Stadt Bayreuth

IM FOKUS

23.07.2014

Wahnfried: „Das ist ein großartiger Plan“

Interview mit dem Vorsitzenden des Wahnfried-Kuratoriums Dr. Michael Henker zur Neugestaltung des Richard-Wagner-Museums Bayreuth
Dr. Michael Henker

von Florian Zinnecker

Die Neugestaltung des Richard-Wagner-Museums steht seit Jahren im Fokus der Öffentlichkeit. Im Sommer 2015 soll das erweiterte Museum eröffnen. Ein Interview mit Michael Henker, dem Vorsitzenden des Wahnfried-Kuratoriums.

Herr Dr. Henker, auf dem Weg vom Planungsbeginn für ein neues Richard-Wagner-Museum bis zur Eröffnung: Wie weit ist es noch?

Michael Henker: Drei Viertel des Wegs sind geschafft. Der Wunsch, über die Neuaufstellung von Haus Wahnfried nachzudenken, besteht seit mehr als zehn Jahren. Der Eingangsbereich war beengt, es gab zwar einen Shop, aber den konnte man eigentlich kaum „Shop“ nennen, es gab keine ausreichende Garderobe, kein Café -. das entspricht in keiner Weise dem, was Museumsbesucher heute erwarten. Grundsätzlich kann ein Richard-Wagner-Museum in Bayreuth wahrscheinlich immer mit einer soliden Basis an Besuchern rechnen. Aber natürlich muss ein solches Haus auch darüber hinaus attraktiv sein. Also haben wird vor sechs sieben Jahren gesagt: Lasst uns den Bedarf noch einmal ehrlich feststellen. Was dürfen Besucher heute erwarten, wenn sie ein Museum zu Richard Wagner besuchen, und dann auch noch das weltweit bedeutendste? Als wir das gemeinsam formuliert hatten, merkten wird: Da müssen wir räumlich in ganz anderen Dimensionen denken.

Wie weit ist das Projekt also?

Henker: Im Moment sind sowohl die Sanierung Wahnfrieds als auch der Neubau der Ausstellungs- und Depotflächen weit fortgeschritten. Parallel dazu läuft die Planung. Welche Geschichte will man erzählen, welche Themen will man angehen, mit welchem Vermittlungskonzept und welchen Exponaten. Im Herbst kann der Bau übergeben werden. Im Anschluss werden die Museumsgestalter von hg merz die Ausstellungsarchitektur einbringen. Dann wird bestückt, und dann ist es fertig.

Die Eröffnung zur Festspielzeit 2015 wird also wie geplant stattfinden?

Henker: Nach heutigem Stand – eindeutig ja.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Museum nach der Eröffnung wieder schließen muss – weil Personal- und Betriebskosten nicht gedeckt sind?

Henker: Diese Wahrscheinlichkeit besteht nicht. Wir arbeiten hier auch mit zirka zwölf Millionen Euro, die die öffentliche Hand einbringt. Diese Gelder sind zweck-. und fristgebunden. Wenn man das Museum also nach der Eröffnung schließen würde, müsste man die Fördermittel zurückzahlen. Das wird nicht passieren, so weit kann ich mich guten Gewissens aus dem Schneckenhaus wagen. Im Zusammenhang mit einer Person wie Richard Wagner, die auf der ganzen Welt einen Namen hat und die mit ihrem Werk in vielerlei Hinsicht prägend war, werden weder die Bundesrepublik noch das Land Bayern sagen können: Das kann uns leider nicht interessieren.

Sie sind Vorsitzender des Wahnfried-Kuratoriums. Was ist die Aufgabe dieses Kuratoriums?

Henker: Wir sind ein kleines Gremium von hochqualifizierten Experten, die der Stiftung, dem Museum und der Stadt in allen Bereichen der Planung helfen, und die natürlich ihre persönlichen Kontakte einsetzen, um eine Verbesserung der Begleitumstände herbeizuführen.

Bei welchen Entscheidungen hat sich die Mitwirkung des Kuratoriums schon bewährt?

Henker: Vieles wäre anders verlaufen, manches wäre vielleicht komplizierter geworden. Wir haben das Inhaltskonzept ja von Grund auf miteinander diskutiert – das hat mit Sicherheit geholfen, eine Reihe von Fallgruben zu vermeiden und hin und wieder auch eine Abkürzung zu finden.

Die Museumsplaner und der Museumsdirektor Sven Friedrich genießen es geradezu, dass sie hier ein qualifiziertes Gremium haben, mit dem sie immer wieder im Austausch stehen. Es ist immer gut, wenn man miteinander spricht – man ist bei einer so großen Aufgabe schnell von seinen eigenen Echos umgeben. Wir sind da keine Zauberer, aber wir bringen alle unsere Erfahrung und unser Fachwissen als Museumsexperten ein. Nicht etwa, weil wir zu wenig zu tun hätten oder weil wir uns in den Vordergrund drängen wollen, sondern weil dieser kleine Kreis sich sagt, das ist ein großartiger Plan, da müssen wir sehen, dass er gut gelingt, denn am Ende schaut da die ganze Welt drauf.

Und wenn es dann fertig ist, wird sich kein Kuratoriumsmitglied in den Vordergrund drängen und sagen: Wir waren das. Wir werden natürlich der Stadt und dem Museum die ganze Ehre, die hoffentlich damit verbunden ist, aus vollem Herzen gönnen. Und uns miteinander über den guten Ausgang – an dem ich keinen Zweifel habe – freuen.

www.wagnermuseum.de

   
 

MEHR ZUM THEMA

Dr. Michael Henker war langjähriger Leiter der Landesstelle für nichtstaatliche Museen. Der Präsident des Internationalen Museumsrats Deutschland ist einer der „Erfinder“ der Erweiterung des Richard Wagner Museums. Neben ihm gehören dem Wahnfried-Kuratorium an:

  • Dr. Markus Kiesel
    Musikwissenschaftler und Kulturmanager, Herausgeber des Buches „Das Richard Wagner Festspielhaus Bayreuth“
  • Dr. Stephan Mösch
    Bayreuther Musik-, Literatur- und Theaterwissenschaftler, Chefredakteur der Fachzeitschrift „Die Opernwelt“
  • Professor Hermann Schäfer
    Gründungspräsident der Stiftung Haus der Deutschen Geschichte der Bundesrepublik
  • Dr. Jörg Skriebeleit
    Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg
  • Professor Christoph Stölzl
    lange Jahre Generaldirektor des Deutschen Historischen Museums in Berlin, heute Präsident der Hochschule für Musik in Weimar
  • Dr. Klaus Weschenfelder
    Direktor der Kunstsammlungen der Veste Coburg und Präsident des Deutschen Nationalkomitees des Internationalen Museumsrats (ICOM).

Das Interview ist im Bayreuth Magazin 2014/2015 erschienen. Das komplette Magazin steht auf bayreuth.de zum Download zur Verfügung. [ mehr ]