Stadt Bayreuth

11.03.2019

Kunstmuseum Bayreuth wird 20 Jahre alt

Museum zeigt zum 20. Geburtstag Ausstellungen aus seinen Sammlungen – Teil 1: „Platons Erben“

Das Kunstmuseum Bayreuth wird 20 Jahre alt: Aus diesem Anlass zeigt es im Jahreslauf 2019 mehrere Ausstellungen aus seinen Sammlungen. Die erste präsentiert ab sofort bis 19. Mai Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern der Moderne, die ihr Werk der Abstraktion, Konkretion und Konzeption widmeten. Die Moderne gilt als Symbol für den technischen und intellektuellen Aufbruch in eine neue Zeit. Die Kunst dieser Zeit ist untrennbar mit diesen gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden. Zwischen den Kriegen begleiteten viele, vor allem abstrakt arbeitende Künstler den Aufbruch in eine neue Gesellschaftsform mit pädagogischen Konzepten für eine neue Kunst – und für einen neuen Menschen.

Diethelm Koch Zylinderstück XXVII 1996, Holz (Buche) Grauguss, zweiteilig 63 x 95 x 63 cm Diethelm Koch Schenkung | Foto: Kunstmuseum Bayreuth
Diethelm Koch Zylinderstück XXVII 1996, Holz (Buche) Grauguss, zweiteilig 63 x 95 x 63 cm Diethelm Koch Schenkung | Foto: Kunstmuseum Bayreuth

Oft wird die Kunst der Moderne mit der Entwicklung “ungegenständlicher“ Kunst gleichgesetzt, also einer Kunst, die sich dem Abbild der Wirklichkeit und einer Narration von Geschichte und Geschichten verweigert. Allerdings lässt sich mit Recht fragen, ob es eine bildende Kunst ohne Gegenstand überhaupt geben kann? Vertreter der abstrakten, konkreten und auch konzeptionellen Kunst stellen Fragen an den schöpferischen Prozess, an die Wahrnehmung der Wirklichkeit und an das Bild. Es geht – wie schon in Platons Höhlengleichnis – um grundsätzliche Wahrnehmungsfragen. Was ist sichtbar, was bleibt unsichtbar? Kann man das Unsichtbare erfahren, gar sichtbar, erfahrbar machen? Es sind dies Fragen nach der Realität ebenso wie nach dem Realismus in der Kunst. Josef Albers‘ programmatische Antwort – „I want to open Eyes“ – auf die Frage einer seiner amerikanischen Studenten nach seinem Konzept reflektiert dies.

Erstmals gemeinsame Ausstellung bekannter Künstlerinnen und Künstler

In den Sammlungen des Kunstmuseum Bayreuth gibt es eine Reihe von Werken von bekannten Künstlerinnen und Künstlern abstrakter, konkreter und konzeptioneller Kunst, die noch nie gemeinsam ausgestellt wurden. Ausstellung und Publikation lassen diese Werke nun erstmals zusammen sichtbar werden.

Die Sammlungen des Museums

In der Dr. Helmut und Constanze Meyer Kunststiftung und in der Prof. Dr. Klaus Dettmann Kunststiftung Arbeiten finden sich Werke der Bauhäusler Josef Albers, Lyonel Feininger, Johannes Itten, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Eugen Batz, Max Bill, Werner Gilles, Ida Kerkovius und Fritz Winter. In Düsseldorf unterrichtete Klee neben Batz auch Hubert Berke, Théo Kerg und Georg Jakob Best, dessen Stiftung der Tochter Viola Schweinfurter im Museum bewahrt wird. Hinzu kam 1932 Caspar Walter Rauh, dessen Sammlung der Oberfrankenstiftung das Kunstmuseum Bayreuth bewahrt.

Mit der so genannten „Stunde null“ erhielt die Abstraktion in der Kunst nach 1945 insgesamt eine neue Bedeutung, galt es doch nun noch einmal, eine neue Kunst für eine neue Gesellschaft und eine neue Welt zu erfinden. Von Max Ackermann bis zu Ossip Zadkine gibt es in den Museumssammlungen zahlreiche Vertreter, die an die Abstrakte Kunst der Zwischenkriegszeit anknüpften und diese weiterentwickelten. Zahlreiche junge Künstlerinnen und Künstler beschäftigten und beschäftigen sich mit den Strukturen der Welt, indem Sie sich ästhetisch mit den platonischen Körpern auseinandersetzten.

Hierzu gehören in den Sammlungen des Kunstmuseum Bayreuth zum Beispiel Gerhard Frömel, Winfried Gaul, Otto Herbert Hajek, Erwin Heerich, Diethelm Koch, Georg Karl Pfahler, HD Schrader, Kurt Teuscher. Andere – wie Helmut Bruch, Peter Weber, Raimund Girke, Ulrich Behl oder Ludwig Gebhard – untersuchen das Phänomen von Licht und Schatten, wieder andere – wie Max Ackermann, Josef Albers, Rupprecht Geiger, Diet Sayler, Piero Dorazio, Ernst Wilhelm Nay, Otto Herbert Hajek, Günter Fruhtrunk oder Kurt Teuscher widmeten ihr Werk – zumindest in wichtigen Werkphasen – der Farbe. Und wieder andere verstanden und verstehen konkrete Kunst als Konzept-Kunst, darunter wäre auch die so genannte Optical Art zum Beispiel von Victor Vasarely oder Bridget Riley oder auch das Werk von Brian O’Doherty und Ugo Dossi zu rechnen.

Fachsymposium und Begleitprogramm

Zur Ausstellung erscheint eine wissenschaftliche Publikation mit Texten von Heidi Bierwisch, Uwe Haupenthal und Marlene Lauter. Ein Fachsymposium zum Thema „Konkrete Kunst heute“ ergänzt ein umfangreiches Vermittlungsprogramm.

Platon war davon überzeugt, dass sich die Welt weder als Begriff, noch als Nachbildung, noch durch Beschreibung begreifen lässt, sondern nur durch Kombination von Begriff, Bild und Beschreibung und im Dialog – als jeweils ganz persönliche Erfahrung, ergänzt durch die Kombinationsgabe der Vernunft. Vielleicht hilft uns die nicht abbildende Kunst unserer Zeit dabei, die Augen zu öffnen, wie Albers es wollte.

(Quelle: Kunstmuseum Bayreuth)

Kunstmuseum Bayreuth

Das Kunstmuseum Bayreuth wurde im Dezember 1999 eröffnet – es wird in diesem Jahr 20 Jahre alt. Seinen Scherpunkt und sein Profil fand das Museum in der Moderne, die hier vor allem mit Werken auf Papier gesammelt wird. Denn in diesem Medium werden Ideen vorbereitet und ausgeführt. Viele Künstlerinnen und Künstler waren und sind fasziniert von dem Material, weil es Auflagenobjekte ermöglicht, die die eigenen Ideen einer größeren Öffentlichkeit kostengünstig zugänglich machen kann.

Das Kunstmuseum Bayreuth begann mit der Dr. Helmut und Constanze Meyer Kunststiftung, der Caspar Walter Rauh Sammlung der Oberfrankenstiftung und der Georg Tappert Schenkung. Hinzu kamen in diesen 20 Jahren die Professor Dr. Klaus Dettmann Kunststiftung, die Voith von Voithenberg Stiftung und die Georg Jakob Best Kunststiftung Viola Schweinfurter. Mehr als 30 Künstler-und Sammlerschenkungen ergänzten diese wie auch das „Kleine Plakatmuseum“ mit ca. 20.000 Plakaten.