Stadt Bayreuth

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09.11.2018

Stadt erinnert an jüdische Opfer der Pogromnacht vom November 1938

Die Stadt Bayreuth erinnert mit einer Gedenktafel an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die während der NS-Diktatur in der Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 in den damals offenen Innenhof des Alten Rathauses getrieben und dort bis zur Deportation in Konzentrationslager festgehalten wurden.

Enthüllen die Gedenktafel gemeinsam (von links): Historiker Dr. Norbert Aas, Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, Dr. Marina von Assel, Leiterin des Kunstmuseums, Felix Gothart, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth, und Erich Schneeberger, Landesvorsitzender des Verbands deutscher Sinti und Roma.
Enthüllen die Gedenktafel gemeinsam (von links): Historiker Dr. Norbert Aas, Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, Dr. Marina von Assel, Leiterin des Kunstmuseums, Felix Gothart, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Bayreuth, und Erich Schneeberger, Landesvorsitzender des Verbands deutscher Sinti und Roma.

Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe hat die Gedenktafel im Foyer des Kunstmuseums im Alten Rathaus im Beisein von Vertretern des Stadtrats, der Kirchen, diverser Verbände sowie Stifter des Kunstmuseums offiziell enthüllt. „Der 9. November erinnert uns an das dunkelste Kapitel unserer Geschichte – er mahnt, dass eine demokratische, menschliche und solidarische Gesellschaft nicht von alleine da ist, sondern, dass immer wieder darum gerungen, dafür geworben werden muss“, so Merk-Erbe in ihrer Ansprache.

Auftakt zum Holocaust

Die Pogromnacht vom 9. November 1938 war der Auftakt zum Holocaust an den Juden in Deutschland und Europa im Machtbereich der Nationalsozialisten. Auf Befehl der Parteileitung der NSDAP zogen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 im ganzen Land, auch in Bayreuth, SA- und SS-Männer in Zivil randalierend durch die Straßen, schlugen Schaufenster von jüdischen Geschäften ein und brachen in Wohnungen jüdischer Bürger ein. Sie holten die Einwohner aus ihren Betten, bedrohten und misshandelten sie und trieben sie schließlich auf die damalige Hauptwache der Polizei im Alten Rathaus. Dort standen die Geschundenen – oft im Nachthemd oder nur mit einem Mantel bekleidet, den sie schnell noch gegriffen hatten – in der Novemberkälte auf den Fluren und im damals offenen Innenhof.

Schließlich wurde beschlossen, die Menschengruppe in den Viehställen des damaligen Schlachthofes hinter der Rotmainhalle unterzubringen. Die Gruppe wurde in der Novemberkälte weitergetrieben durch die Stadt, vorbei an johlenden Menschen, ihren Nachbarn, Kunden oder Patienten, die links und rechts der Straßen ein Spalier bildeten. „Sie wurden beschimpft, angeschrien und geschlagen. Es war ein menschenverachtendes Spießrutenlaufen. Von den Viehstallungen aus machten die jüdischen Bürgerinnen und Bürger eine Odysee durch verschiedene Lager mit“, erinnerte die Oberbürgermeisterin.

Die neue Gedenktafel im Alten Rathaus sei nur ein Baustein, um dauerhaft und sichtbar zu erinnern, betonte Merk-Erbe. „Das Wissen und das Erinnern an die furchtbaren Taten in der Vergangenheit können helfen, zu erkennen, wie Hass entstehen kann. Insbesondere auch aus diesem Grund ist ein Gedenken unverzichtbar.“  

Die Tafel geht auf eine gemeinsame Initiative des Stadtratsmitglieds Dr. Norbert Aas, des Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde Felix Gothart sowie der Leiterinnen des Historischen Museums, Martina Ruppert, und des Kunstmuseums, Dr. Marina von Assel, zurück.