone um: Dabei wurde auch an die Bedürfnisse blinder Besucher der Innenstadt gedacht
Die neue ZOH hat ein vorbildliches Blindenleitsystem, für den Marktplatz ist ein ähnliches vorgesehen. Die Stadt Bayreuth wird in den kommenden zweieinhalb Jahren ihre Fußgängerzone im Herzen der historischen Innenstadt neu gestalten. Für rund 11,3 Millionen Euro wird die „gute Stube“ der Wagnerstadt eine deutliche optische Aufwertung und eine völlig neue Aufenthaltsqualität bekommen. Im Zuge der anstehenden Bauarbeiten, für die in diesen Tagen der Startschuss gefallen ist, wird auch ein Blindenleitsystem entstehen, das nach Einschätzung von Fachleuten bundesweit zu den besten zählt.

„Auf beiden Seiten der Fußgängerzone, jeweils zwei bis drei Meter von den Fassaden entfernt, werden im Zuge der Umgestaltung Platten verlegt, die den Blinden als Orientierung dienen“, so Manfred Korn, der als Vertreter der Bezirksgruppe Oberfranken des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSB) frühzeitig in die Planungen eingebunden war.

Die bessere Orientierung wird dadurch erreicht, dass in diese Spezialplatten aus Naturstein, 50 mal 50 Zentimeter groß und rund 80 Euro pro Stück teuer, eine Rille eingearbeitet ist. In dieser lassen die Blinden ihren Taststock gleiten, mit dessen Hilfe sie sich vorwärtsbewegen.

An markanten Abzweigungen, etwa in Nebenstraßen oder am Eingang größerer Geschäfte, werden „Aufmerksamkeitsfelder“ verlegt. Sie verfügen über eine andere Oberflächenbeschaffenheit und signalisieren so dem tastenden Fußgänger, dass er an einem speziellen Punkt angelangt ist. „Schwierig ist ja vor allem, zu erkennen, welche Strecke man schon gelaufen ist und wo man sich gerade befindet“, so Korn, der die Zusammenarbeit mit den städtischen Ämtern bei der Planung als sehr kooperativ lobt.

In Bayreuth sind zudem bereits mehrere Ampelanlagen so ausgerüstet, dass sich Blinde dank akustischer Signale gut zurechtfinden können; weitere sollen in naher Zukunft folgen, so dass Menschen mit Sehbehinderung aus möglichst allen Richtungen ein sicherer Weg in die Innenstadt angeboten werden kann.

Als beispielhaft gilt dem BBSB auch die neue Zentrale Omnibus-Haltestelle (ZOH), die die Stadt im Oktober 2007 in Betrieb genommen hat. Auch bei ihrer Planung und Umsetzung wurde auf die Bedürfnisse blinder Menschen besondere Rücksicht genommen – so mit geriffelten Randsteinen, die dem Tastenden den Übergang auf die Straße anzeigen. Demnächst sollen zudem an den Säulen der einzelnen Haltestellen der ZOH „taktile“, also zu ertastende Buchstaben verraten, welche Linie dort abfährt. Korns Fazit: „Wenn ein Blinder, der sich in seine eigenen vier Wände zurückgezogen hat, merkt, hier geschieht etwas, dann traut er sich vielleicht auch bald wieder heraus.“