Stadt Bayreuth

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02.08.2018

Roots to the Future. Reloaded

Künstler aus aller Welt kreieren beim 68. Festival junger Künstler Bayreuth Musik, die von der Tradition in die Zukunft führt

Unter dem Motto „Roots to the Future. Reloaded” fällt am 2. August im Europasaal der kulturellen Begegnungsstätte „Das Zentrum“, der Startschuss für das 68. Festival Junger Künstler Bayreuth. 560 Teilnehmende aus 34 Nationen veranstalten in diesem Sommer 88 Konzerte, Events und Open Airs. Das Thema „Wurzeln in die Zukunft“ vom letzten Jahr wird wegen seines großen Erfolgs wieder aufgegriffen und fortgeführt. „Musikalische Wurzeln sind miteinander vernetzt, sie bilden bisweilen ein kraftvolles Geflecht, das wir beim Festival weiter entwickeln“, erläutert Intendantin Dr. Sissy Thammer.

Festival junger Künstler Bayreuth

Am 2. August fällt der Startschuss für das diesjährige Festival junger Künstler Bayreuth.

So wird beispielsweise Claudio Monteverdis Marienvesper unter Leitung des schwedischen Dirigenten Fred Sjöberg beim Festival neu erarbeitet. Im Jahr 1610, als die Papst Paul V. gewidmete Komposition veröffentlicht wurde, war ein derartiges Sakralwerk mit Einbindung marianischer Texte noch ein Novum. Instrumental wie vokal ging Monteverdi damals ungewohnte Wege: die Geburtsstunde von Oper und Oratorium. Heute werden seine Arbeiten hochgeschätzt – als ein Meilenstein der abendländischen Musiktradition am Übergang von der Renaissance zum Barock.

Beim Programm „Passio – Compassio. Leidenschaft und Leiden“ – spielt die Barockzeit ebenfalls eine wichtige Rolle. Das Konzert verquirlt Passionsmusiken mit Ethnoklängen und Jazz. Johann Sebastian Bach und Kurt Weill treffen auf Lieder aus dem Morgenland. Dr. Vladimir Ivanoff, künstlerischer Leiter des Ensembles Sarband und in Personalunion Lautenspieler, Percussionist, Musikwissenschaftler, Produzent und Tonsetzer hat den musikalischen Leckerbissen mit Teilnehmern aus dem Nahen Osten und Europa arrangiert, um dem Mitgefühl, der Compassio, in Zeiten nationalistischer Verrohung neues Leben einzuhauchen: Orient meets Occident.

Kulturschaffende aus aller Welt

Außer diesen beiden Leuchtturmprojekten setzt das Festival junger Künstler Bayreuth auch in diesem Jahr wieder auf das bewährte Miteinander unterschiedlichster Künstler und Kulturschaffender aus aller Welt – auf der Suche nach neuen ästhetischen Formaten. Qualität und das gemeinsame Erleben beim künstlerischen Schaffensprozess stehen dabei im Mittelpunkt.

Ein musikalisches Psychogramm zum 100. Geburtstag von Richard Wagners Enkelin Friedelind hat Claus J. Frankl zusammengestellt und präsentiert es zusammen mit Ensemblemitgliedern des diesjährigen Festival junger Künstler Bayreuth. Titel der Szenencollage: „Friedelind: Eine Wagner!“ Das Stück führt in die jüngere deutsche Geschichte und ist eine theatralische Reise in die Seelenzustände einer faszinierenden Frau, die als Autorin, Journalistin, Pädagogin und Kulturmanagerin tätig war, aber von ihrer Familie als enfant terrible betrachtet wurde. Das Überraschende: Friedelind Wagner begegnet als einsame und mittellose Emigrantin in einer New Yorker Nachtbar unter anderem ihren Eltern Siegfried und Winifred Wagner sowie dem Dirigenten Arturo Toscanini.

Pilgerpfade ins Paradies

Apropos Wagner: 70 Karten wurden für die jungen internationalen Gäste für einen Besuch der Wagner-Festspiele reserviert. Wen wundert‘s: Werkstattgespräche mit Künstlern vom Grünen Hügel haben beim Festival junger Künstler schon eine lange Tradition. Sicherlich kommt es auch diesmal wieder zu interessanten Begegnungen.

Als Veranstaltungsreihe neu im Programm: „Pilgerpfade ins Paradies“ – Musik in den Markgrafenkirchen. Die Besucher erleben die besondere Verbindung von Wort und Musik in einzigartigen Sakralbauten, beispielsweise der Aufseßer Schlosskirche, St. Michael in Weidenberg, der Klaussteinkapelle von Ahorntal, der Thurnauer St. Laurentius Kirche, der Dreieinigkeitskirche von Neustadt a. Kulm oder zwei Bayreuther Gotteshäusern.

Education-Projekt für Kinder

Technisch innovativ: Im Projekt Video 2018 drehen Leon Roskoni und Jan Luca Woratschek mit ihrem Team einen „Festivalfilm“ für Promotion und Dokumentation. Im Workshop Ton- und Aufnahmetechnik erstellen junge angehende Ingenieure der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf Filme und CDs für das Festival. Auch das gehört zum Festival!

Für Kinder gibt es in diesem Jahr sogar ein Education-Projekt mit Workshops, die sich auch an weniger Betuchte richten: Wir machen Hörtheater! „Die Bremer Stadtmusikanten“, Maestro Operino lädt ein zu einer Entdeckungsreise: „Was ist Oper?“ sowie ein Trommellabor für Groß und Klein.

Stepping Stones

Das gefragte Bildungsprojekt „Stepping Stone“ wird auch in diesem Jahr fortgesetzt: Eine einzigartige Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis. Hier können Studenten sowohl Lerneinheiten in Sachen Kulturmanagement absolvieren als auch Verantwortung bei der Organisation des Festivals übernehmen. Studenten erhalten für die Teilnahme an „Stepping Stone“ bis zu 6 ECTS (Europäisches System zur Übertragung von Studienleistungen) für ihr Studium – dies erhöht nocheinmal die Attraktivität und Wertschätzung dieses Bildungsangebotes. Der künstlerische Nachwuchs der Welt managed sein eigenes Festival!

Ein musikalisches Netz über die ganze Stadt

Auch beim 68. Festival sind wieder zahlreiche „Artists in Residence“ vertreten und spannen ein „musikalisches Netz“ über die ganze Stadt und Region Bayreuth. Zu den bekanntesten Gesichtern zählen diesmal Teresa Hoerl und Uwe Steger, das ausgezeichnete Klavierduo Görög Sisters oder das begehrte Duo Maelo mit Elodie Théry am Cello und Marija Bokor am Klavier. Vielfach ausgezeichnete internationale Künstler wie das Auckland Youth Orchestra Neuseeland – Teilnehmer bei „Young Euro Classic 2018“ –, ein Kammerorchester und ein Streichquartett der Musikakademie „Gheorghe Dima“ Cluj-Napoca setzen weitere Akzente. Aber auch ein Quintett aus Turkmenistan, ein Chinesisches Traditionelles Ensemble, das Ensemble Kabachok, Duo Allegria und Karl Magnus Jansson an der Orgel werden ihr Bestes geben. Aus Israel sind die „Holzbläser Tel Aviv“ zu hören. Liebhaber von Chören kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Der Knabenchor „Jazeps Medins” Riga ist ebenso mit von der Partie, wie der serbische Kammerchor aus Novi Sad und der Chor der Mazedonischen Universität Thessaloniki.

Als „Probebühne und Werkstatt“ ist das Festival junger Künstler ein Ort des grenzüberschreitenden Austausches und der Begegnung, des interkulturellen Lernens und des gemeinsamen Arbeitens, des Dialogs mit bedeutenden Künstlern, ein Forum für das Neue und Experimentelle in der Kunst. Ein utopischer Ort, an dem Herkunft und Grenzen keine Rollen spielen: ein Come together verschiedener Identitäten und Kulturen – mit Wagner gleich nebenan.

(Quelle: Festival junger Künstler Bayreuth)