Stadt Bayreuth

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18.11.2010

Wilhelmine-Preis für einen Vordenker des Nahen Ostens

Stadt Bayreuth ehrt Prinz Hassan von Jordanien – Grußbotschaft vom ehemaligen Außenminister Genscher

Die Stadt Bayreuth hat den jordanischen Prinzen Hassan ibn Talal mit dem 2008 erstmals ausgelobten “Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis für Toleranz und Humanität in kultureller Vielfalt” geehrt. Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl überreichte die Auszeichnung am 18. November im Audimax der Universität Bayreuth zum Abschluss des 2. Bayreuther Zukunftsforums. Die Laudatio hielt der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium MdB Hartmut Koschyk (CSU). 

Mit Hassan ibn Talal, Bruder des ehemaligen jordanischen Königs Hussein und Onkel des derzeitigen Monarchen Abdullah II., zeichnet die Stadt zum dritten Mal in Folge eine international renommierte Persönlichkeit mit dem Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis aus. 2008 war der Preis an den nigerianischen Literatur-Nobelpreisträger Wole Soyinka, im vergangenen Jahr an den Pianisten und Dirigenten Daniel Barenboim gegangen.

Oberbürgermeister Dr. Hohl würdigte das Engagement des Prinzen in einer globalisierten Welt als vorbildlich. “Ihm geht es nicht nur um wirtschaftliche oder politische Aspekte, sondern um ein globales, gemeinschaftliches Miteinander aller Menschen.” Im Rahmen der Preisverleihung wurde auch eine Video-Grußbotschaft des ehemaligen Bundesaußenministers Hans-Dietrich Genscher eingespielt. Genscher gratulierte dem jordanischen Prinzen zum Wilhelmine-Preis. Für eine umfassende Friedenslösung im Nahen Osten sei er unentbehrlich. Sein Lebenswerk sei geprägt von Toleranz und Glaubwürdigkeit. 

Die Laudatio auf den Preisträger hielt der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfinanzministerium Hartmut Koschyk. Er sah in Prinz Hassan in ganz besonderer Weise Tugenden, Werte und Ideale der Namensgeberin des Wilhelmine-Preises, Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, verkörpert. Der Prinz, so Koschyk, sei ein Brückenbauer zwischen der muslimischen, christlichen und jüdischen Welt. 

Forderung nach gemeinsamer Strategie

In seiner simultan übersetzten Rede forderte Prinz Hassan von Jordanien angesichts der Herausforderungen durch den Weltklimawandel, der Knappheit von Wasser und natürlicher Rohstoffe eine gemeinsame Strategie von Europäischer Union, den nordafrikanischen und westasiatischen Staaten rund um das Mittelmeer, um Armut und Migration einzudämmen und so Konflikte zu vermeiden.

Der Preisträger

Prinz Hassan von Jordanien, geboren am 20. März 1947, in Amman, stammt in der 42. Generation direkt vom Propheten Mohammed ab. Er ist Träger von über 20 Ehrendoktortiteln und Gründer des “El Hassan Trust”, der sich für den Dialog zwischen den Religionen und die Förderung des Verständnisses zwischen der islamischen und der nicht-islamischen Welt einsetzt. Unter anderem wurde er mit dem Augsburger Friedenspreis ausgezeichnet. Er ist Mitglied im interreligiösen Beraterausschuss der UNESCO und im renommierten Club of Rome, dessen Präsident er von 1999 bis 2006 war. Prinz Hassan rief die trilaterale Kommission für das islamisch-christlich-jüdische Gespräch ins Leben und moderierte von 1999 bis 2006 die Initiative der Weltkonferenz der Religionen für den Frieden. Der studierte Orientwissenschaftler ist Ehrenmitglied der UNESCO-Weltkommission für Kultur und Entwicklung. Für den World Future Council fungiert er als Ratsmitglied.

Der Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis

Der von der Stadt Bayreuth gestiftete Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Er wird im jährlichen Rhythmus an Personen oder Gruppen verliehen, die sich auf kulturellem, sozialem, politischem oder wissenschaftlichem Gebiet international um die kritische Reflexion gemeinsamer Wertvorstellungen und die interkulturelle Verständigung verdient gemacht haben. 

Der Preis ist nach der Bayreuther Markgräfin Wilhelmine (1709 – 1758) benannt. Die Lieblingsschwester Friedrichs des Großen bescherte Bayreuth ein Ensemble von Gebäuden und Parks, das europaweit einzigartig ist und aus dem das Markgräfliche Opernhaus besonders hervorsticht. Mit ihm bewirbt sich Bayreuth derzeit aussichtsreich um die Aufnahme ins UNESCO-Welterbe. 1731 verheiratete man Wilhelmine mit dem Erbprinzen Friedrich von Bayreuth. Die Markgräfin widmete sich intensiv der Kunst und schuf sich einen Musenhof, der europaweit ausstrahlte und die bedeutendsten Kunstschaffenden ihrer Zeit in Bayreuth versammelte. Wilhelmine starb am 14. Oktober 1758 im Neuen Schloss in Bayreuth und wurde in der Schlosskirche beigesetzt.