Stadt Bayreuth

02.08.2019

Festival Junger Künstler: Heimat. Liebe. Fremde

450 Teilnehmer aus 30 Nationen arbeiten im Bandcamp, Crossed Over und Orchester

Unter dem Generalthema Heimat. Liebe. Fremde. startet das 69. Festival junger Künstler Bayreuth, das älteste Festival Europas, am Freitag, 2. August, im Europasaal des Jugendkulturzentrums in den Festspielsommer 2019. 450 Teilnehmende aus 30 Nationen arbeiten vier Wochen in Bayreuth im Bandcamp, Crossed Over und Orchester in zwölf Workshops der Festival-Akademie. Darunter auch Musiker aus Israel und arabischen Ländern. Sie stellen im August zusammen mit vielfach ausgezeichneten Artists in Residence über 80 Konzerte, Events und Open Airs auf die Bühne.

Das 69. Festival Junger Künstler Bayreuth steht unter dem Generalthema Heimat. Liebe. Fremde. Es beginnt am Freitag, 2. August. | Foto: Festival Junger Künstler Bayreuth

Heimat. Liebe. Fremde. – Drei große Begriffe, die schwer zu fassen sind. „Heimat muss man zunehmend neu definieren. Wie lässt sich ein gemeinsamer Dialog finden?“, fragt Intendantin Dr. h. c. Sissy Thammer und liefert auch gleich die Antwort: „Die Liebe zur Musik eint uns alle und bietet eine künstlerische, kulturelle und emotionale Heimat“. Eine große dramaturgische Idee, ein langer roter Faden, der sich nach Dr. Vladimir Ivanoffs Idee durch das gesamte Programm zieht. Die Auseinandersetzung mit Heimat und Fremde ist dem künstlerischen Gesamtleiter seit Langem wichtig. Er lenkt den Blick auf Verbindungen zwischen Orient und Okzident, Judentum, Christentum und Islam, auf vergangene Kulturen, und schafft Neues, Unerhörtes!

Bandcamp Heimat ³

Mit Bandcamp Heimat³ wird in diesem Jahr ein ganz besonderes Projekt umgesetzt: Es sind aus Syrien stammende Musiker, die heute in ihrer neuen Heimat Deutschland erfolgreich Herzen öffnen für ihre musikalische Heimat, nämlich die arabische Musiktradition. Sie begegnen Bayern, die die Tradition bayerischer Volksmusik auf das Lebendigste in die Zukunft entwickeln, aber auch bayerischen Cowboys, die ihr Herz an amerikanischen Bluegrass und Country Music vergeben haben. Diese Musikgattungen gehen weit über Musik hinaus, sie sind Lebensstil und Lebensart: Die tiefe Sehnsucht nach der eigentlichen Heimat beschwört die Mythen und die Musik des Wilden Westens, einem Raum, der offen war für alle Träume – „The Big Country“. Dazu gesellen sich traditionelle Musiker aus dem „Wilden Osten“, der unendlichen Weite Turkmenistans, die nach neuen Wegen ihrer Tradition suchen. Ivanoff stellt die spannende Frage: „Was wohl für eine Musik entsteht, wenn sich dieses bunte Volk am Lagerfeuer des Bandcamps trifft?“ In der Bayreuther Panzerhalle treffen am 13. August mit dem Bandcamp Heimat3 arabisch-mediterrane Musiker auf amerikanisch-bayerische Countrymusik. Und noch einmal ist das Bandcamp zu erleben am 15. August in der Bayreuther Ordenskirche mit „Pilgerpfade ins Paradies …“, einem musikalischen Weg der Begegnung für Musiker und Publikum.

Das Crossed Over Orchestra

Bei dem Workshop „In 80 Minuten um die Welt“ – das Crossed Over Orchestra unter der Leitung von Prof. Rudolf Haken aus den USA begegnet Klassik Rock und Jazz. Hier bietet sich jungen Orchestermusikern die Gelegenheit, Musik der größtmöglichen Vielfalt von Stilen zu entdecken, und dieses Crossover in eine Musik zu integrieren: Klassik, Hip-Hop, Jazz, Rock und Volksmusik aus aller Welt sind einbezogen, elektroakustische Klänge ebenso! Eine unerhörte Synthese! Junge Musiker aus Israel, Turkmenistan, Rumänien, Deutschland und Tunesien spielen Ländler, chinesischen Hip-Hop, amerikanische Indianertänze, persische Gesänge und Klezmer – eine unvergessliche Reise in die Musikwelt.

Orchester und Probenarbeit

Traditionell bietet das Festival die Möglichkeit zu intensiver Probenarbeit in großen und kleinen Besetzungen, dazu die Chance, die Ergebnisse der Arbeit in den Workshops einem geeigneten und neugierigen Publikum vorzustellen, Erfahrung auf ganz verschiedenen Podien zu machen und die Heimat auf Zeit zu erkunden! Mit Spannung wird in diesem Festspielsommer die Arbeit mit einem Shootingstar der internationalen Dirigentenszene, der jungen Ukrainerin Oksana Lyniv, erwartet.

In ihrer Zeit als Chefdirigentin der Grazer Philharmonie und der Oper Graz klang das musikalische Echo ihrer Arbeit rasch in die internationale Musikwelt. Oksana Lynivs Dirigat – das ist ungeheure Energie und Kraft, das ist Konzentration und Herz! Streng und enthusiastisch arbeitet sie mit den jungen Musikern des Ukrainian Youth Symphony Orchestra, das sie nach dem Vorbild des Bundesjugendorchesters in ihrer Heimat gegründet hat.

In den Orchesterkonzerten ist Oksana Lyniv am 16. August in der Bayreuther Panzerhalle und am 18. August im Kloster Speinshart zu erleben. Die jungen Musiker werden zu hören sein mit Rimsky-Korsakovs Scheherazade und Franz Liszts Konzert Nr. 1 für Klavier und Orchester, mit Werken von Ludwig van Beethoven, Vitalij Hubarenko und Jewgen Stankowitsch.

Workshop „Ton für Ton“

Musikaufzeichnungen sind die Visitenkarten heutiger MusikerInnen, schaffen ihr Image für ein globales Publikum. Für eine gute Musikproduktion sollten Musiker und  Musikproduzenten eine gemeinsame Sprache beherrschen. Die Menschen vor und die Menschen hinter den Mikrofonen haben das gleiche Ziel: eine überzeugende Aufnahme überzeugend gespielter Musik. Sie fokussieren sich jedoch auf unterschiedliche Inhalte: Musiker auf spieltechnische Perfektion und Toningenieur auf die perfekte technische Aufnahme.

In diesem Workshop soll eine gemeinsame Sprache erlernt werden, es soll sich bewusst Zeit genommen werden für Reflexion und Kommunikation – eben „Von Ton zu Ton“. Es ist ein Versuch, gemeinsamen Boden zu finden! Die Tonmeisterin Prof. Dagmar Birwe und der Musikwissenschaftler und Produzent Dr. Vladimir Ivanoff leiten diesen Workshop in dem Oksana Lyniv das nationale Jugendsymphonieorchester der Ukraine dirigiert.

Auch das ist neu: Besucher sind bei diesem Workshop als (stilles) Publikum willkommen. Was sich sonst hinter schalldichten Türen verschließt, kann beobachtet werden, das gemeinsame Arbeiten von Medientechnikern und Musikern kann erlebt werden! Anmeldung zu „Ton für Ton“ ist erforderlich unter Telefon 0921 9800444 oder info@YoungArtistsBayreuth.com.

Ein Netz von Musik über Stadt und Land

Neues und Unerhörtes, Klassisches und Traditionelles: All das wird in über 80 Konzerten zu hören sein. In Rathaussälen und Kirchen, in Fabrikhallen und bei Open Airs zeigen die Musiker und Sänger aus aller Welt ihr Können und stellen dabei auch die Kunst ihrer Heimat vor. „Klassik am Fichtelsee“, Open Airs, „Pilgerpfade ins Paradies …“ – Musik in den Markgrafenkirchen, die Sommerkonzerte im Kloster Speinshart und vieles mehr …

Darüber hinaus findet ein Workshop Ton- und Aufnahmetechnik statt. Hier erstellen junge angehende Ingenieure der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf CDs für das Festival unter der Leitung von Prof. Dagmar Birwe.

Für die Festspielkinder gibt es in diesem Jahr wieder ein Education-Projekt, bei dem zwei Workshops konzipiert sind: Zwei Mal der Theaterworkshop „Von Ochsen auf Dächern“ von und mit Regisseur Maximilian Ponader und ein Trommel-Workshop – „Feel the Beat“ unter der Leitung von Amjad Sukr.

Das erfolgreiche Bildungsprojekt „Stepping Stone“ wird auch 2019 fortgesetzt. „Stepping Stone“ ist die einzigartige Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis. Hier können Studenten sowohl Lerneinheiten in Kulturmanagement absolvieren, als auch Verantwortung in der Organisation des Festivals übernehmen. Sie organisieren das Festival zusammen mit Seniorpartnern für die jungen KünstlerInnen. Studenten erhalten für die Teilnahme an „Stepping Stone“ bis zu 6 ECTS Punkte für ihr Studium – dies erhöht noch einmal die Attraktivität des einzigartigen Bildungsprogramms – ein Alleinstellungsmerkmal des Festivals!

Das Festival junger Künstler Bayreuth ist als „Probebühne und Werkstatt“ ein Ort des internationalen Austausches und der Begegnung, des interkulturellen Lernens und des gemeinsamen Arbeitens, des Dialogs mit bedeutenden Künstlern, ein Forum für das Neue und das Experiment in der Kunst. Ein utopischer Ort, an dem Herkunft und Grenzen keine Rollen spielen – hier entstehen Räume und Möglichkeiten, trotz verschiedener Identitäten eine Gemeinschaft zu bilden.

Alle Konzerte findet man auf der Homepage www.Vorsicht-Leidenschaft.de.

Quelle: Festival Junger Künstler Bayreuth