Stadt Bayreuth

13.05.2019

Siegfried Wagner. Eine Spurensuche

Ausstellungsprojekt des Richard Wagner Museums aus Anlass des 150. Geburtstags Siegfried Wagners

Aus Anlass des 150. Geburtstags von Siegfried Wagner begibt sich das Richard Wagner Museum Bayreuth auf eine Spurensuche nach dem Sohn, Künstler, Festspielleiter und Menschen Siegfried Wagner. Die Ausstellung ist noch bis 26. Mai zu sehen. Siegfried Wagner (1869–1930) war vor allem von seiner Mutter Cosima als „Thronfolger“ und Bewahrer des väterlichen Erbes ausersehen. Trotzdem wäre es unangemessen und falsch, ihn nur als „Sohn von Berufs wegen“ zu bezeichnen.

Siegfried Wagner mit seiner Mutter Cosima, Fotografie 1911 | © Nationalarchiv der Richard-Wagner-Stiftung, Bayreuth

Mit Übernahme der Festspielleitung 1908 beginnt er mit den ersten zaghaften modernen Veränderungen der Inszenierungen. Vor allem das Licht wird unter Siegfried Wagner zum Gestaltungsmittel. 1924 gelingt ihm die Wiedereröffnung der Festspiele, die mit Beginn des Ersten Weltkrieges unterbrochen worden waren. Spätestens mit seiner Neuinszenierung des „Tannhäuser“ 1930 zeigt Siegfried Wagner, dass er sich als Regisseur einem zeitgenössischen Inszenierungsstil nicht verschließt. Vom rauschenden Erfolg seiner Inszenierung erfährt er im Krankenhaus, nachdem er bereits vor der Festspieleröffnung einen Herzinfarkt erlitten hatte. Am 4. August 1930 stirbt Siegfried Wagner.

Lückenhafte Biographie

Aus Anlass des 150. Geburtstags Siegfried Wagners öffnet das Richard Wagner Museum Bayreuth die Magazine, in denen sein künstlerischer Nachlass bewahrt wird, und begibt sich auf eine Spurensuche nach dem Sohn, Künstler, Festspielleiter und Menschen Siegfried Wagner. Die Ausstellung versucht Lücken zu schließen, die die Biographie des Wagner-Erben charakterisieren und die bis heute seine Persönlichkeit, sein Künstlertum und damit auch seine Weltanschauung zur Projektionsfläche für unterschiedliche Interpretationen und kontroverse Diskussionen machen.

Siegfried Wagner hat ein quantitativ durchaus dem Œuvre seines Vaters vergleichbares Opernwerk hinterlassen. In der Anzahl bildlicher Darstellungen schlägt der Sohn den Vater um Längen: Tatsächlich gibt es – vielleicht einzig mit Ausnahme des Großvaters Franz Liszt – kein Mitglied der Familie Wagner, nicht einmal Richard Wagner selbst, von dem so viele bildliche Zeugnisse überliefert sind. Und dennoch bleibt die Erscheinung Siegfried Wagners unscharf, schwer fassbar, widersprüchlich, oft nur Fassade. In einer größeren Anzahl von Texten – meist aus dem Bayreuther Umfeld – wird er später sogar wie sein Vater hagiographisch zum „Meister“ stilisiert.

Bühnenwerke weitgehend in Vergessenheit geraten

Autobiographische Äußerungen und Erläuterungen zu seinen Werken existieren kaum. Kunsttheoretische und weltanschauliche Einlassungen, wie sie sein Vater in großer Zahl produziert hat, findet man von Siegfried Wagner nur spärlich. Wichtige Teile seines privaten Nachlasses sind weiterhin unter Verschluss und der Forschung nicht zugänglich.

Das Leben Siegfried Wagners ist beinahe nur noch greifbar und dokumentiert in seinem Werk und in den Inszenierungen der Werke seines Vaters. Siegfried Wagners eigene Bühnenwerke dagegen sind heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Zwar dichtete und komponierte er immerhin 17 Märchen- und Volksopern, von denen auch ein größerer Teil zu seinen Lebzeiten uraufgeführt wurde. Allerdings stießen sie – mit Ausnahme seiner ersten Oper „Der Bärenhäuter“ – auf wenig Interesse des Publikums und verschwanden rasch wieder von den Spielplänen.

Verdienste um die Bayreuther Festspiele

Siegfried Wagners Verdienste um die Festspiele sind indessen unbestritten: die finanzielle Konsolidierung in wirtschaftlich schweren Zeiten, die technische Modernisierung und – nicht zuletzt – vor allem in Zusammenarbeit mit dem Bühnenbildner Kurt Söhnlein ab 1925 die vorsichtige szenische Erneuerung der Werke seines Vaters, die unter der Leitung seiner Mutter Cosima zu anachronistischem Kult geronnen waren. Diese Verdienste verschwinden jedoch oft im Schatten der ideologischen Inanspruchnahme und Politisierung der Festspiele, an der auch Siegfried Wagner nicht unbeteiligt war. Seit ihrer Wiederaufnahme 1924 nach zehnjähriger kriegsbedingter Unterbrechung wurden sie zunehmend zu einem Instrument völkischer und schließlich nationalsozialistischer Propaganda.

1930, im Todesjahr Siegfried Wagners, nimmt Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“ Ulrich „Urlaub vom Leben“, um sich auf die Suche zu begeben nach Inhalt und Bestimmung seiner Existenz. Musils Roman sowie Leben und Persönlichkeit Siegfried Wagners besitzen durchaus weitere überraschende Parallelen, nicht zuletzt in der Suche nach einem – sexuell verstandenen – „anderen Zustand“. Und wie auch die Erzählung von der Sinnsuche Ulrichs schließlich in zahllosen Fäden verläuft und unvollendet bleibt, ist auch die Biographie Siegfried Wagners bis heute Fragment.

(Quelle: Richard Wagner Museum Bayreuth)

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