Stadt Bayreuth

IM FOKUS

20.07.2012

Welterbe Opernhaus: Eine Jahrhundertentscheidung für Bayreuth

Die UNESCO hat das Markgräfliche Opernhaus in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen

Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth.Jahrelang haben Bayreuth und Bayern auf diese Anerkennung gehofft und gewartet, seit 30. Juni ist es amtlich: Die UNESCO hat das Markgräfliche Opernhaus als 37. Stätte Deutschlands in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Damit zählt der Prachtbau nun auch offiziell zu „den größten Schätzen der Menschheit“, wie die „Süddeutsche Zeitung“ schrieb.

Die Eilmeldung lief am Samstag, 30. Juni, 15.10 Uhr, über die Nachrichtenticker: „Die UNESCO hat das Markgräfliche Opernhaus Bayreuth als Weltkulturerbe anerkannt. Das Welterbe-Komitee aus 21 Mitgliedern traf die Entscheidung am Samstag in St. Petersburg mehrheitlich“, schrieb die Deutsche Presse-Agentur. Und in den folgenden Stunden bescherten dann Internetportale, Radio- und Fernsehanstalten dem Barockjuwel in Bayreuth endlich jene Aufmerksamkeit, die ihm eigentlich schon lange gebührte. Viele Agenturen zitierten dabei das Schlüsselwort, mit dem Bayreuth in den Rang der wichtigsten Kulturbauten der Welt aufgenommen wurde – „adopted“ (aufgenommen).

Mitrofanova Eleonora, die Vorsitzende des Welterbe-Komitees der UNESCO, sprach es um genau 15.07 Uhr mitteleuropäischer Zeit aus. Jubel machte sich breit – natürlich auch und vor allem bei der kleinen Bayreuther Delegation, die von Oberbürgermeisteron Brigitte Merk-Erbe angeführt wurde. Schließlich ist das zwischen 1746 und 1750 erbaute Prachtbauwerk nun nicht nur anerkanntermaßen eines der wichtigsten baulichen Zeugnisse der absolutistischen Gesellschaft, sondern auch das wohl besterhaltene Barockteater nördlich der Alpen.

Es war, natürlich – die kunstsinnige Markgräfin Wilhelmine, die Lieblingsschwester des Preußenkönigs Friedrich II,. die Bayreuth (und sich selbst) dieses unvergleichliche Kunstgeschenk machte. Schließlich wollte sie aus dem Provinznest ein Zentrum für Kunst und Kultur machen. Weshalb sie dafür auch nicht irgendeinen Baumeister anheuerte, sondern den aus Bologna stammenden Stararchitekten Giuseppe Galli Bibiena verpflichtete, seiner Fantasie im Inneren des Hauses freien Lauf zu lassen, die später auch die Auftraggeberin inspirierte: denn Wilhelmine ließ in Bayreuth nicht nur Kultur machen, sie schuf auch selbst bleibende Werte – als Bühnenautorin, Komponistin (etwa der Oper „Argenore“) und Schauspielerin. Ab 1737 hatte sie zudem die Intendanz der Hofoper übernommen.

Auch und vor allem durch das nachhaltige und herausragende Engagement der Bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung, die schon im Jahre 1998, anlässlich des 250. Geburtstages von Markgräfin Wilhelmine, mit der hervorragenden Ausstellung „Das vergessene Paradies – Galli Bibiena und der Musenhof der Wilhelmine von Bayreuth“ der großen Bayreuther Künstlerpersönlichkeit ein Denkmal setzte, nahm der Prozess zur Anerkennung des Opernhauses als Weltkulturerbe an Fahrt auf. Die Außengestaltung des prachtvollen Bauwerks übernahm mit Joseph Saint-Pierre ein nicht minder bekannter französischer Architekt. Saint-Pierre arbeitete zunächst probeweise am Hof des Markgrafen und seiner Wilhelmine als fürstlicher Hofbauinspektor; 1746 wurde daraus eine Festanstellung.Seine Bauten sollten das spätere Stadtbild Bayreuths prägen. Er baute die Eremitage und die heutige Stadthalle, das Neue Schloss und Sanspareil, die Stadtkirche – und das Äußere des Opernhauses.

Bayreuth hat diesem Bauwerk übrigens auch noch etwas ganz anderes zu verdanken – die Tatsache nämlich, dass sich der Komponist Richard Wagner für das Städtchen am Roten Main interessierte. Wagner brauchte für sein großes Theater, an dem er damals längst arbeitete, aber noch keine geeignete Spielstätte dafür gefunden hatte, das größte zur Verfügung stehende Theater der damaligen Zeit. Er fand es in Bayreuth. Am Ende aber fand er doch für unpassend. Zu klein, vermutlich auch, vom Aufbau her, zu wenig demokratisch. Weshalb er sich anschickte, mit der Unterstützung von König Ludwig II. und zahlreicher wohlhabender Persönlichkeiten, auf dem damals noch sehr isoliert gelegenen Grünen Hügel einen weiteren kühnen Theaterbau zu errichten – sein Festspielhaus (das übrigens wegen seiner Einzigartigkeit, seiner konzeptionellen Besonderheit und der Bedeutung für das Musiktheater irgendwann auch ein Thema für die UNESCO sein sollte). 

   
 

Markgräfliches Opernhaus
Opernstraße 14
95444 Bayreuth
Tel.: (09 21) 7 59 69-22

Öffnungszeiten:
(für Besichtigngen)

Bis September:
9.00 – 18.00 Uhr

(Wegen Restaurierung ab 1.10.2012 geschlossen)