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25.01.2019

Schwimmflügel ade – Stadtwerke erhöhen Zahl der Schwimmkurse

Viele Kinder können nicht richtig schwimmen – Stadtwerke stellen sich gegen diesen Trend

Thomas Schmeer arbeitet seit mehr als 20 Jahren bei den Stadtwerken Bayreuth als Leiter des Stadtbades. Wie seinen Kollegen ist auch ihm aufgefallen, dass heute zahlreiche Kinder mehr schlecht als recht schwimmen können. „Viele bewegen sich viel zu hastig, haben eine schlechte Lage im Wasser und man sieht, dass sie keine ordentliche Technik beigebracht bekommen haben“, sagt der 53-Jährige. Längere Strecken zu schwimmen oder sich auch im Notfall über Wasser halten zu können, sei für viele dieser Kinder seiner Einschätzung nach ein Problem.

Stadtwerke-Mitarbeiter Michael Hampel bringt dem fünfjährigen Corvin das Schwimmen bei.
Stadtwerke-Mitarbeiter Michael Hampel bringt dem fünfjährigen Corvin das Schwimmen bei.

Was Thomas Schmeer beobachtet, ist kein Bayreuther Phänomen. Nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) kann in Deutschland die Hälfte der Grundschüler nicht richtig schwimmen. Das hat dramatische Konsequenzen: 2017 ertranken laut DLRG in Deutschland insgesamt 14 unter Zehnjährige – im Jahr davor waren es 30 Kinder. Ertrinken ist in dieser Altersklasse eine der häufigsten Todesursachen. „Gott sei Dank ist in unseren Bädern noch nichts Schlimmes passiert“, sagt Harald Schmidt, Bäderleiter bei den Stadtwerken Bayreuth. „Wir setzen uns dafür ein, dass das auch so bleibt“, fügt er hinzu.

So bietet das Unternehmen seit einiger Zeit verstärkt Schwimmkurse im Stadtbad an. Haben früher im Durchschnitt 40 Kinder pro Jahr einen Kurs bei den Stadtwerken absolviert, waren es 2018 bereits rund 150 Kinder – hauptsächlich Fünf- und Sechsjährige. Dieses Jahr sollen es laut Schmidt noch mal mehr werden: Bis zu 200 Kursplätze bieten die Stadtwerke pro Jahr und oft gibt es auch noch kurzfristig freie Plätze. „Ein Geschäft machen wir damit allerdings nicht“, betont er. „Das wollen wir auch gar nicht. Uns geht es darum, dass wieder mehr Kinder ordentlich schwimmen lernen.“

Schwimmkurse bei den Stadtwerken Bayreuth

Ab Februar 2019 gibt es in den Schwimmkursen der Stadtwerke Bayreuth wieder freie Plätze. Ein Kurs besteht aus 15 Einheiten à 45 Minuten, dauert dreieinhalb Wochen und kostet pro Kind 159 Euro. Teilnehmer sollten mindestens fünf Jahre alt sein. Interessierte können ihr Kind unter der Telefonnummer 0921 600-382 bzw. unter der Mail-Adresse schwimmkurse@stadtwerke-bayreuth.de anmelden.

Erst Beinschlag, dann die Arme

Im Idealfall können die Kinder nach 15 Schwimmstunden eine Urkunde und das Seepferdchen-Abzeichen mit nach Hause nehmen. Auf ihrem Weg begleitet sie Stadtwerke-Mitarbeiter Michael Hampel, der sich bei den Stadtwerken hauptsächlich um die Schwimmkurse im Stadtbad kümmert. „Zuerst schaue ich, ob die Kinder mit dem Element Wasser vertraut sind“, sagt er. „Ich baue Vertrauen auf, damit sich die Kinder trauen, alleine ins Wasser zu springen.“ Erst dann beginne der eigentliche Schwimmunterricht.

Am Anfang stehen die Übungen für den Beinschlag. Wenn der sitzt, sind die Arme dran. „Und sobald beides passt, führen wir Arme und beide zusammen.“ Das sei Hampels Erfahrung nach eine Herausforderung für die Kinder, deren motorische Fähigkeiten in den vergangenen Jahren nachgelassen hätten. „Woran das liegt, kann ich nicht sagen. Aber man merkt, dass sich die Kinder mit dem Lernen schwerer tun. Man sieht das schon daran, dass ein Schwimmkurs früher nur zehn Stunden hatte.“ Umso wichtiger seien seiner Meinung nach die Hausaufgaben, die er den Kindern zur Überraschung vieler Eltern mitgibt. „Das Trainieren der Bewegungen ist das A und O. Ich sage den Kindern immer: Wenn ihr daheim viel übt, lernt ihr ganz schnell schwimmen.“ Dass ein Kurs viermal die Woche stattfindet und nach dreieinhalb Wochen abgeschlossen ist, trage ebenso dazu bei, die Lernkurve steil ansteigen zu lassen.

Wer das Seepferdchen nicht auf Anhieb schafft, bekommt den Frosch

Doch bevor die Kinder ihr Seepferdchen in Händen halten, müssen sie zeigen, was sie gelernt haben: Einmal vom Beckenrand ins Wasser springen, einen Ring aus schultertiefem Wasser holen und 25 Meter am Stück schwimmen. Das schaffen laut Stadtbadleiter Thomas Schmeer rund 80 Prozent der Kinder. Wer an einer Übung scheitert, bekommt auch kein Seepferdchen-Abzeichen, sondern nur das Frosch-Abzeichen. „Das hört sich vielleicht hart an, aber die Aufgaben sind unserer Meinung die Grundvoraussetzung, damit man sicher im Wasser unterwegs ist. Wir würden die Kinder und die Eltern sonst in falscher Sicherheit wiegen.“ Zumal es beim Seepferdchen mehr auf die ordentliche Technik ankommt. „Kinder, die gerade erst fünf geworden sind, sind meistens spargeldürr. Da reicht oft die Kraft für eine 25-Meter-Bahn einfach noch nicht. Aber die Technik dafür haben sie in jedem Fall.“ Und sobald dann die Kraft da ist, können sie die Prüfung im Stadtbad nochmal machen – natürlich kostenlos. Und danach? „Üben, üben, üben“, betont Thomas Schmeer, „denn was man mal gelernt hat, kann man auch wieder vergessen.“