Stadt Bayreuth

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03.03.2013

Werke von Ulrike Andresen im Kunstmuseum

Ausstellung noch bis 1. April zu sehen
Match Point von Ulrike AndresenFür das Kunstmuseum Bayreuth beginnt das neue Jahr mit einer großen Schenkung von Papierarbeiten aus dem Werk der bekannten, leider viel zu früh verstorbenen Schleswig-Holsteinischen Künstlerin Ulrike Andresen, die das Museum bis 1. April in einer großen Ausstellung im Alten Barockrathaus präsentiert.

Das Menschenbild in seiner vielgestaltigen und vieldeutigen Form ist eines der wichtigsten Themen der Kunstgeschichte. Für Ulrike Andresen (1949 – 2006) war es das Generalthema.

Nach dem Studium in Kiel und in Hamburg arbeitete sie zunächst als Grafikerin am Institut für Ur- und Frühgeschichte in Kiel und in Dänemark. Dies schärfte ihren Blick für feine Strukturen und zeichnerische Präzision. Mit einem DAAD-Stipendium für Malerei in Frankreich entdeckte sie die Farbe des südlichen Lichtes. Zusammen mit dem Künstlerkollegen KD Arlt lebte sie in einem alten Bahnhof an der Westküste Schleswig-Holsteins. Parallel zu ihrer Lehrertätigkeit entstanden dort ihre wichtigsten Arbeiten.
Bei ihren Zeichnungen und Papierarbeiten verwendete die Malerin und Installationskünstlerin Ulrike Andresen ein überaus reiches Repertoire an Materialien wie Japanpapier, Makulaturpapier, sogar Baufolie oder Kreppband und vielfältige Techniken. Sie zeichnete, (über-)malte, druckte, klebte, schnitt, lochte und kombinierte alle diese Techniken, dabei tastend Konturen und Silhouetten findend und erfindend, reduzierend und neu kombinierend.

In bester Tradition der Spurensuche untersuchte Ulrike Andresen anhand von Passfotos oder alten Fotografien von Familien-Ausflügen und -Festen, aber auch in Werken der Kunstgeschichte und in Film-Stills (wie beim Plakatmotiv) Handlungen und Beziehungen der dort gleichermaßen wiedergegebenen wie sich darstellenden Personen, isolierte einzelne Gesten und stellte Figuren in neue Zusammenhänge.
Vor allem das Beziehungsgefüge der Menschen, die Rollenmuster und –strukturen, springen durch die Verfremdung förmlich ins Auge: Blicke aufeinander oder aneinander vorbei, Körperhaltungen zueinander oder nebeneinander, Gesten der Nähe und Distanz, der Zuneigung und der Ignoranz.

Bilder wecken Erinnerung an eigene Erfahrungen

Im Betrachter wecken Andresens Bilder, die als Belege für eine vergangene Zeit, der Nachkriegsgeneration, die auch sie prägte, daherkommen, Erinnerungen an eigene Erfahrungen, aber sie irritieren auch und amüsieren zuweilen. Dabei zeugen diese hochsensiblen Menschenbilder von Zuneigung und tiefer Einsicht in Wesen und Gewordensein der Dargestellten, ohne jemals demaskierend oder gar verletzend zu wirken. Stets suchte die Künstlerin das Zeichenhafte in der menschlichen Begegnung, eine Typographie der Veränderung in den Menschen. Alltagsszenen und scheinbar banale Erlebnisse verwandelte sie in symptomatische Erscheinungen, Szenen der klassischen Dramen gleich.
Mit ihrem hochsensiblen Werk zwischen Spurensuche, kompositorischer Klassizität und Pop-Ästhetik gehört Ulrike Andresen in die Reihe der großen figurativen Künstler des 20. Jahrhunderts, die wie Max Beckmann die Gültigkeit menschlichen Daseins definieren. Andresen stellte an vielen Orten in Schleswig-Holstein aus und war im Beiprogramm der „documenta X“, auf Ausstellungen in Finnland, Japan und Frankreich vertreten.