Stadt Bayreuth

20.09.2016

Wirtschaft im Visier von Cyberkriminellen

IHK rüstet mit Know-how und Wissensaustausch gegen Hacker auf / „Cyber Incident Response Team“ zentrale Anlaufstelle für alle Betroffenen in Oberfranken

Immer häufiger werden Unternehmen zur Zielscheibe von Cyberkriminellen. Betroffene finden in Oberfranken jetzt eine zentrale Anlaufstelle: IHK für Oberfranken Bayreuth, Handwerkskammer und Polizei vernetzen sich mit weiteren Partnern zum „Cyber Incident Response Team“.

Der Chef eines mittelständischen Unternehmens schickt von unterwegs seiner Sekretärin per Smartphone eine E-Mail und bittet sie, im Rahmen einer bevorstehenden Fusion drei Millionen Euro auf ein Bankkonto in Hongkong zu überweisen. Doch die Mail war von Hackern gefälscht, die drei Millionen Euro sind weg. Oder: Ein Unternehmen entwickelt eine Innovation. Wenige Tage vor dem Roll-Out stellt der größte Konkurrent ein fast identisches Produkt vor. Zufall? Nein, vielmehr hat sich ein Mitarbeiter etwas dazu verdient und dem Konkurrenten alle Unterlagen zum Projekt zukommen lassen. Vorkommnisse wie diese sind kein Einzelfall. Mehr als ein Drittel aller Unternehmen wird jedes Jahr Opfer einer digitalen Straftat – Tendenz steigend. Für betroffene Unternehmer hat die IHK für Oberfranken Bayreuth jetzt ein neues Angebot geschaffen: Zusammen mit der Handwerkskammer, dem Polizeipräsidium Oberfranken, dem Cyber-Allianz-Zentrum des Landesamtes für Verfassungsschutz, der Zentralstelle Cybercrime Bayern und der Allianz für Cybersicherheit bildet sie das „Cyber Incident Response Team“, kurz: CIRT.

„CIRT setzt an zwei Stellen an: präventiv, wenn Unternehmen ihr Risiko reduzieren wollen, unterstützt es mit Informationen, Fachveranstaltungen, einem Newsletter, Workshops und Beratungen“, erklärt Rolf Brilla, stellvertretender Vorsitzender des IHK-Gremiums Marktredwitz-Selb und Geschäftsführer der ProComp Professional Computer GmbH. „Ist der Schadensfall bereits eingetreten, vermittelt das Netzwerk schnell den richtigen Ansprechpartner. Sei es bei der Polizei oder bei IT-Unternehmen, die dann helfen, den Schaden zu minimieren.“

Leider unterschätzen viele Unternehmen die Gefahr durch Cyberkriminalität nach wie vor. „Wer die Absicherung seiner IT-Systeme stiefmütterlich behandelt, ist wird schnell zum Ziel von Hackern, die die erfolgreichen und innovativen mittelständischen Unternehmen in Oberfranken als zahlungskräftige Opfer entdeckt haben“, so IHK-Hauptgeschäftsführerin Christi Degen. Von Angriffen betroffene Geräte können, neben dem klassischen Büro-PC, auch Smartphones, Tablets und Notebooks sein. „Die zunehmende Vernetzung der Geräte vergrößert auch die Angriffsfläche, wenn diese nicht abgesichert werden“, erklärt Degen.

Die Dunkelziffer ist hoch. Wenn aber viele Unternehmen schweigen, anstatt sich untereinander auszutauschen, spielt das den Kriminellen in die Karten. Das „CIRT“ will daher auch die Unternehmen untereinander vernetzen, Best-Practice-Beispiele und Erfahrungen austauschen, sowie aktuell über Gefahren per Newsletter informieren – denn die Methoden der Angreifer ändern sich ständig. Brilla: „Unternehmen sollten nicht nur Schadensbegrenzung betreiben, wenn es schon zu spät ist, sondern von vorneherein in eine sichere IT-Infrastruktur investieren. Dafür ist es ganz unerlässlich, Management und Mitarbeiter gleichermaßen zu sensibilisieren, und IT-Beauftragte zum Erfahrungsaustausch an einen Tisch zu bringen.“ Gleichwohl, betont er, werden Anfragen und Hilferufe von betroffenen Unternehmen selbstverständlich mit größter Diskretion behandelt.

Ansprechpartner bei der IHK ist Peter Wilfahrt, Tel.: 0921/886-470, cirt@bayreuth.ihk.de. Weitere Informationen gibt es unter www.cirt-oberfranken.de.

Quelle: Pressemitteilung der IHK für Oberfranken Bayreuth