Stadt Bayreuth

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29.03.2018

“Ich lasse mich nicht zermahlen!!!”

Richard Wagner Museum zeigt eine “Intervention” in seiner Dauerausstellung zu Friedelind Wagner

Das Richard Wagner Museum Bayreuth zeigt vom 30. März bis 27. Mai unter dem Titel „Ich lasse mich nicht zermahlen!!! – Friedelind Wagner und Bayreuth“ eine „Intervention“ zu Friedelind Wagner im Rahmen seiner Dauerausstellung im Siegfried-Wagner-Haus. Der Eintritt ist im regulären Museumspreis inbegriffen. Die Ausstellung ist jeweils Dienstag bis Donntag von 10 bis 17 Uhr zu sehen.

Friedelind Wagner, die älteste Tochter von Richard Wagners Sohn Siegfried und dessen Frau Winifred, war eine der prominentesten Vertreterinnen der Opposition gegen die Festspiele als „Hitlers Hoftheater“ und die begeisterte Schützenhilfe aus Wahnfried. Sie hat bewiesen, dass man als „Wagner“ durchaus kein Nationalsozialist sein musste. Am 29. März 2018 wäre sie 100 Jahre alt geworden.

„Ich lasse mich nicht zermahlen!!!“ schrieb Friedelind Wagner am 6. November 1939 in einem Brief an ihre Tante Daniela Thode. Sie verkörpert mithin einen bedeutsamen Kontrapunkt gegen den Geist, der sich exemplarisch im Siegfried-Wagner-Haus manifestierte. Von Jugend an gab sie das „schwarze Schaf“ in der Familie und ging nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 im Alter von erst 21 Jahren ins entbehrungsreiche amerikanische Exil. Es ist indessen schwer zu beurteilen, ob der endgültige Bruch mit Wahnfried vor allem politischen Überzeugungen entsprang oder in höherem Maße ihrer notorischen Daueropposition gegen die Mutter und ihrer Außenseiterrolle in der Familie. In jedem Fall wurde Friedelind Wagner, inzwischen amerikanische Staatsbürgerin, nach ihrer Rückkehr nach Bayreuth 1953 als „Verräterin“ beschimpft.

Das Siegfried-Wagner-Haus symbolisiert in besonderer Weise die nationalsozialistische Inanspruchnahme Wagners und der Bayreuther Festspiele. Von 1936 bis 1940 beherbergte Winifred Wagner dort Adolf Hitler während seiner Festspielbesuche. Sie selbst lebte darin bis zu ihrem Tod 1980. Dieser historisch in besonderer Weise kontaminierte Ort ist heute Schauplatz der Dokumentation und Darstellung der Ideologiegeschichte Wagners, der Bayreuther Festspiele und der Wahnfried-Familie vor und während des „Dritten Reichs“.

(Quelle: Richard Wagner Museum Bayreuth)