Stadt Bayreuth

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28.01.2009

Zuschuss für Kauf von Mehrwegwindeln

Stadt und Landkreis Bayreuth werben fürs Wickeln mit Mehrwegwindeln

Plakat zur Mehrwegwindel-Aktion von Stadt und LandkreisAls effektive Maßnahme zur Abfallvermeidung fördern Stadt und Landkreis Bayreuth das Wickeln mit Mehrwegwindeln und bieten einen Zuschuss zu deren Kauf an. Das Angebot rechnet sich, da durch die Verwendung von Mehrwegwindeln Abfall vermieden wird und den Gebietskörperschaften damit Entsorgungskosten erspart bleiben. Der Zuschuss unterstützt Eltern bei der Anschaffung umweltfreundlicher Windeln und trägt dazu bei, familienfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen. 

Wie Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl und Landrat Hermann Hübner jetzt bei einem Pressetermin erläuterten, sind sowohl in der Stadt als auch im Landkreis Bayreuth die Antragstellungen in den letzten Jahren zurückgegangen. Der Windelzuschuss wurde im Lauf des Jahres 1996 eingeführt. 1997 betrug die Quote der Neugeborenen, für die ein entsprechender Antrag gestellt wurden, sechs Prozent, zehn Jahre später ist es nur noch ein Prozent.

Dies hat vor allem folgende Gründe:

  • Einwegwindeln werden mit einem enormen Werbeetat von der Industrie beworben.
  • Die Werbemaßnahmen für das Zuschussprojekt waren besonders bei der Einführung im Jahr 1996 sehr umfangreich und wurden seitdem nicht mit dieser Intensität fortgeführt.
  • Während Einwegwindeln nahezu überall erhältlich sind, hat die Zahl der Fachgeschäfte für Mehrwegwindeln abgenommen. Wickeln mit Mehrwegwindeln erfordert Beratung und kompetente Verkäufer.
  • Es besteht das Vorurteil, Mehrwegwindeln seien schwierig zu handhaben, was sich auf die früher üblichen Baumwolltücher bezieht, in Bezug auf die neue Generation von Mehrwegwindelhöschen jedoch nicht haltbar ist.

Für 2009 sind daher nach Angaben von Landrat und Oberbürgermeister unter dem Dach von „let’s go mehrweg“, der gemeinsamen Kampagne zur Abfallvermeidung von Stadt und Landkreis Bayreuth, umfassende Werbeaktionen für Mehrwegwindeln geplant.

Beim Pressetermin zeigten Landrat Hübner (links) und Oberbürgermeister Dr. Hohl, wie einfach das Wickeln mit modernen Mehrwegwindeln ist.


Strategie

Da es vorteilhaft ist, wenn sich Eltern bereits vor der Geburt des Kindes dafür entscheiden, später einmal Mehrwegwindeln zu verwenden, sind schwangere Frauen und werdende Väter die Hauptzielgruppe. Für diese Zielgruppe wurden neue Werbematerialien entwickelt, die über die Abfallberatungsstellen von Stadt und Landkreis verteilt werden. Als weitere Multiplikatoren sollen Hebammen, GeburtsvorbereiterInnen, FrauenärztInnen und Kliniken, KinderärztInnen, die staatliche Schwangerenberatung, Elternzentren sowie Verkaufsstellen für Mehrwegwindeln gewonnen werden.

Alle Neugeborenen in der Region Bayreuth erhalten die Begrüßungstüte des Lokalen Bündnisses für Familien, in der auch der Informationsflyer zu Mehrwegwindeln enthalten ist. Darüber hinaus werden auf Radio Mainwelle spezielle Rundfunkspots gesendet.

Werbematerialien

Die wesentlichen Argumente für Mehrwegwindeln und eine Wickelanleitung finden sich in einem Flyer, der durch ein entsprechendes Plakat ergänzt wird. Detaillierte Informationen zum Thema werden auf der Internetseite www.lets-go-mehrweg.de zur Verfügung gestellt. Dort und auf den Internetseiten der Stadt sowie des Landkreises kann man sich die Anträge für den Zuschuss herunterladen.

>> Hier geht’s zum Antragsformular für Mehrwegwindeln

Höhe des Zuschusses und Zuschussvoraussetzung

Um auch den finanziellen Anreiz zu erhöhen, wurde Anfang 2009 die Höhe des Zuschusses von 20 auf 25 Prozent der Kaufsumme angehoben. Maximal wird nun pro Kind ein Zuschuss von 60 Euro ausbezahlt. Um den Zuschuss zu erhalten, müssen ein Antrag ausgefüllt und als Belege eine Kopie der Geburtsurkunde des Kindes und das Original der Kaufquittung beigefügt werden. Die Zuschussvoraussetzungen und die Höhe des Zuschusses sind in Stadt und Landkreis Bayreuth identisch.

Vorteile von Mehrwegwindeln

Etwa vier bis sechs mal täglich wird jedes Wickelkind gewickelt. Und das ca. zwei bis dreieinhalb Jahre lang. Für die in diesem Zeitraum anfallenden Einwegwindeln muss laut Stiftung Warentest mit Kosten von 1.000 bis 2.000 Euro gerechnet werden. Eine Komplettausstattung mit hochwertigen Mehrwegwindeln kostet dagegen nur ca. 350 Euro; mit dem Zuschuss der Stadt bzw. des Landkreises Bayreuth sogar nur 290 Euro. Selbst wenn man die Kosten für Waschmittel, Wasser und Waschmaschine mit einbezieht, bleiben Mehrwegwindeln deutlich billiger. Und mit Mehrwegwindeln sparen Eltern doppelt, da die Windeln beim zweiten Kind weiter verwendet oder auf dem Secondhand-Markt weiterverkauft werden können.

Allein in der Region Bayreuth fallen jährlich ca. 2.400 Tonnen Windelabfälle an. Jedes mit Einwegwindeln gewickelte Kind verursacht über die gesamte Wickelzeit gerechnet eine Tonne Windelmüll. Dies entspricht etwa einem zusätzlichen 50 Liter Müllsack pro Woche und Wickelkind.

Weitere Vorteile

Babys werden mit Mehrwegwindeln automatisch breit gewickelt, was die gesunde Entwicklung der Hüfte unterstützt. Und mit Stoff gewickelten Kindern wird der Zusammenhang zwischen Nass-Sein und Nass-Machen schneller bewusst. Dadurch wird Kindern das Sauber-Werden erleichtert. Der Umstieg auf Mehrwegwindeln kann auch bei Windeldermatitis Abhilfe schaffen: „Manche Babys vertragen waschbare Mehrwegwindeln auf Dauer einfach besser“ (Stiftung Warentest 01/2005).

Die Ökobilanz von Windeln

Zahlreiche Studien sind der Frage nachgegangen, ob Stoffwindeln ökologischer sind als Wegwerfwindeln. Eine eindeutige Antwort darauf steht aus, weil es keine vom Umweltbundesamt anerkannte Ökobilanz von unabhängiger Seite gibt. Zu verschieden sind die Ansätze und Annahmen, mit denen die Studien arbeiten. Das fängt schon bei der Zahl der Wegwerfwindeln an, die täglich auf dem Müll landen. Sind es pro Kind und Tag vier, fünf oder sechs? Eine amerikanische Studie geht gar von 9,6 Windelwechseln pro Tag aus. Und wie lange dauert es, bis der Nachwuchs auch nachts trocken ist? Wird nur die Windel als Abfall berechnet oder Windel samt Inhalt, der ja auch in Stoffwindeln anfällt? Eine produktvergleichende Ökobilanz kann also genau das nicht leisten, was viele von ihr erwarten, nämlich eines der Produkte pauschal als umweltfreundlicher einzustufen.

Einige Aspekte stehen jedoch fest:

  • Hinsichtlich der Abfallmengen ist die Mehrwegwindel auf jeden Fall Umweltsieger.
  • Nicht nur beim Waschen von Mehrwegwindeln, sondern auch bei der Produktion von Einwegwindeln wird Energie verbraucht und das Abwasser belastet.
  • Eltern, die mit Mehrwegwindeln wickeln, können die Umweltbilanz durch eigenes Zutun noch positiver gestalten: Beispielsweise durch Verzicht auf einen Wäschetrockner, durch Verwendung von solar erwärmtem Wasser für die Waschmaschine oder durch den Kauf von Windeln aus biologisch angebauter Baumwolle.

Stadt und Landkreis Bayreuth hoffen, dass viele junge Familien das Angebot der Bezuschussung von Mehrwegwindeln in Anspruch nehmen und damit einen wichtigen Beitrag zur Abfallvermeidung leisten.